Das Rottal / Bavaria

Valley of the river Rott, a rural region in Lower Bavaria nearby the city of Passau.

Rottal und weitere Umgebung. Was gibt es zu sehen?

Das Rottal ist eine Region in Niederbayern unweit von Passau, die vom Fluss Rott geprägt wird. Charakteristisch ist die weite, leicht geschwungene Landschaft unter einem großen Himmel. Bewaldete Hügelkuppen, ein Flickenteppich von Äckern und Feldern sowie Kirchtürme und große Dreiseit– und Vierseithöfe prägen die Gegend. Traditionelle Feste gehören auch zum Rottal; im Winter gibt es beispielsweise die traditionellen Rauhnächte. Die Perchten haben wohl die Aufgabe, den Winter zu vertreiben. Übrigens, hier sieht man noch den inzwischen selten gewordenen Kiebitz…Auch Igel Igor kommt uns im Garten oft besuchen.

Hier ein Video über den Sommer im Rottal .

Hier weitere Impressionen vom Rottal und Bad Birnbach:

 

 

Im Sommer 2016 sind wir nach Bad Birnbach gezogen und erkunden seitdem die Umgebung. Es ist in dieser weitläufigen Gegend nicht immer einfach zu erfahren, wo man was erleben kann. Also wohin? Hier unsere persönlichen Tipps und Erfahrungen über das Rottal hinaus; alle blau markierten Begriffe sind mit eigenen Inhalten und Fotos verlinkt:

Natur und Seen:

Das Rottal mit seiner vielfältigen Flora  eignet sich sehr für Wanderungen und Naturbeobachtungen; selbst der  Biber ist hier wieder heimisch und mit etwas Glück in der Dämmerung zu sehen; Biberkinder sind eine Attraktion, aber auch Schmetterlinge sind schön zu beobachten. Selbst der Kurpark Bad Birnbach birgt so manche Überraschung, wenn man genau hinschaut: Mönchsgrasmücken und Goldammern sind oft zu hören, aber selbst der Ruf des Pirols ist manchmal im Frühjahr zu hören. Ein ganz besonderes und seltenes Erlebnis ist es, Kiebitzbabies zu sehen!

Auch der Kurpark-Weiher zieht viele Tiere an, er mutet beinahe an wie eine kleine Oase…Ich hoffe, dass er in Zukunft unter Naturschutz gestellt wird. Denn er beherbergt nicht nur den Biber, sondern auch den in Deutschland extrem seltenen Nachtreiher. 2009 gab es von dieser Art laut Wikipedia nur noch ca. 20 Brutpaare in Deutschland. Und hier präsentiere ich Euch noch einen Storchen, denn wir haben ein Storchennest direkt im Ort, auf dem Kamin der ehemaligen Arco-Brauerei. Mit sehr viel Glück und Herzklopfen ist auch der Schwarzstorch in der Gegend zu sehen!

Mitten im Rottal bei Triftern befindet sich etwas versteckt das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Reslberg, ein Paradies für botanische Raritäten wie Knabenkraut, Sonnentau, Moose und Farne.

Im Rottauensee bei Postmünster (18 km von Bad Birnbach) spiegelt sich nicht nur oftmals malerisch der Himmel; auch viele Vögel sind dort bei jedem Wetter zu sehen. Vogelstimmenwanderungen werden dort immer wieder von Bund Naturschutz und LBV angeboten. Interessant ist auch das Flussseeschwalben-Floß, das als künstliche Brutinsel seit 2011 den seltenen Vögeln Brutplätze anbietet.

Und wenn der Himmel weit ist, erinnert die Bundesstraße beinahe an die Route 66 🙂 Abstrakt anmutende Landschaften findet man auch bei Wittibreut.

Eine Tour auf dem Rottalradweg (Bad Birnbach – Pfarrkirchen – Massing) ist immer ein Genuss. Die andere Richtung (nach Neuhaus am Inn) ist weniger romantisch, die laute Bundesstraße ist fast immer zu nah.

An das Rottal grenzt das Inntal. Circa 20 Km südlich von Bad Birnbach liegt bei Ering am Inn das Europareservat Unterer Inn . Dort kann man wunderbar Wasservögel beobachten: Birdwatching. Geheimtipp: ein Besuch des Europareservats lohnt sich bei gutem Wetter sogar als Weihnachtsspaziergang und für schöne Fotomotive, zum Beispiel Sonnenuntergänge.

Wasservögel kann man auch an der Donau bei Vilshofen, insbesondere im Winter in Massen antreffen. Besonders schön ist auch eine Wanderung mit Weitsicht über das Inntal vom Schellenberg nach Stubenberg.

Wer wirklich Interesse an Vogelbeobachtung hat, ist nach anderthalbstündiger Fahrt am Chiemsee und kann die Vogelwelt vom Vogelbeobachtungsturm aus bewundern, im Achendelta  mit 300 bisher gesichteten Vogelarten gibt es immer viel zu sehen.

