Göttinnen

Ägyptisches Museum-Foto-Nadia-Baumgart

Wir sind zurück in Niederbayern. Dieses Foto eines meiner Lieblingsobjekte aus dem Ägyptischen Museum wollte ich aber noch posten und füge ihm einen Auszug aus meinem Reisebericht hinzu:

Im ägyptischen Museum, das weiterhin wie ein Sammellager von Antiquitäten wirkt, in dem so gut wie alles verstaubt ist und sich kaum erklärende Texte finden, gefallen mir diesmal insbesondere kleine Figuren, die ich bei den bisherigen Besuchen nicht beachtet hatte: kleine Statuen von Zwergen und Horus als Kind mit einem Finger vor dem Mund.

Neu ist für mich die Mumienhalle. Besonders aufgefallen sind mir diesmal ein Krokodil, Symbol des Gottes Sebek, ein Alabaster-Kanopenschrein (eine Art Urne mit den Eingeweiden der Mumien) mit den Köpfen von vier Göttinnen, darunter Isis (die weiteren heißen Nath, Selket und Nephlys), ein Holzgriff, der einen asiatischen und einen nubischen Kriegsgefangenen darstellt).

Im Museum dasselbe liebenswerte Chaos, das ich bereits kenne. X sagt: es ist schade, dieser Haufen zusammengewürfelter Kunstobjekte, wahrscheinlich sind sie nicht einmal katalogisiert. Kein Schild, keine Erklärung – Y: Deswegen meinen ja viele, Deutschland und England sollten auf keinen Fall ihre Sammlungen zurückgeben, sie glauben, sie könnten sie besser präsentieren. Aber im Grunde gehören diese Objekte hierher, damit das ägyptische Volk sie hautnah erleben kann. Außerdem finde ich, dass die exklusiven Ausstellungen mit Sonderbeleuchtung auch tot wirken können. Hier wirkt der Zauber der vielen göttlichen Figuren noch. Sie waren vorher in staubigen Gräbern, jetzt in staubigen Auslagen, die Glasschaukasten sind voller Fingerabdrücke, die Statuen auch verstaubt, aber beinahe „lebendig“, nicht wie in klimatisierten Plexiglasboxen mit erlesenem Hintergrund. Das kleine Mädchen legt ihr Smartphone auf den Schoß des 3500 Jahre alten Schreibers und junge Menschen schauen in die Gesichter der Mumien, als seien es ihre Urgroßeltern.

Die Mumie von Ramses II werde ich nie vergessen: 1,70 m groß, hager mit hellgelbem, schütteren Haar, die Hände ragen etwas in die Höhe mit angewinkelten Ellbogen. Insbesondere junge Frauen schauen ihm neugierig und interessiert ins Gesicht. Alle sehen sich irgendwie ähnlich, auch ich gleiche ihnen.

Diese Mumien waren der Körper von Königen und Pharaonen. Die Oberlippe einer Frauenmumie hat sich etwas zurückgezogen, man sieht ihre Zähne im Zahnfleisch, das lebendig wirkt. Die meisten Mumien haben einen konzentrierten, sehr ernsten Ausdruck, als würden sie an eine schwierige Frage oder einen tiefen Schmerz denken.

5 Gedanken zu “Göttinnen

  1. Liebe Nadia,
    mir gefällt Deine Schreibweise und Berichterstattung sehr !
    Und jetzt meine Frage, wenn die Artefakte so ungeschützt präsentiert werden, schadet es ihnen dann nicht? Die Menschen berühren sie mit verschwitzten Händen, Kann dass gut sein?
    Nur so ein Gedanke von mir!

    LG Babsi

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    • Die sensibleren Objekte sind hinter Glas. Frei zugänglich sind eigentlich nur große Statuen aus Granit, denen Schweiß und Fingerabdrücke nichts ausmachen würden 🙂 Selbst 1000 Jahre verschwitzte Hände würden nichts an ihnen ändern… LG, Nadia

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  2. Liebe Nadia, sehr schön dein Text.ich stimme dir auch zu, dass die alten Werke dort hingehören. Doch kann ich mich mit der Vernachlässigung des Museums mit dem lieblosen Aufbau und der miesen Beleuchtung , die mir schon vor 12 Jahren auffielen, nicht anfreunden. i ch fürchte, das hat damit zu tun, dass der Islam dem „Götzendienst“ der Alten ablehnend gegenübersteht und ihn am liebsten abräumen würde. Die von dir erwähnte Ähnlichkeit der Gesichter, Gefahr der Identifizierung mit den alten Götterboldern .. Liebe Grüße dir!

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    • Du magst Recht haben…Ich denke eher, es liegt an mangelndem Geld. Denn die Ägypter sind alle sehr stolz auf ihre Vergangenheit, egal ob Muslime oder Kopten. Aber es ist sowieso schwierig, so etwas zu hinterschauen. Egal, ich verstehe Deine Haltung, mag persönlich jedoch dieses „Chaos“ 🙂 Vielleicht werde ich noch Textstücke veröffentlichen, ich muss sie aber erst wieder von meinen Zetteln abschreiben 🙂 Auch Dir einen lieben Gruß

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