Batnight

Looking for bats with a biologist and kids in Lower Bavaria
Knattern im Dunkeln – Die Nacht der Fledermäuse

Die „Fledermausdetektive“ halten ihre Bat-Detektoren in die Luft, während die Biologin Dr. Friemel (ganz rechts) anschaulich die Lebensweise der Fledermäuse erklärt.

BN- Fledermaus-Nachtwanderung im Lichtlberger Wald

Am Samstag Abend war ich bei der Fledermaus-Nachtwanderung in Gern mit dabei. Lustig war es und sehr informativ. Leider haben wir nicht viele Fledermäuse gehört. Und trotzdem viel erfahren. Zum Beispiel, dass sie ganz schön alt werden können, bis zu 35 Jahren!

Hier mein Bericht:

Eggenfelden (Gern).  Aufgrund von zahlreichen Anmeldungen, wurde die von der BUND Naturschutz-Jugendgruppe „Green Earth“ veranstaltete Fledermaus-Wanderung in zwei Gruppen von jeweils etwa 20 Teilnehmern am Freitag und am Samstag unternommen. Insbesondere Familien mit Kindern fanden sich bei beginnender Dämmerung am Schlossweiher ein.  Die Leiterin der Jugendgruppe Emma Riedler sowie der erste Vorsitzende der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Rottal-Inn Dr. Jürgen Riedler freuten sich sehr darüber, dass die Veranstaltung und das Thema so viel Interesse geweckt hätten. 

Die Bat-Detektoren machen Fledermaus-Laute hörbar

Nach der Begrüßung der Anwesenden zog die Biologin Dr. Dorothea Friemel die Kinder mit Frage-und-Antwort-Spielen sowie Anschauungsmaterial in ihren Bann. Dabei lernten alle Teilnehmer viel über die Lebensweise der Fledermäuse. Beispielsweise, dass es deutschlandweit 27 Fledermausarten gebe, dass diese je nach Art von 4 bis 30 Gramm wiegen und häufig ihr Quartier hinter Fensterläden oder in Dachstuben suchen. Alle einheimischen Fledermäuse seien Insektenfresser und überwinterten in Winterquartieren wie zum Beispiel auch in Nistkästen oder Baumhöhlen. Weltweit seien über 1000 Fledermausarten nachgewiesen worden; davon würden sich nur 3 Arten von Blut ernähren. In Asien, Afrika und Südamerika ernährten sich bestimmte Arten auch von Früchten. „Es gibt nichts, was es bei Fledermäusen nicht gibt“, schmunzelte die Biologin.

Da die nachtaktiven Tiere zur Orientierung Ultraschall­-Laute ausstießen, die für Menschen unhörbar seien, verteilte Dr. Friemel sogenannte „Bat-Detektoren“, elektronische Geräte, mit deren Hilfe die Tiere aufgespürt werden können. Da die Rufe sich stark zwischen den Arten unterschieden, sei es möglich, anhand der Ruffrequenz die jeweilige Art zu bestimmen.

Nun ging es in den Lichtlberger Wald. Die Kinder hielten gespannt die Geräte in die Luft und hörten immer wieder das Rattern und Knattern der Fledermausrufe. „Bei Bartfledermäusen klingen sie wie das Ticken eines Geigerzählers, bei Abendseglern eher zwitschernd“, so Dr. Friemel. Immer wieder blieb man stehen, um zu horchen. Dabei wurden weitere Einzelheiten über das Verhalten der Säugetiere erläutert. Die Weibchen würden im Herbst begattet; die Befruchtung der Eizelle geschehe jedoch erst nach dem Winterschlaf bei günstigen Wetterverhältnissen. Die Weibchen richteten sogenannte „Wochenstuben“ ein. Häufig gebäre das Muttertier nur ein Junges, während es mit dem Kopf nach oben hänge.  Das Neugeborene käme nackt und blind zur Welt und gleite dabei in die hochgewölbte Schwanzflughaut der Mutter. Nur etwa jedes zweite Junge überlebe. Da Fledermäuse 30 bis 35 Jahre alt werden können, sei es nicht einfach, Bestandsschwankungen rasch wahrzunehmen.

