Ich hatte mal wieder Lust, eine Landschaft zu malen. In meiner Gegend im Rottal erscheinen die Forman der Hügel und Felder meist sehr geometrisch. Ich hab versucht, das wiederzugeben. Während ich malte, hab ich mich gefragt, wie diese Landschaft in 100 Jahren aussehen wird. Wird es noch Wälder geben, wenn es noch trockener wird? Wird die Gegend bebauter sein, vielleicht sogar urban – oder im Gegenteil eher verwaist? Ideen, die mir beim Malen durch den Kopf gehen…
Heute Morgen an der Rott, die zu dampfen schien. Wieder war der seltene Nachtreiher zur Stelle, der seit einigen Jahren hier brütet. Letzte Sichtung vom Nachtreiher in Bad Birnbach an der Rott: heute, 4. Juli 2026
Während der Hitzewelle (im Juni 2026) habe ich mir angewöhnt, frühmorgens immer denselben Feldweg direkt in meiner Nähe zu gehen.
Seit nunmehr 10 Jahren gehe ich fast täglich rund um Bad Birnbach „auf die Pirsch“. Üblicherweise bin ich gerne an der Rott, im Lugenzwald oder anderswo in der Gegend mit meinem Mann Berndt oder alleine unterwegs. Die Kamera habe ich immer dabei.
Auf dem Feldweg kenne ich inzwischen viele Tiere, denen ich Namen gegeben habe. Zum Beispiel heißt die Goldammer, die mich immer am Anfang des Weges mit ihrem Lied begrüßt, Aurora. Dann ist da ein junger Rehbock mit einem dunklen Gesicht und zwei dünnen Stangen als Geweih, den ich Leopold genannt hat, weil das so edel klingt. Denn der kleine Prinz wird vielleicht ja in Zukunft der Herrscher in seinem Revier. Da die meisten Tiere standorttreu sind, erkenne ich sie nicht nur an ihrem Aussehen, sondern auch an de Stelle, an der sie sich befinden.
Fasan mit kurzem Schwanz
Oft begegne ich auf meinen Touren mehreren Fasanen, die ich anhand der Schwanzlänge erkennen kann. Die Schwanzfedern des einen sind aufgrund der Mauser gerade verkürzt, während sein Konkurrent, dem er immer wieder droht, noch seine ganze Eleganz zeigen kann. Besonders schön ist es auch, Feldhasen zu begegnen, die miteinander spielen, oder aus Übermut Luftsprünge machen.
Es ist auch so unglaublich beglückend, den Vögeln zuzuhören. So beginnt der Tag schön und man vergisst das „Böse“ in der Welt, man glaubt wieder an die Freude.
Dadurch, dass man die Tiere praktisch „persönlich“ kennenlernt, werden sie auch tatsächlich zu Freunden. Manchmal frage ich mich, ob sie mich ebenfalls erkennen. Wenn ja, entsteht da eine echte Beziehung – und das wäre schön. Immer wieder male ich auch „Porträts“ meiner tierischen Bekannten. Meine soziale Umwelt reduziert sich nicht auf Menschen, sondern schließt unsere wilden Mitgeschöpfe, die auch das Wilde in uns reaktivieren und berühren können, ein. Und das ist einfach schön!
Und noch etwas: Meine Kamera hat einen starken Zoom und ich achte darauf, die Tiere nicht zu erschrecken.
Junger Rehbock Leopold
Wie ich dazu kam:
Schon als Kind haben mich Wildtiere fasziniert. in den Schulferien war ich bei der Oma im Sauerland unermüdlich im Wald auf Entdeckungstour. Jeder Vogel, jedes Tier faszinierte mich. Mein Vater, der Biologe war, erklärte mir wissenschaftliche Zusammenhänge und ich holte mir in der Stadtbibliothek alle Bücker über Tierverhalten, die ich finden konnte, Konrad Lorenz und Eibl-Eibesfeldt natürlich inbegriffen.
Später begann ich ein Biologiestudium in Straßburg, das ich zwar abbrach, das mir aber naturwissenschaftliche Grundlagen gab. Ich legte sogar ein Examen in Verhaltensbiologie ab. Als ich meinen Professor fragte, wie ich selbst Ethologin (Verhaltensforscherin) werden könne, sagte er: „Da müssen Sie auf meinen Tod warten – ich habe die einzige Stelle in der Region.“
Also studierte ich später meine anderen Leidenschaften: Kunst und Philosophie.
Anstatt zu warten, beobachte ich bei jedem Spaziergang die Natur um mich herum und das macht mich sehr glücklich. Egal wo ich bin. So wird die Natur zur Heimat.
Heute hatten wir bei der Radltour viel Glück!! Zunächst haben wir bei unserem schönen Storchenpaar auf dem alten Brauereikamin vorbeigeschaut. Es ist immer eine Freude, sie zu sehen. Aber jetzt – Anfang Juni – müssen wir wohl einsehen, dass sie heuer keinen Nachwuchs haben. So haben sie einen chilligen Sommer…
Bad Birnbacher Störche: KEIN Nachwuchs 2026!
Und weiter ging´s. Jetzt sahen wir einen seltenen Schwarzstorch im Himmel segeln. Dann einen Baumfalken, die bei uns ja auch selten sind. Dann noch mehrere Mäusebussarde, ein Reh und ganz viel Schönheit in der Natur
Nur leider kaum Schmetterlinge bisher…
Ein Baumfalke (Falco subbuteo) über uns!
Das war mal wieder eine spannende Tour mit vielen Naturwundern!
Der Feldhase hat mich nicht gesehen, weil ich still stand
Jetzt beginnt die richtig schöne Zeit!
Beim Morgenspaziergang hoppelte ein Feldhase ganz gedankenverloren auf mich zu und setzte sich beinahe vor meine Füße.
Und „Aurora“ ist wieder da: Eine bestimmte Goldammer sitzt nicht nur zum Balzen auf einem nackten Ast am Weg, sondern wirklich jeden Morgen – bis in den Herbst hinein. Deshalb hatte ich sie damals Aurora genannt, und ich freue mich sehr darauf, ihr auch dieses Jahr wieder oft zu begegnen.
Sehr schön waren heute auch die balzenden Mönchsgrasmücken, Girlitze und Hausrotschwänze. Und die Galloway-Kälber vom Arterhof genießen den Frühling ebenfalls.
Gesehen habe ich außerdem Turmfalken und Bachstelzen.
On my morning walk, a brown hare hopped toward me, lost in thought, and almost sat at my feet.
“Aurora” is back too: the same yellowhammer that perches on a bare branch by the path every single morning until autumn. That’s why I once named her Aurora, and I’m happy to meet her again this year.
I also watched courting blackcaps, serins, and redstarts. The Galloway calves are enjoying spring as well. And today I spotted kestrels and wagtails.