Der Bayerische Wald:

Ungefähr genau so weit liegt einer der schönsten Eiszeitseen (Karseen) im Bayerischen Wald, der Große Arbersee. Still und dunkel liegt er umgeben vom „Urwald“. Auch im Winter ist der Arbersee beeindruckend! Schade, dass dort inzwischen ein sehr großes Hotel und Restaurant entstanden ist. Man sollte sich aber von dem gelegentlichen Trubel nicht abschrecken lassen, Urlaubszeiten meiden und dem Weg am See entlang folgen. Hinten wird es immer ruhiger und man kann dort die begrasten „schwimmenden Inseln“ bewundern.

Die Sicht auf den Böhmerwald vom  benachbarten Dreisesselberg ist einfach atemberaubend. Im Winter ist der Dreisessel mit seinen vom Schnee eingehüllten Fichtenskeletten und Bäumen (den „Schneemandeln“) auch eine Wucht…Tradition und Kultur sind im Bayerischen Wald immer wieder interessant, das Waldmuseum in Zwiesel möchte ich besonders empfehlen.

Der Zellertal-Radweg ist für schöne Touren in der Umgebung von Arnbruck, Drachselsried bis Bodenmais sehr zu empfehlen, die Hügel sind nicht allzu steil, die Sichten jedoch weit und vielseitig. Natürlich lohnt es sich auch, das Zellertal zu erwandern.

Im Bayerischen Wald gibt es mehrere spektakuläre Wasserfälle. Der Größte befindet sich unweit von Bodenmais, ein echtes Naturwunder: die Rieslochfälle.

Eine Ilztalwanderung ist vielleicht weniger spektakulär, dafür umso romantischer; dort findet man mit etwas Glück sogar noch die seltene Gelbbauchunke.

Zu entdecken: den wunderschönen Pfad am rauschenden Wildbach namens „Wolfsteiner Ohe“, die Buchberger Leite bei Ringelai, im Bayerischen Wald.

Weitere Ziele:

Auch ein Spaziergang am Waginger See im Landkreis Traunstein ist ein unvergessliches Ereignis. Der Wanderweg am Seeufer ist nie überlaufen und bietet viel Abwechslung.

Und jetzt mal ganz woanders hin: südlich von Deggendorf bei Moos (ca 40 km von Bad Birnbach) liegt eine wildromantische, geschützte Auenlandschaft: das Isarmündungsgebiet .

Höfe:

In der Gegend Rottal-Inn findet man nicht wenige beeindruckende Vierseithöfe und Dreiseithöfe.

Kultur:

In Bad Birnbach finden regelmäßig Veranstaltungen und Ausstellungen im Artrium statt. Im Kurort wurde der erste autonome Bus Deutschlands im Straßenverkehr getestet. Schaut, wie der kleine Bus (Film) groß gefeiert wird.

Und im Winter laufen hier die Perchten herum, eine alte Tradition, die heute Touristen anzieht und hoffentlich mit der Zeit nicht allzu sehr verkitscht…

In Pfarrkirchen finden im Glasbau in der Ringstraße 9 regelmäßig Kurse (Malkurse, Schreibwerkstatt…) statt. Im Juli findet die Pfarrkirchner lange Kunstnacht statt.

Reise in die Vergangenheit: Sehenswert ist das Museumsdorf Bayerischer Wald bei Tittling, ca. 60 Km von Bad Birnbach in Richtung Vilshofen. Es ist mit seinen 150 Gebäuden eins der größten Freilichtmuseen in Europa. Weniger Objekte findet man im Freilichtmuseum Finsterau. Dafür ist dieses sehr schön in die Natur eingebettet.

Hält man sich in Passau auf, empfiehlt sich ein Blick auf das Schloss Neuburg am Inn , ein Besuch im MMK und im Oberhausmuseum. Selbst im Bayerischen Wald stößt man immer wieder auf sehenswerte Museen wie zum Beispiel das interessante Waldmuseum Zwiesel.

Als die internationale Presse über die Vorstellung des fahrerlosen Busses berichtete, standen sogar Kamerateams aus Japan in Bad Birnbach.