Fledermäuse seien in Deutschland gesetzlich geschützt. Als Insektenfresser und Höhlenbewohner hätten sie zwei schwerwiegende Probleme: Insektensterben und „Wohnungsnot“. Sie seien auf Nischen in Bäumen, Höhlen oder Gebäuden angewiesen. So sei es wichtig, bei Hausrenovierungen auf Fledermäuse, die sehr quartiertreu seien, zu achten und ihnen Ersatzquartiere anzubieten. Insbesondere sei es wichtig, Bauvorhaben rechtzeitig zu planen. Die Untere Naturschutzbehörde stehe bei solchen Maßnahmen mit Rat und Tat zur Seite.

Über Fledermäuse im Haus könne man sich freuen: sie befreiten ihre Gärten von lästigen Mücken und böten mit ihrem Kot (Guano) den besten Naturdünger für den Garten. „Wenn Sie den kleinen nachtaktiven Tieren helfen möchten, dann können  Sie das mit sehr einfachen Mitteln tun. Denn je insektenfreundlicher ihr Garten gestaltet ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihn Fledermäuse als Jagdrevier nutzen“ so Dr. Riedler.

Hier mehr: https://rottal-inn.bund-naturschutz.de/

Das wilde Eck

Heute habe ich mir nochmal das „wilde Eck“ am Kurpark Bad Birnbach angeschaut. Es ist ein schützenwertes Auenwäldchen in der Nähe der Rott.

Ich habe mich sehr gefreut zu sehen, dass der „Urwald“ sich sehr schön entwickelt. Wir brauchen viele wilde Ecken, um Vögel und Pflanzen einen Schutzraum zu gewähren. Ich hatte schon einmal darüber berichtet: https://nadiapittura.com/2019/07/01/das-wilde-eck/

Das wilde Eck in Bad Birnbach
Das wilde Eck gedeiht.
Ein kleiner Urwald. Genau so etwas brauchen Schmetterlinge, Pirol und Specht

Die Zukunft unseres Waldes

A hike through our forest organized by the nature conservation union. The main subject: the conifer populations afflicted by bark beetles. The main question: What the forest of the future might look like.

Kahlflächen aufgrund der massiven Abholzung von Fichtenwäldern sieht man nicht nur im Inntal immer öfter.

Am Sonntag fand die alljährliche Waldwanderung auf dem Schellenberg statt. Über das diesjährige Thema „Borkenkäfer – Katastrophe oder Geburtshelfer?“ fanden schon gleich am Treffpunkt angeregte Diskussionen zwischen den zahlreichen Teilnehmern, unter denen sich auch mehrere Waldbesitzer befanden, und dem Förster statt. Damit befanden sich alle Anwesenden schon mitten im Thema. 

Die Veranstaltung ist wie üblich in Zusammenarbeit mit der BUND Naturschutz-Ortsgruppe organisiert worden.

Im Rahmen des von der Stadt Simbach organisierten Sommerprogramms fand die alljährlich von Förster Reichenwallner geleitete Waldwanderung auf dem Schellenberg statt
Die Fichte hält dem Klimawandel nicht Stand

Nun ging es die Marienhöhe hinauf, einen ursprünglich als Park konzipierten Laubwald am Südhang des Schellenberges. Mehrere größere Kahlschläge weiter oben im Fichtenwald und hohe Holzstapel am Wegesrand zeigten, wie stark der Borkenkäfer auch im Inntal den Wald verwandelt. „Die Fichte hat bei uns ausgedient“, so Reichenwallner. Denn was inzwischen für alle offenkundig sei, könne auch die Wandergruppe auf ihrem Weg immer wieder eindeutig feststellen.

Diese Hundedame war auch dabei und schaute zuversichtlich in die Zukunft…

Dass der Störenfried jedoch so winzig ist, darüber wunderten sich die Mitwanderer, als der Förster einen Borkenkäfer in einer Rinde zeigte: das Insekt erreicht eine Körperlänge von ca. 5 mm. Die Fichte sei in höheren und kühleren Lagen heimisch und vor über 250 Jahren bei uns eingeführt worden; dieser Nadelbaum komme offenkundig mit dem schnellen Klimawandel nicht zurecht und könne sich aufgrund der Trockenheit nicht mehr durch Harzbildung gegen das zerstörerische Insekt wehren.

Dabei sei schon im 19. Jahrhundert von Wissenschaftlern vor Fichtenmonokulturen gewarnt worden. Vor dem flächendeckenden Einsatz der Fichte wuchsen in unseren Wäldern vornehmlich Eiche und Buche, begleitet von anderen Baumarten wie beispielsweise Kirsche, Ahorn und Tanne.

