Baselitz-Ausstellung in Salzburg – Schwarz Weiß Gold

Eine Kunstinstallation mit dem Titel "Baselitz Jetzt" an einer Wand. Das Bild zeigt eine abstrakte Darstellung mit menschlichen Figuren in hellen Farben auf einem dunklen Hintergrund.

Meine Eindrücke der Ausstellung BASELITZ JETZT in Salzburg

1982 habe ich Baselitz zum ersten Mal gesehen. Es war auf meiner ersten Documenta, die Malerei war damals von den „Jungen Wilden“ geprägt, die den Drang hatten, zurück zur figurativen Malerei zu finden. Zu der Zeit waren Künstler in West-Deutschland eher mit abstrakter Malerei, amerikanisch inspiriert – und mit Computerinstallationen beschäftigt. Malerei sollte dekonstruiert werden.

Und so war es für mich erstaunlich, plötzlich vor zeitgenössischen figurativen Bildern zu stehen.

Es waren große, freie, expressionistische, mit ausholenden Strichen „wild gemalte“ Bilder, die mich verblüfften. Am meisten blieben mir die Bilder von Walter Dahn im Kopf. Die Bllder von Baselitz – der die Bewegung der Jungen Wilden mitgeprägt hatte – fielen natürlich besonders auf, weil sie „falsch herum“ hingen. Die Figuren hatten den Kopf nach unten. Damals dachte ich an einen Marketing-Gag. Ich dachte, er habe die Bilder nur umgedreht. Ich wusste nicht, dass er sie auch umgekehrt gemalt hatte.

Ich bin sehr dankbar, nun auch das Spätwerk des kürzlich verstorbenen Künstlers erlebt haben zu dürfen. Denn wenn man in der glücklichen Lage ist, Früh-und Spätwerk miteinander vergleichen zu können, spürt man beinahe intuitiv den Weg, den der Künstler gegangen ist.

Diesmal hingen seine Werke nicht mehr neben denen rebellischer „Wilder“ in einer beinahe revolutionären Atmosphäre, sondern thronten erhaben in den hohen Räumen des Museums der Moderne auf dem Mönchsberg, als seien sie dem Himmel nah, in den ihr Schöpfer vor wenigen Monaten, am 30. April 2026, entschwunden ist. Er war 88 Jahre alt.

Eine Frau mit langen Haaren in einem weißen Oberteil steht vor einem großen Gemälde in einem modernen Kunstmuseum. Im Hintergrund sind zwei weitere Personen zu sehen.

Und doch sind diese Bilder besonders revolutionär. Diesmal war die Farbgebung reduziert. Viel Schwarz, viel Weiß, viel Gold. Ich musste gleich an Yves Klein denken, der ja nicht nur sein berühmtes Blau, sondern auch Gold und Rosa (Magenta) verwendete, der die 3 Farben „Trinität“ nannte, weil sie sich symbolisch ergänzten. Das Gold stehe für Ewigkeit, sagte Klein.

In einem Video erklärte Baselitz, dass ihn das Gold von Ikonen inspiriert habe. Also doch wieder ewige Bilder. Die großen liegenden oder hängenden Menschen erinnern an Mumien, an Verstorbene. Bei den Tüchern, die auf oder neben den Leibern kleben, weiß man nicht so genau: sind es Leichentücher?

Alles scheint eine Ordnung zu haben in dieser Welt, aber es ist die Ordnung der Körper. Bei ihm versteht man: Das Wichtigste ist der Körper. Auf einem Bild ist nur ein Unterleib mit Beinen zu sehen, schwarz in schwarz, beinahe archäologisch aus der Farbe gekratzt. Man ahnt: der Kopf ist hier nicht nötig.

Dann Nylonstrümpfe, auf die riesigen Bilder geklebt. Was bedeuten sie? Sind sie nur da, um dem Bild Rhythmus zu geben, oder um zu erstaunen? Oder um den Weg der Menschen zu symbolisieren? Um die Menschheit in ihrer Weiblichkeit zu zeigen? An zwei Bildern habe ich starke Assoziationen: Das eine zeigt den Adler mit Nylonstrümpfen. Der Adler ist ein bekanntes Thema von Baselitz. Der Adler als Machtsymbol. Da er mit dem Kopf nach unten hängt, wird er zum Bild gestürzter Macht. Gerhard Schröder hatte sich bereits einen „Baselitz-Adler“, dieses abstürzende Staatsymbol, über den Schreibtisch gehängt. Mutig war das, finde ich.

In dieser Ausstellung in Salzburg ragen aus dem Bauch des fallenden Adlers nun lange Nylon-Strumpfhosen, als seien da offene Frauenbeine, die gen Himmel zeigen. Viele Assoziationen schießen einem durch den Kopf: Macht und Prostitution? Korruption?

Etwas weiter trägt ein Bild den Titel „Displaced persons“. Es ist das einzige Nylonstrumpf-Bild, auf dem die Strümpfe kurz und dreckig wirken. Augenblicklich spürt man das Leid der vertriebenen Menschen, die sie tragen.

Es ist verblüffend, wie blitzschnell diese Bilder Emotionen erzeugen.

Am Ende dachte ich: Dieser ist einer der letzten großen Künstler, dessen Schaffen NICHT von KI tangiert wurde. Als ich aus dem Museum kann, hatte ich den Eindruck, einen neuen alten Freund zu haben, dessen Bilder mich zeitlebens begleiten werden: Georg Baselitz.

(Humorvoller, aber wahrer Hinweis: Diesen Text habe ich mit meinem Kopf – ganz ohne KI geschrieben)

Abstrakte Kunst mit verschiedenen Farbbändern auf einer dunklen Oberfläche.