Leute:

Interessante und vielfältige Geschichten über die Bewohner des Rottals finden sich auf dieser Seite von Eva Hörhammer : https://rottalergsichter.de/

Jeder Mensch ist einzigartig, aber sie werden in den verschiedenen Regionen auf unterschiedliche Weise eingeordnet. Hier habe ich diese Kategorien wahrnehmen können: Einheimische,  Ausheimische*, Zuagzogne, Zuageroaste, Möchtegern-Einheimische, Möchtegern-Zuageroaste, Ausländer, Golfer, Kurgäste, Gäste…

*Definition von Christoph Isoop für „Ausheimische“ in einem Interview der PNP, 2018: „jene, die weggegangen sind und verbunden geblieben oder jene, die zurückkommen und was mitbringen“

Zuagzogne laut boarisch Wikipedia:  „Zuagroaste san Leit, de wo ned aus Bayern oda Estreich stamma und in a boarische Region ziang. Leit aus Bayern oda Estreich, de wo in a andane boarische Region ziang san Zuazogne.“ Zitat eines Zuagzognen aus Deggendorf 2018: „Eigentlich sind wir in der Region so etwas wie Entwicklungshelfer“.

Ausländer– laut Zensus von Mai 2011: 4, 4 % der Gesamtbevölkerung. Wie viele es 2018 sind, konnte ich im Internet nicht ermitteln. Zum Vergleich: in Frankfurt am Main sind es heute ca. 60 %. Zu den „Ausländern“ hier gehören auch die Italiener, Griechen und Asiaten, die Restaurants betreiben. In Pfarrkirchen (European Campus Rottal-Inn) studieren junge Leute aus 60 Nationen. Welch ein Gewinn für die Region!

Möchtegern-Zuageroaste: „Ich bin nicht in Bad Birnbach geboren, sondern in Grottham (3 km vom Zentrum), in Aunham (2 km vom Zentrum), in Postmünster (15 km vom Zentrum)“

Möchtegern-Einheimische: hier is alles so „staad“ (still), wir waren in Aanschdorf (Arnstdorf): möchtegern-Bayerisch von zuagezoagnen Düsseldorfern.

Golfer: Hier ist Golfland… „das ist wie ein Naturschutzgebiet, da gibt es Biotope!“. In jedem größeren Ort des Bäderdreiecks befindet sich ein Golfplatz.

Camper: „wir sind frei!“

Kurgäste: (Kurgäste meistens aus Bayern, Sachsen und Westfalen) : „Ich bin zum 35. mal hier! Früher gab´s weniger Becken…“

Gäste: Leute, die hier sein wollen, ohne eine Kur zu machen. Meist Menschen, die öfters hier zur Kur waren und diese als zu anstrengend erleben. Wenn man Gäste fragt, woher sie kommen, geben sie oftmals eine Großstadt an. Fragt man hartnäckig nach, entpuppt sich zum Beispiel „Frankfurt am Main“ als Dorf in der Nähe von Aschaffenburg…

Reichsbürger: keine Angst, sie sind glücklicherweise eine Randerscheinung im Rottal: nur ein „Objekt“ fiel 2017 in unserem Landkreis auf: PNP Bericht über Reichsbürger in Niederbayern Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Sie behaupten, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort.

Städte:

Passau befindet sich ca. 45 km von Bad Birnbach. Dort kann man auch mit dem roten Bähnle fahren, der Südostbayernbahn. Ohne das regelmäßige Tuten der kleinen Bahn, würde man sich vielleicht hier nicht so heimisch fühlen 🙂

Das Rottal grenzt an Oberösterreich, Simbach und Braunau sind unsere Grenzstädte. Hier wird die Grenze kaum mehr wahrgenommen: man spricht die selbe Sprache, man geht „dort“ zum Friseur und zum Einkaufen. Schön! Tschechien ist kaum weiter weg, aber man kennt sich nicht wirklich. Gerade wegen dieser Zurückhaltung haben wir uns entschieden, Tschechisch zu lernen und im Juli 2018 haben wir Krumau besucht.

Wenn man zwischendurch mal richtig Lust auf Großstadt bekommt, ist München zwar nicht um die Ecke, aber eben doch mit Auto oder Südostbayern-Bahn in ca. 2 Stunden zu erreichen. Näher (ca. 80 Km von Bad Birnbach) liegt Salzburg.

Zugegeben, das Rottal hat keine Küste. Aber wenn einen die Sehnsucht nach Meer und Italien überkommt, ist man in 5, 6 Autostunden in Venedig ….

Neu: Leider droht uns im Rottal bald eine Monstertrasse ….

Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: Wer sich wirklich für den Freistaat interessiert, der sollte nicht nur das Oktoberfest kennen und die Münchner Hausberge. Der sollte auch dem anderen Bayern eine Chance geben, einem Land, das echt ist, direkt und noch voller Überraschungen. Der sollte mitten ins Herz Niederbayerns fahren, ins Rottal.

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Kapelle bei Leithen im Rottal

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Rottaler Landschaft

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Weg ins Nichts

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Landschaft bei Schmelzenholzham

 

 

 

2 Gedanken zu “Das Rottal / Bavaria

  1. Pingback: About me – Über mich | Art blog Germany-France-Italy - Nadia Baumgart

  2. Pingback: Wir und das Rottal! | Art blog Germany-France-Italy - Nadia Baumgart

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