So winzig ist er, der Borkenkäfer!
Neophyten auf den Brachflächen

Die derzeitigen massiven Abholzungen veränderten mit großen Kahlflächen das Gesicht des Waldes. Auch diese Flächen werden rasch wieder besiedelt. Als erstes zeigte Michael Reichenwallner auf das rosa blühende Indische Springkraut. Diese ursprünglich aus dem Himalaya stammende Pflanze sei als Bienenfutter- und Zierpflanze nach Europa importiert worden und verdränge durch ihr rasches Wachstum teilweise die heimische Vegetation.

Dann machte Reichenwallner auf besonders große Exemplare der Schwarzen Tollkirsche, auch „Belladonna“ (italienisch für „schöne Frau“) genannt, aufmerksam. Wolliger Schneeball und Brombeere gehörten auch zur Kahlflächen-Flora. So schaffe der sich explosiv ausbreitende Käfer auch neue Lebensräume für heimische Pflanzen und solche, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren (Neophyten).

Die Teilnehmer der Waldwanderung in Simbach

Da das „Käferholz“ keine technischen Mängel vorweise und es zurzeit in großen Mengen verfügbar sei, sei es sinnvoll, es vermehrt als Bauholz einzusetzen. Nun kam die Gruppe an einer Lichtung vorbei, in der Eberesche, Birken hochschießen, in deren Schatten schon erste junge Buchen sprießen: „Der Wald verjüngt sich von alleine, wenn man Zeit und Geduld mitbringt“, so der Förster. Die Anforderungen der Forstwirtschaft lassen jedoch leider keine Muße zu.

Mit Zeit und Geduld verjüngt sich der Wald selbst. Zuerst besiedeln oft Brombeeren, Sträucher und erste „Pionierbäume“ wie die Birke die Kahlflächen. In deren Schatten wachsen dann Buche, Eiche und Tanne heran.
Man ist im Blindflug

Jetzt ging es an teilweise eingezäunten Neupflanzungen vorbei. Es werde nun mit einheimischen und Fremdbaumarten experimentiert. Wie der Wald der Zukunft aussehen werde, könne derzeit trotz aller Studien und Untersuchungen und aufgrund der Schnelligkeit des Klimawandels niemand sagen. „Man ist im Blindflug“, so der Förster. Dies zeigte er auch am Beispiel einer Strobe oder Weymouth-Kiefer, die vor einigen Jahrhunderten aus Nordamerika eingeführt worden und inzwischen in unseren Graden zum Opfer einer Pilz-Krankheit geworden sei.

Nebenher wurden am Wegesrand auch Pilze wie Hexenröhrling, Birkenporling und Maronen sowie allerlei Sträucher bestimmt.

„Es gibt selten Schaden ohne Nutzen“ schloss Brigitte Schwarzbauer und freute sich, dass die Wanderung so viele interessante Gespräche ausgelöst habe: „Das war eine richtige Expertenrunde“. Jeder habe etwas mitgenommen, egal ob er den Wald selber nutze oder nur am Thema interessiert sei.  Auf die Veranstaltung im nächsten Jahr freue sie sich jetzt schon.

Beitrag über Waldwanderung zum Thema Borkenkäfer, 2019, von Nadia Baumgart
Beitrag in der PNP

Free energy

Visit of an environmentally friendly solar field in Lower Bavaria. An example of sustainable and regional power generation, at the same time enhancing biodiversity.

Für eine Energiewende im Einklang mit der Natur

Auf dem Solarfeld im niederbayerischen Bodenkirchen

 „Ganz nach dem Sardinenschwarm-Prinzip wollen wir gemeinsam den täglichen Wettkampf mit den Großkonzernen aufnehmen.“ Dieser Satz steht auf einer Broschüre der Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern. Das klingt rebellisch und spannend. Als nun der vor kurzem gegründete Verein „HeimatUnternehmen zwischen Isar und Inn“ zu einer Besichtigung des Solarfeldes in Bodenkirchen im niederbayerischen Landkreis Landshut einlud, dachten Berndt und ich: „Da müssen wir hin!“.

