Anfangs war ich etwas traurig, als ich den Verfall des Forsthauses sah. Ich hatte gehofft, irgendjemand würde es „retten“. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass es langsam stirbt wie ein großer Baum.
Als ich dieses „Märchenschloss“ vor einigen Jahren zufällig im Wald entdeckte, begann ich zu recherchieren und war sofort fasziniert von der Geschichte des Arztes MUDr. Zdeněk Kostrouch, der von 1964 bis 1993 hier im Wald lebte und bis heute liebevoll erinnert wird. Er ritt zu seinen Patienten, weil kein Auto die holprigen Wege des Böhmerwaldes bewältigen konnte. Deshalb nannte man ihn den „Arzt mit dem Pferd“.
KI-Nachbildung des Ur-Zustandes
Ich wollte einmal ein Aquarell von ihm und seiner Familie vor dem Forsthaus malen und stellte mir sein Pferd als Schimmel vor. Dann entdeckte ich in den sozialen Medien den bekannten tschechischen Journalisten und Regisseur Radovan Holub, der den Arzt als Kind gesehen hatte. Er verriet mir, dass das Pferd braun war.
Um mir vorzustellen, wie das Forsthaus einst ausgesehen haben könnte, ließ ich es einmal von KI „rekonstruieren“.
Auffällig war bei diesem Besuch, dass die Graffitis, die immer wieder neu auf den Innenwänden des zerfallenden Hauses entstehen, keine Trauer mehr ausdrücken wie früher. Jetzt schmücken Rosen und Herzen die Mauern – und sogar eine pop‑artige Vervielfältigung des feinen Gesichts des beliebten Arztes.
Allmählich wird das alles zu Kunst. Das Haus und die Graffitis symbolisieren für mich inzwischen den Abschied von einer untergegangenen Zeit. Und ich denke: Wie gut, dass das alte Forsthaus in Würde sterben darf und nicht renoviert, modernisiert und zur Touristenattraktion gemacht wird. Die Graffitis wirken wie liebevolle Abschiedsgrüße der jungen Generation an die Vergangenheit.
Ich liebe dieses Forsthaus im Wald. An der Geschichte eines Gebäudes lässt sich manchmal die Geschichte einer ganzen Gegend ablesen. Die Mauern, die langsam zusammenfallen und zerbröseln, erinnern an die alternde Haut eines sehr betagten Menschen. Inzwischen zieren moderne „Tattoos“ – Graffitis – die alte Haut des sterbenden Hauses.
The Story of an Old Forester’s House in the Bohemian Forest
Als wir vor einigen Jahren zum ersten Mal hier waren, dachte ich, es sei noch zu retten. Inzwischen beobachte ich den Verfall mit einer Mischung aus Trauer, Bedauern und Akzeptanz – schließlich können wir nicht alles festhalten.
Die Besitzerin, die das Haus geerbt hat, lebt in den USA und hat vermutlich andere Prioritäten. Manchmal denke ich, dass es besser ist, wenn das Haus „verwest“ – so poetisch und organisch –, als wenn es von der Freizeitindustrie abgerissen und als Pension mit Café und überdimensioniertem Parkplatz neu aufgebaut wird, wie wir es leider allzu oft erleben.
Aus Liebe zu diesem verzauberten Ort möchte ich noch einmal zusammenfassen, was über ihn zu erfahren ist:
Mein Aquarell stellt das Leben des Arztes mit Frau und Kind im Forsthaus in der Einöde dar
Das imposante Gebäude im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Es gehörte einst dem Bankier František Hasek, der 1942 von den Nationalsozialisten in Prag hingerichtet wurde. Vermutlich hatte er das Haus als Rückzugsort erbaut. In der Nähe befand sich ein kleines Glashüttendorf, dessen deutschsprachige Bevölkerung nach dem Krieg vertrieben wurde.
Asche zu Asche…
Danach verfiel das Haus. Einmal schlug sogar der Blitz ein – es schien bereits damals dem Untergang geweiht. Doch dann rettete der Arzt MUDr. Zdeněk Kostrouch das Anwesen, in das er 1964 einzog:
„Über seine erste Begegnung mit Pustina sagte der Arzt: ‚In den fünfziger Jahren fuhr ich von Hartmanice nach Kašperské Hory und sah im Rückspiegel eine Rauchsäule. Einmal blitzte es – und es war vorbei. Danach wucherte Pustina mit Brennnesseln zu. Im Frühjahr 1964 sollte sie abgerissen werden, da sie im militärischen Sperrgebiet Dobrá Voda lag. Dank meiner Kontakte konnte ich die Entscheidung zur Demolierung stoppen und zog selbst dort ein.‘“
Kostrouch richtete auf Pustina einen landwirtschaftlichen Betrieb ein, organisierte eine Bibliothek und stattete eines der Zimmer mit antiken Möbeln aus. Da die Fahrt zur Praxis in Hartmanice – besonders im Winter – sehr problematisch war, besaß Doktor Kostrouch Pferde, mit denen er auch Patienten besuchte. „Die Einöde wucherte danach mit Brennnesseln zu. Im Frühjahr 1964 sollte sie abgerissen werden, da sie im militärischen Sperrgebiet Dobrá Voda lag. Dank meiner Kontakte konnte ich den Abriss stoppen und zog selbst dort ein.“
Ich habe eine Künstliche Intelligenz gebeten, das Haus in seinen „Urzustand“ zurückzuversetzen. Dieses Bild kam dabei heraus. Es erscheint mir etwas zu „perfekt“, gibt aber einen Eindruck von der Pracht des Gebäudes.
Beschreibung des Gebäudes: Es handelt sich um ein herrschaftlich anmutendes Forsthaus mit Krüppelwalmdach, weißen Säulen, einer Veranda und einem kleinen Holzbalkon im Giebel des Obergeschosses. Die Fassade aus Holzschindeln, die hölzernen Verzierungen und dekorativen Elemente auf der Veranda spiegeln die handwerkliche Tradition der Region wider.
Die ErinnerungstafelErinnerungstafel Kostrouch Böhmerwald
EN: The old forester’s house in the Bohemian Forest, through its decay and its history, tells much about the turbulent past of the region—from displacement and war to personal rescue and remembrance. Once a retreat for a Jewish banker and later the workplace of the legendary “doctor on horseback,” it was lovingly inhabited for decades before being abandoned once more. Today, it stands as an enchanted place between nature and history, threatened by oblivion.