Kitsch und Natur in Bayern

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About kitsch, stereotypes and the beauty of nature in the Bavarian Alps

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Kaum geht man ein paar Schritte in den Nationalpark hinein, schon ist man von der Natur überwältigt. Farbenspiele in der Oktobersonne, Lichtstreifen, die sich durch die Wälder winden und an den kargen Bergen lecken, eine tiefe, weite Ruhe auf den Almen.

Aber in Ramsau selbst begegnet einem eine andere Welt. Im Brotzeitstüberl läuft „Radio Volksmusik“. „Prost der Gemütlichkeit“, „Südtirol, du bist so schön“, ein ausgestopfter Dachs mit Filzhut winkt unter einem riesigen Strauß Plastiksonnenblumen, ein Fasan klebt zwischen Plastikginko, ein großes Murmeltier thront neben einem Töpfchen mit Chili.

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Man fragt sich, ob man auf Mallorca sei oder in Peking auf dem Paulaner-Oktoberfest oder in einem amerikanischen Disneypark, wo Frauen im Dirndl Bier einschenken und zu Blasmusik tanzen.

Seltsam, dabei ist man im echten Bayern, in den wirklichen Alpen. Überragt das Klischee die Realität? Oder wirken die weltweit bekannten Bayern-Bilder aus Disney World so überzeugend, dass sie in Bayern übernommen werden müssen?

Im Infohaus des Nationalparks können Kinder an Gummizitzen üben, wie man eine Kuh mit den Händen melkt. Aber welcher Landwirt macht das noch? Die Zucht von Kühen wird inzwischen von „Bayern Genetik“ bestimmt…

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In einer Welt, in der auch das Bild von Bayern wohl auch für die Bayern bröckelt, wie die Landtagswahlen jetzt gezeigt haben, muss man wohl die Bilder alter Zeiten heraufbeschwören, damit zumindest die Urlauber an das glauben, was nicht mehr ist.

Hier sprechen die Kellnerinnen im Dirndl recht gut Deutsch, aber auch Slowakisch. Toll, so können wir unsere spärlichen Tschechisch-Kenntnisse üben, denn Slowaken und Tschechen sprechen eine ähnliche Sprache. Wieso wir tschechisch sprechen, werden wir gefragt. Wir müssen lachen und hören wieder die Frage, die uns auch die Bayern stellen: „Wozu Tschechisch lernen, wir sprechen doch auch Deutsch?…“

Aus Interesse an Eurer Sprache und Kultur, sagen wir mit den Augen. Denn ausgesprochen versteht das anscheinend niemand.

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Abends im Gasthaus leuchten die Augen der blonden Dirndlträgerin, als wir „Dekuju“ („Danke“) sagen. „Ach, Sie sind das, die Tschechisch sprechen?“, fragt sie begeistert. Die Kollegin von nebenan hätte es ihr gesagt. Wie es ihr denn hier so ginge, fragen wir. Sie macht den Mund auf und wieder zu. Lächelt. Nur ihre Augen sprechen…

Wie dem auch sei, mit etwas Humor übersteht man auch die Musik und die Natur im Nationalpark ist unübertrefflich schön. Also, Vítejte v Ramsau bei Berchtesgaden!

 

Couleurs d´automne

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Afternoon walk along a nearby lake. We admired the autumnal colours and met two nice Irisch Wolfhoundes…

Nachmittagsspaziergang am Rottauensee. Herbstfarben und tiefblauer Himmel. Gesehen: Haubentaucher, einige Reiher, Grünspechte, Lachmöwen…und 2 freundlich dreinschauende Irische Wolfshunde.

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Irish Wolfhounds

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Beunruhigende Tatsachen

Ich freue mich sehr, nun Berichte über die Tätigkeiten und Veranstaltungen des Bund Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn verfassen zu dürfen. Hier mein erster Beitrag über den gestrigen Vortrag in Eggenfelden über die Wirkungen von Glyphosat:

Beunruhigende Tatsachen

Eggenfelden – Vortrag von Prof. emer. Dr. Monika Krüger über die Auswirkungen von Glyphosat auf Nutztiere und Mikroorganismen

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Glyphosat. Bei diesem Begriff kommen einem schnell allerlei Assoziationen: Bienensterben, Krebs, Monokulturen. Andererseits liest man immer wieder, der Einsatz des Herbizids sei harmlos und ganz unbedenklich. Das Thema erlangte wieder besondere Relevanz, als in diesem Jahr die Firma Bayer das amerikanische Unternehmen Monsanto kaufte.