Ganz leicht zu finden war das Solarfeld nicht. Zuerst ging es durch einige Dörfer und zuletzt durch weite Felder bis zu einem eingezäunten Gelände, das sich inmitten von Büschen, Bäumen und Wiesen befindet.

Empfangen wurden wir direkt unterhalb des Solarfeldes von den Vorsitzenden des Vereins HeimatUnternehmen, Mia Goller und Andreas Engl. Kaum waren alle Besucher eingetroffen, führte uns Solarfeldbetreiber Andreas Engl in sein Reich ein.

Schafe grasen in der Solaranlage

Für regionale und nachhaltige Stromerzeugung

Als Vorstandsvorsitzender der EEB eG (Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern eG) und Gründer der Regionalwerke GmbH & Co. führt er mit Leidenschaft in das komplexe Thema „erneuerbare Energien“ ein. Er erzählt davon, wie Strom nachhaltig produziert werden und die Energiewende stattfinden kann, ohne die Natur zu zerstören.

Auf insgesamt 2,6 Hektar hat er im Jahr 2012 eine Solaranlage auf einer ehemaligen Lehmgrube in Hanglage gebaut und eine überverhältnismäßig große Ausgleichsfläche geschaffen. Die erzeugte Energie kann 350 Haushalte im Jahr versorgen. 1,7 Millionen Euro hat er in das familieneigene Grundstück investiert. „Gerade weil es der Familie gehört, muss es besonders schön sein“, so Engl. Dass Landbesitz auch zu verantwortungsvollem Umgang mit der Natur verpflichtet, ist für ihn selbstverständlich. Mir geht durch den Sinn: „Schön wär´s, wenn alle Landbesitzer solch ein Verantwortungsgefühl besäßen!“

Besuch des Solarfeldes im niederbayrischen Bodenkirchen. Eine Veranstaltung der HeimatUnternehmer zwischen Isar und Inn.
Die Besucher der Solaranlage mit Andreas Engl

Andreas Engl setzt sich leidenschaftlich für regionale Energieerzeugung ein und stellt fest, dass der Verbraucher bis heute leider keine Möglichkeiten hat, mit seinem Stromanbieter eine regionale Energiewende zu unterstützen. „Ökostrom ist ein ‚Green Washing‘- Produkt, mit dem Verbraucher hinter`s Licht geführt werden“, beklagt der Energiemanager und wirbt für mehr Transparenz im Stromhandel. Absurd sei es, dass Strom, der dezentral und regional produziert werde, noch zentral über die Leipziger Strombörse gehandelt werden müsse. Aus diesem Grund arbeitet er mit verschiedenen Unterstützern an einer regionalen Stromhandelsplattform  und an einem „Eier-Code“ für jede kWh, als eindeutigen Herkunftsnachweis.

Wie Landwirte, die in der Region für die Region produzieren, so wollen auch wir Energieerzeuger ‚Energiewirte‘ sein. Erst wenn die regionale Produktion nicht ausreicht, sollte Strom überregional an der Leipziger Börse gekauft werden.“ Das erhöht die regionale Wertschöpfung und auch die Energieunabhängigkeit. Es gebe jedoch unzählbar viele Argumente für dezentrale Energie. Wer das Thema vertiefen möchte, findet hier mehr Info: https://regionalwerke.com/  oder unter https://www.eeb-eg.de/

Auch Hund Daschi hört konzentriert zu

Ein Paradies für Pflanzen und Tiere durch doppelte Flächennutzung

Nun wurden die Besucher durch die Ausgleichsfläche rund um das eingezäunte Solarfeld geführt. Die Obstbäume der Streuobstwiese biegen sich unter der Last von Äpfeln und Birnen. Üppige Wildgräser blühen, Brombeeren säumen den Weg, im Solarfeld grasen Schafe, Totholz liegt herum, Trockenmauern schaffen Platz für Reptilien. „Hier gibt es Eidechsen ohne Ende!“ sagt Engl begeistert. Das Solarfeld, das schon als „die umweltfreundlichste Solaranlage Bayerns“ bezeichnet worden war, sei eine Oase für Tiere und Pflanzen inmitten einer von Monokultur geprägten Landschaft.

