Vogelstimmenwanderung

A bird tour in Lower Bavaria – organized by a nature conservation association and led by an ornithologist to teach participants to identify birds by their calls.

Randonnée organisée par la Ligue pour la protection de la nature et un ornithologue pour apprendre à différencier les chants des oiseaux.

Impressionen der heutigen Vogelstimmenwanderung mit dem Flora- und Fauna-Experten Walter Sage vom Bund Naturschutz. Es trafen ca. 30 Interessierte ein, darunter auch einige Kinder, und los ging es, am Rottauensee entlang.

Schon bald waren 37 Arten aufgezählt, vom Haubentaucher über den Zilpzalp bis zur Wacholderdrossel. Auch die ersten Fluss-Seeschwalben waren zu sehen, mehrere Paare brüten dort jedes Jahr auf einem vom LBV angebrachten Floß. Und der Kuckuck rief beinahe pausenlos im Hintergrund. Nebenher habe ich zum ersten Mal Fische am Seeufer laichen gesehen!

Interessant waren auch die Ausführungen von Walter Sage, der auf beinahe jedes Stichwort einging, zu den Wechselwirkungen in der Natur. Dort sind so viele Lachmöwen auf einer winzigen Insel, sie brüten alle Nest an Nest, sind es nicht zu viele? Da erzählt unser Naturführer, dass der Mensch immer wieder versucht, es besser zu machen als die Natur: früher hätte man Lachmöwen abgeschossen und so vermehrten sie sich erst recht. Denn wenn die Kolonien tatsächlich zu groß wären und die Vögel zu nah aneinander nisten würden, würden unter ihnen meist Krankheiten ausbrechen, die ihre Zahl von selbst eine Zeit lang dezimieren. An privaten Fischteichen habe man immer wieder Kormorane und Graureiher gejagt – die sowieso nur einen geringen Prozentsatz der Fische fangen würden – um die Karpfen zu schützen. Daraufhin vermehrten sich die Karpfen stark und erkrankten an der infektiösen Bauchwassersucht, sodass deren gesamter Bestand im Teich gefährdet wurde. Sind die Elstern „böse“? Herr Sage erklärt, dass alle Rabenvögel Opportunisten seien und der Buntspecht, der im Gegensatz zur Elster so beliebt sei, auch Eier und Jungvögel als Nahrung zu sich nimmt.

In die Natur einzugreifen sei immer heikel, sagt Herr Sage und fügt hinzu „aber der Mensch meint ja immer, er sei g´scheiter“.

Auch die Vogelfütterung wurde angesprochen. Dadurch würden bestimmte Arten, insbesondere die Körnerfresser, bevorzugt, und die seltenen Arten würden dadurch noch seltener. Effizienter wäre es, dafür zu kämpfen, dass wieder mehr Insekten in unseren Landschaften überleben können, sodass der Vogelschutz auch gewährleistet sei. Dieses Argument kann ich persönlich zwar nachvollziehen, werde jedoch weiterhin Vögel füttern, auch weil ich an der industriellen Landwirtschaft nichts ändern kann…

Natürlich war auch der Kiebitz im Gespräch, den man hier und da auf den Äckern sieht. Ob Ihr Bestand schrumpft? Walter Sage erklärt, dass diese Vögel 15 Jahre alt werden können und sie sich meist jedes Jahr am selben Fleck einfinden. Wenn sie jedoch auf Dauer kaum Bruterfolg haben sollten, würde dies erst nach Jahren auffallen. Jedenfalls hätten sie in diesem Jahr aufgrund des Frostes, der noch einmal kurz einzog, noch mehr Probleme als sonst. Sie brüten ja auf Äckern, die größtenteils erst in den nächsten Tagen eingesät werden würden. In der Vergangenheit hätten Kiebitze auch schon auf Maisäckern gebrütet, damals waren die Felder jedoch nicht so groß und grenzten an Wiesen, die heute nur noch selten anzutreffen seien.

Der Experte meinte, es könne sogar eine gute Idee sein, in Schutzgebieten hier und da ungespritzte und nicht gedüngte Wildäcker entstehen zu lassen, um den Kiebitzen den geackerten Boden, auf dem er so gerne sein Nest baut, anzubieten.

Dieser schöne und aufschlussreiche Spaziergang im Rottal wird mir in Erinnerung bleiben.

 

 

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Larus ridibundus – black-headed gulls – Hier nisten die Lachmöwen auf dem Rottauensee

 

 

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