Der am 11. Oktober im Stadtsaal von Eggenfelden gehaltene Vortrag der Veterinärmedizinerin und Mikrobiologin Prof. emer. Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig schaffte mehr Klarheit und viel Betroffenheit. Unter dem Motto: „Glyphosathaltige Herbizide – Fluch oder Segen für Landwirtschaft und Verbraucher?“ wurden die Wirkungen des Mittels aufgezeigt.

Die vom BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn, in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Katholischen Landvolkbewegung, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und dem Kreisverband Bayerischer Imker organisierte Veranstaltung war mit weit über 100 Teilnehmern sehr gut besucht.

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Zunächst wurde geklärt, was Glyphosat überhaupt sei, nämlich ein systemisches und nicht selektives Herbizid, das seit den 70er Jahren von Monsanto produziert und seit Mitte der 90er Jahre mit der Entwicklung von glyphosatresistenten Saatgütern verstärkt eingesetzt wird. Weltweit wird das Totalherbizid in mehr als 100 Ländern benutzt. In Deutschland findet es inzwischen auf ca. 40% der Agrarflächen, aber auch auf Nicht-Agrarflächen, wie z.B. in Baumschulen und auf den Gleisen der Deutschen Bahn Anwendung. Heute werden hier 105 glyphosathaltige Mittel eingesetzt.

Anhand einer Vielzahl von internationalen Studien und eigenen Forschungen erläuterte die Referentin die Wirkungen des Totalherbizids. Der langfristige Einsatz über mehrere Jahre reduziere eindeutig die mikrobielle Biodiversität von Böden und somit auch die Bodenfruchtbarkeit. Es wirke u.a. wie ein Antibiotikum, hemme somit das Wachstum von Bakterien und Pilzen mit positiver Wirkung auf unseren Organismus und fördere die Ausbreitung von krankheitserregenden Keimen, die letztlich über die Nahrungsmittel auch in den menschlichen Körper gelangen…

Glyphosat kann in Proben von Menschen, Tieren und in Futtermitteln nachgewiesen werden. Da jährlich ca. 38 Millionen Tonnen GVO-Soja (Gentechnisch veränderte Organismen) insbesondere von USA, Brasilien und Argentinien importiert werden, erfolge die Kontamination von Menschen und Tieren in Europa hauptsächlich über die Nahrung oder durch importiertes Tierfutter. Sogar Katzen- und Hundefutter enthielten hohe Mengen an Glyphosat. Nicht nur im Urin, sondern auch in Organen und Fleisch sei die Chemikalie nachweisbar. In USA und Südamerika, wo das Mittel schon in den 70ern zugelassen wurde, sei es schon im Trinkwasser angelangt.

Außerdem sei es in Baumwollprodukten, wie zum Beispiel Verbandsmaterial und Tampons, aber auch im Bier zu finden… Ganz besonders erschreckend sei, dass Kleinkinder inzwischen sogar stärker kontaminiert sind als Erwachsene.

Danach widmete sich die Referentin den Erkrankungen, die durch Glyphosat ausgelöst werden. Auffallend ist zunächst ein im Zusammenhang mit verstärktem Einsatz proportionaler Anstieg von chronischem Botulismus, einer lebensbedrohlichen Vergiftung, bei Kühen. Das Herbizid erzeugt außerdem Mangelsituationen in Tieren; insbesondere bestimmte Spurenelemente und Vitamine können nicht mehr aufgenommen werden, sodass der Stoffwechsel schwer geschädigt wird. Es beeinflusst insbesondere die Magen-Darm-Flora letztlich auch im Menschen, aber beispielsweise auch bei Bienen, schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko von Autoimmunerkrankungen.

Es schädigt Organe, beeinflusst den Leberstoffwechsel, zerstört Hormone, reduziert die Fruchtbarkeit und produziert u.a. langsame, kaum heilbare Entzündungen. Laut einer Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) von 2015 ist es wahrscheinlich krebserregend. Die Fotos von schwer missgebildeten Ferkeln, in denen Glyphosat nachgewiesen wurde, erzeugten bei allen Teilnehmern tiefes Unbehagen.