Bisher wurden auf dem Grundstück schon über 500 Tier- und Pflanzenarten dokumentiert, darunter auch sage und schreibe 81 Spinnenarten. Ein besonderes Highlight sei der Wiedehopf gewesen, der sich einmal in der Anlage aufgehalten habe. Prompt baute der Naturfreund Engl eigens für ihn einen Brutkasten mit Kamera. Bisher sei er nicht wieder erschienen, aber vielleicht entscheide er sich doch einmal für das bequeme Zuhause.

Die Streuobstwiese ist übrigens in Zusammenarbeit mit Kindern einer Schulklasse angelegt worden; der „Lebensturm“ fungiert als grünes Klassenzimmer und Führungen werden regelmäßig organisiert.

Unter einem Mirabellenbaum wird im goldenen Abendlicht Rast gemacht. Den Abend lässt man am unten gelegenen Teich in romantischer Atmosphäre ausklingen, während „Oichkatzerln“ durch die Äste rascheln.

Ein Brutkasten für den Wiedehopf

Zuletzt erzählt Mia Goller von der HeimatUnternehmen-Gruppe. Diese sei im Aufbau und wolle Leute, die die Region wertvoll machen, miteinander vernetzen und Inseldenken aufbrechen. Das sei an diesem Abend wohl gelungen, schmunzelt sie mit Blick auf die Gäste. Denn wo finden sich schon Stromerzeuger, Fotografen, Kaffeeröster, Alpakazüchter, Graphikdesigner und Bierbrauer zusammen? Supportive Leader Regina Westenthanner fügt warmherzig hinzu: „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen, das lebt, atmet und pulsiert.“

Die Welt ein bisschen besser machen

Nachdenklich gehen wir in der Dämmerung den Weg durch das kleine Wäldchen zurück zum Auto. Mit Leidenschaft und Wissen kann man tatsächlich die Welt etwas besser machen, denke ich, während Fledermäuse über unsere Köpfe hinweg flitzen.

Und noch etwas mehr Info über den Artenschutz auf dem Solarfeld:

https://land-belebt.bayern/projekte/artenschutz-unter-strom

Hoffnung für den Hirschkäfer

1_Hirschkäfermeiler_in_Tann_Nadia_Baumgart
Bau eines Hirschkäfermeilers in Tann

The regional group of our nature conservation association has built a breeding ground for stag beetles last week with the help of students.

4_Hirschkäfermeiler
Die Eichenstämme werden zusammengedrückt

Letzte Woche wurde von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn ein Hirschkäfermeiler in Tann gebaut. Ich durfte berichten; den Text findet Ihr unten im Link.

Wenn man bedenkt, dass ein Hirschkäfer seine ganze Entwicklung im Totholz durchlebt und dazu bis zu 7 Jahren (!) braucht, versteht man gleich, dass dieser seltene Käfer Hilfe braucht. Denn in den wenigsten Wäldern wird Totholz so lange liegen gelassen. Es war schön zu sehen, wie engagiert die Schüler der Grund- und Mittelschule Tann mitgeholfen haben, den Meiler aus Eichenholz zu bauen.

Da diese Käferwiege, die noch viele andere Käferarten anziehen kann, am Waldrand liegt, konnte ich auch das rege Leben auf der blühenden Wiese beobachten: Schmetterlinge und eine Zwitscherschrecke.

9_Schachbrett_auf_Origano
7_Zwitscherschrecke_Nadia_Baumgart

Hier mehr vom Hirschkäfermeiler: https://rottal-inn.bund-naturschutz.de/

Und der Beitrag in der PNP:

Bau eines Hirschkäfermeilers in Tann
Bau eines Hirschkäfermeilers in Tann

Das wilde Eck

Der Kreislweiher oder das „Wilde Eck“. Ein kleines Wunder der Natur.
Anfänglich bin ich achtlos an dem kleinen Wäldchen vorbei gegangen. Direkt am Kurpark in Bad Birnbach. Unten an der Rott. Bis ich anfing, auf den betörenden Vogelgesang zu achten, der im Frühling und Sommer aus dem Eckchen schallt. Da habe ich aufgehorcht.
Im „Wilden Eck“ in Bad Birnbach – Foto: Eva Hörhammer

Dann plötzlich, letztes Jahr, die flötende Stimme des Pirols! Dann im Juli abends ein Meer von Glühwürmchen!

Was ist denn das? Einfach ein kleines Wunder am Wegesrand. Durch ein Wunder blieb bisher das „Wilde Eck“ wie von magischer Hand von der Ordnung der Gärtner und Planer verschont. Es liegt viel Totholz herum. Das zieht die Spechte an. Ein kleiner Urwald.

