
Krieg und Frieden
Kriege reloaded. Immer neu. Immer wieder.
Warum geht man eigentlich regelmäßig ins Sudetendeutsche Museum, wenn man gar keine sudetendeutschen Verwandten hat?
Und wenn man, wie ich, nicht einmal eine wirkliche geografische Heimat besitzt?
Heute haben wir die Sonderausstellung „Human und menschlich…? Die regulierte Vertreibung der Sudetendeutschen“ besucht. Zunächst möchte ich Missverständnissen vorbeugen: Mir geht es hier nicht um die Schuldfrage.
Wie gesagt: Ich habe keine eigentliche Heimat. Und doch bewegt mich das Thema der Vertreibung vielleicht gerade deshalb so sehr. Denn Vertreibung ruft innere Bilder hervor, die wir alle in uns tragen – besonders wenn man sich mehrere Heimaten erkämpfen musste. Heimat ist nichts Selbstverständliches.
Heimat, das sind friedliche Bilder. Menschen, die in einer schönen Landschaft zusammenleben. Lachende Kinder. Ein Gefühl, „dahin zu gehören“
Vertreibung, das sind zusammengedrängte Menschen mit Koffern und Taschen auf Bahnhöfen und Straßen. Verängstigte Kinder. Verlust. Abschied. Ungewissheit.

Jenseits der Schuldfrage sind es oft dieselben Bilder. In der Ausstellung erlebt man sie ganz nah. Man kennt Menschen, die all das als Kleinkinder erfahren haben. Man kennt einige der Orte, die in den Transportlisten genannt werden.
Und unwillkürlich denkt man an Orte, die weiter weg sind: an den Sudan, an den Jemen, an Gaza, an die Ukraine und an die vielen Flüchtenden unserer Zeit. Man denkt an die Millionen Kinder weltweit, die ihre Heimat verloren haben oder auf der Flucht sind.
Im Gäubodenmuseum standen wir vor einiger Zeit vor den Vitrinen und kamen zu einem seltsamen Schluss: Menschen haben sich seit jeher bemüht, sich zu schmücken, um sich anschließend gegenseitig totzuschlagen. Schmuck und Waffen begleiten die Menschheit offenbar gleichermaßen durch die Jahrtausende.
Und dennoch wäre es zu einfach, die Geschichte nur als endlose Wiederholung von Gewalt zu betrachten. Denn ebenso alt wie Krieg und Vertreibung sind Mitgefühl, Hilfe und Versöhnung. Immer wieder haben Menschen nach Konflikten Brücken gebaut, Grenzen überwunden und ehemaligen Gegnern die Hand gereicht.
Vielleicht gehe ich deshalb ins Sudetendeutsche Museum. Nicht wegen einer familiären Geschichte. Sondern weil die Geschichten dort von etwas Allgemeinmenschlichem erzählen. Von Verlust und Sehnsucht, aber auch von der Hoffnung, dass Menschen irgendwann lernen könnten, das zu bewahren, was sie alle suchen: einen Ort des Friedens.


Man kann in der Ausstellung auch nach Personen, die auf den Transportlisten vermerkt waren, suchen:


Meine Mutter ist auch ein Flüchtlingskind aus der Zeit um 1945 sie war gerade 5 Jahre alt als Sie weg mussten. Oma mit drei Kindern 2 Mädchen und einen Jungen.
Von kurz irgendwo unterhalb Danzig bis in den Sachsenwald in Schleswig-Holstein.
Hier fanden Sie Heimat und ihre Labdsleute wollten Sie hier sehr sicher nicht haben.
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