Zuletzt sprach Prof. Dr. Monika Krüger Lösungsansätze an. Kurz- und mittelfristig sei durch Einsatz von Huminsäuren, Pflanzenkohle und Zeolithen die Glyphosatwirkung auf Menschen, Tiere und Böden zu neutralisieren. Langfristig sei ein schrittweiser Ausstieg erstrebenswert und möglich. Auch digitale Technologien und moderne Bewirtschaftungsformen aus dem Biolandbau sollten vermehrt in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.

„Wir erkennen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagte die Referentin. Es müsse mehr nach komplexen Zusammenhängen geforscht werden, um die Wirkungen auf Gesundheit und Insektensterben abzuklären. Notwendig seien auch mehr Forschungsmittel für unabhängige Institute zur Erstellung tiefergehender Studien.

Im Anschluss an den spannenden Vortrag fand eine lebhafte Diskussion statt, in der verschiedene Standpunkte über konventionelle und ökologische Landwirtschaft ausgetauscht wurden mit dem Ziel, zukunftsträchtige Lösungen zu ermitteln. Alle Teilnehmer nahmen von dem anregenden Abend viele, teils beunruhigende Erkenntnisse und viel Nachdenklichkeit mit.

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Ich freue mich, dass mein Artikel auch in der lokalen Presse PNP veröffentlicht wurde:

https://plus.pnp.de/lokales/pfarrkirchen/3108273_Glyphosat-Fluch-oder-Segen.html?fbclid=IwAR1Canfh6UJGyVpoj8gaIEtyxTioiAx8sNmR8lMwD0nUTp9FIxsnU1yn6vU

https://rottal-inn.bund-naturschutz.de/aktuelles.html#c104773

Glyphosat

 

Austernfischer am Chiemsee

 

 

At the lake Chiemsee in Bavaria – we saw birds that are not characteristic for our region: oystercatcher and eider ducks…

Heute wieder einmal am Chiemsee gewesen – Was für eine Überraschung: ein Austernfischer, der charakteristischste Vogel der Nordseeküste, lief vergnügt auf einer Wiese von Frauenchiemsee herum! Auch die Eiderente, die eher in Skandinavien lebt, ließ sich wieder sehen. Wir haben sie letztes Jahr zum ersten Mal beobachtet. Irgendwie scheinen auch Vögel heutzutage neue Wege zu suchen…

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Exotische Rinder und Regen

Herbstmarkt in Bad Birnbach

The traditional autumn market in our bavarian town

Lokale Naturprodukte auf dem Herbstmarkt

Der Herbstmarkt in Bad Birnbach hat eine lange Tradition, die vor 300 Jahren von Caspar von Schmid, dem damaligen Herrn der Hofmark, gegründet wurde.

Wagyu Rinder gab es in diesen Zeiten natürlich noch nicht. Heute habe ich an den Ständen der „Direktvermarkter“ zum ersten Mal das Fleisch probieren können. Züchter Johann Wagener bietet kleine Rouladen an. „Schon wieder so ein neuer Hype, um Produkte teurer verkaufen zu können“, dachte ich, als ich vor einiger Zeit erfuhr, dass Wagyu-Rinder, eine Rasse, die ursprünglich aus Japan kommt, nun hier gezüchtet werden.

Nun kann ich sagen: das Fleisch ist wirklich ganz ungewöhnlich schmackhaft, aromatisch und zart. Richtig lecker! Die Tiere werden außerdem auf großen Weiden rund um einen idyllisch gelegenen Hof in Triftern gehalten.

Am zweiten Stand informierte Mia Goller, die Bezirkstags-Kandidatin der Grünen, über die „Direktvermarkter“, einer tollen Initiative, die den Verbrauchern Hersteller von Naturprodukten aus der Region näher bringt.

Vom Löwenzahnhonig über Biolamm bis hin zu Naturbränden und gutem Brot kriegt man direkt vom Hof frische und schmackhafte Lebensmittel. Dieser Trend zu mehr Qualität und Regionalität in der Ernährung ist natürlich nicht nur für Verbraucher und Erzeuger von Vorteil, sondern eben auch für Natur und Landschaft, da weniger intensiv gewirtschaftet werden muss, um Qualität zu erzeugen.

Hier mehr zu der Initiative: https://www.direktvermarkter-rottal-inn.de/