Als im Winter leider dort Veränderungen vorgenommen wurden, fing ich an, mich zu informieren und erfuhr, dass vor Jahrzehnten Sand- und Kieshaufen dort deponiert worden waren. Darauf wachsen inzwischen viele Pflanzen. „Kreislweiher“ nennen es die Einheimischen. In den 70ern und 80ern zelteten und grillten dort die Jugendlichen aus dem Kurort. Alle haben schöne Erinnerungen an diese „wilde Zeit“ in der Natur. „Ja, da waren damals schon Glühwürmchen!“, sagt man mir.

Das „Wilde Eck“ im Rottaler Gsichter Magazin
Das Wilde Eck in Bad Birnbach
Rankender wilder Hopfen im „Wilden Eck“

Ich hoffe, dass das Eck auch in Zukunft so wild bleiben darf, wie es ist. Nicht nur Tiere brauchen Wildheit, sondern auch wir Menschen. Die Natur besteht eben nicht aus Stiefmütterchen, und freie Gedanken brauchen auch einmal etwas Chaos.

Weil ich es so liebe, dieses „Wilde Eck“, habe ich Eva Hörhammer verraten, es sei mein Lieblingsplatz. Ich danke ihr von Herzen, dass es auch einen Platz im Rottaler Gsichter-Magazin gefunden hat. Hier könnt Ihr den Beitrag sehen.

Die Portraitfotos hat auch Eva geschossen, danke!

Mithilfe eines Biologen konnte ich auch beinahe alle Pflanzen bestimmen und zähle sie hier unten auf.

Eins ist klar: Das „Wilde Eck“ ist schützenswert! Gehen wir behutsam damit um!

Baum- und Straucharten: Weide, Erle, Pappel, Birke, Ulme, Holunder, Weißdorn, Schneeball, Hartriegel, Feldahorn, Pfaffenhütchen

Pflanzen: Brennnessel, Brombeere, Himbeere, wilder Hopfen, Königskerze, Farn, Schilf und Rohrglanzgras

Tiere: eine große Vielfalt an Vögeln, darunter auch Pirol, Specht, Mönchsgrasmücke, Goldammer, Kleiber, Stieglitz, Girlitz und weitere. Glühwürmchen im Sommer.

Und hier noch Info über das Rottaler Gsichter Magazin: https://rottalergsichter.de/das-magazin/das-rottaler-gsichter-magazin/

Und die „Sorge ums Wilde Eck“ in der Presse: https://plus.pnp.de/lokales/pfarrkirchen/3294003_Sorgen-ums-wilde-Eck.html

Saturday for flora

A seminar to learn more about plant identification organized by our youth group “Green Earth”

Pflanzenvielfalt live – eine botanische Exkursion

Die heimische Flora anfassen, um sie zu begreifen

Die Teilnehmer des Pflanzenseminars mit dem Experten Christoph Stein (ganz links)

Am Samstag fand eine Veranstaltung der BN-Jugendgruppe „Green Earth“ mit dem Pflanzen-Experten Christoph Stein unter dem Motto  „Pflanzenvielfalt live“ in Eggenfelden statt.

Pflanzen sammeln, um sie zu bestimmen
Junge Menschen mit „grüner Seele“

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich die Teilnehmer, darunter viele Aktive der BN-Green Earth“-Gruppe, aber auch „Junggebliebene“ am Schlossweiher in Gern ein. Dort begrüßte die Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, alle Gäste. Danach betonte BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler, dass nicht nur die Arten weniger würden, sondern auch diejenigen, die die Arten überhaupt erkennen könnten. Aber nur was man kenne, könne man schützen.

Anschließend äußerte sich Martin Roiner, Umweltreferent der Stadt Eggenfelden, zu der Exkursion. Im Hinblick auf die Freitagsdemos „Friday for Future“, wies er darauf hin, dass reden gut sei, aber in Sachen Umweltschutz auch etwas getan werden sollte. Er freute sich, dass die Jugendgruppe so aktiv sei. „Denn gerade junge Menschen mit einer „grünen Seele“, sorgen dafür, dass man um die Zukunft nicht bangen muss“, so der Umweltreferent.

Experte Christoph Stein stellte sich als gebürtiger Eggenfeldener vor. Er habe schon in den 70er und 80er Jahren als Leiter der damaligen BN-Jugendgruppe botanische Exkursionen im Lichtlberger Wald, den er „wie seine Westentasche kenne“, organisiert. Er freue sich sehr über die Gründung der neuen Jugendgruppe und schloss mit Blick auf die jungen Teilnehmer: „Die Hauptakteure seid nun ihr“.

Im Lichtlberger Wald
„Grünes Zeug“ wird gesammelt

Nun ging es in den angrenzenden Wald. Dort wurden die Jugendlichen aufgefordert, sich in Gruppen aufzuteilen und „grünes Zeug“ zu sammeln. Dabei sollte sich jede Gruppe jeweils auf eine bestimmte grob gefasste Pflanzengattung fokussieren. So sammelte eine Gruppe nur blühende Pflanzen, eine andere nichtblühende, die zwei weiteren jeweils Gräser und Äste. Stein ermutigte während der Exkursion immer wieder dazu, Blätter und Stiele der Pflanzen anzufassen und sich zu fragen: sind die Blätter nun glatt oder wollig, die Grashalme knotig, rund oder kantig?

Pflanzen muss man anfassen, um sie zu bestimmen

„Es ist wichtig, Pflanzen anzufassen, um sie zu begreifen; Fotos reichen da nicht aus.“ Außerdem solle man sich merken, wo welche Pflanzen wachsen: mögen sie es eher schattig und feucht oder blühen sie in der prallen Sonne?

Immer wieder machte der Experte auf bestimmte Pflanzen aufmerksam: Hier wachse die Bachnelkenwurz, die bayernweit schon auf der Roten Liste sei; dort blühe eine Akeleiblättrige Wiesenraute. Diese wurde sogleich mit einer am Rand eines Gartens gesammelten Akelei verglichen; die erstere sei heimisch, die zweite eine gezüchtete Zierpflanze. Stein deutete jetzt auf eine feuchte Stelle im Waldboden: hier entfalte sich um den seltenen wolligen Hahnenfuß eine ganze Pflanzengemeinschaft mit Ehriger Teufelskralle, Goldnessel und knotigem Beinwell. „Das ist etwas ganz Besonderes“, so Stein.

Auf den Blättern der Traubenkirsche zeigte Stein den interessierten Betrachtern Wespeneier und wies darauf hin, wie wichtig bestimmte Pflanzen für Insekten seien. „Die Grundlage des Insektenschutzes ist der Erhalt einer artenreichen Flora“, so der Botaniker.

Obwohl Stein den Wald schon seit Jahrzehnten kenne, entdecke er doch immer etwas Neues, in diesem Fall den Wolfs-Eisenhut, der am Wegesrand steht. Denn die Natur verändere und entwickle sich stetig. Der Eisenhut wurde aufgrund seines Seltenheitswertes, aber auch wegen seiner Giftigkeit nicht gesammelt. Dies sei das einzige Vorkommen dieser Art im Raum Eggenfelden.

Die Pflanzen wurden auf eine Decke gelegt, um sie besser bestimmen zu können
Eine Ringelnatter im Weiher

Am großen Weiher, an dem Halt gemacht wurde, staunten alle Teilnehmer: Gerade schwamm eine Ringelnatter durch das Wasser.

Zuletzt wurden alle Pflanzen auf einer Decke  vor der Schutzhütte ausgebreitet, bestimmt und aufgelistet. In Bestimmungsbüchern suchten nun die jungen Naturforscher nach weiteren Bestimmungsmerkmalen, sodass jede Gruppe  nun ihre Funde den Anderen vorstellen konnte. . Insgesamt wurden ca. 50 Arten bestimmt und in eine Fundliste eingetragen.

Teufelskralle und Kälberkropf

„Die Zeit verging wie im Fluge“, schlossen die begeisterten Teilnehmer. „Viele Pflanzen kannten wir nicht. Aber jetzt werden wir etwas anderes sagen können als „Gänseblümchen“, wenn wir nach der heimischen Natur gefragt werden. Zum Beispiel so lustige Namen wie „Teufelskralle“ oder „Kälberkropf“.“

BN-Jugendgruppe "Green Earth" beim Pflanzenseminar in Eggenfelden
PNP Nadia Baumgart
Beitrag in der PNP