Feldroboter und Zukunftsmusik

Im Deutschen Museum in München

Großstadt im Eisregen. Hals-und-Beinbruch konnten wir gerade noch vermeiden, zumal auf den meisten Gehwegen nur etwas Split gestreut wird, sodass Schlittschuhbahnen entstehen. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft, uns zu Fuß und mit U-Bahn bis zum Deutschen Museum durchzukämpfen.

Das war schon beeindruckend, was es da alles zu sehen gibt. Das Schöne: Wir durften wieder zu neugierigen Kindern werden und herumexperimentieren. Hier einige Einblicke in die Abteilungen „Landwirtschaft und Ernährung“ und „Musikinstrumente“.

In der ersten Abteilung geht es u.a. um Pro und Contra von Gentechnik und automatische Feldroboter. Was ich nicht wusste: Bei konventionellen Züchtungen neuer Getreide – und Gemüsesorten (also ohne Gentechnik), wird radioaktive Strahlung oder Chemie eingesetzt, um Mutationen zu begünstigen. Es wird also nicht mehr gewartet, bis zufällig das Produkt entsteht, das man gerne hätte, sondern der Zufall etwas „erzwungen“. Wenn es gelingt, dadurch Arten zu erzeugen, die dem Klimawandel besser standhalten, ist eine solche Vorgehensweise wahrscheinlich legitim. Aber ich finde, es verschiebt die Fragen rund um die „Natürlichkeit“ von Züchtungen. Gentechnik empfinden wir als gefährlich, „konventionelle“ Züchtungen ja nicht.

An solchen Beispielen erkenne ich immer mehr, wie schwierig es ist, Zukunftsentwicklungen und Techniken pauschal als „gut“ oder „böse“ anzusehen. Ein Text hat mich allerdings etwas erstaunt: Es ging um die Frage, warum wir moderne Landwirtschaft brauchen. Ein Teil der angegebenen Antwort: „Es gäbe nie Avocados und Tomaten nur im Sommer“.

Alte Plakate, die Gifte bewerben (auch DDT) und versprechen „alle Schädlinge“ zu töten, lassen aufmerken. Heute sind wir oftmals immer noch mit dem Krieg gegen „Schädlinge“ beschäftigt, obwohl heute täglich etwa 150 Arten aussterben.

Jedenfalls sind die Ausstellungen sehr vielseitig und lassen viele Fragen und Bilder im Kopf entstehen.

#deutschesmuseum #münchen #landwirtschaft

Goldener Reis aus Gentechnik

„Konventionelle Züchtung“ mit Chemie und Bestrahlung
Alte Werbeplakate für DDT gegen alles, was kreucht und fleucht
Bei mir gibt es auch heute nie Avocados und Tomaten nur im Sommer 🙂
Im Deutschen Museum kann man die technischen Entwicklungen u.a. in der Landwirtschaft nachverfolgen
Der Trompeterautomat von Friedrich Kaufmann, Dresden, 1812

Country life

Das ist eine coole Bushaltestelle!

So liebe ich das Landleben!

#landleben #countrylife

Gute alte Zeiten? Erzeugerpreise in der Landwirtschaft

Das Wochenblatt des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern 1928 klagt über zu niedrige Erzeugerpreise

Die Angst vor „Auslandsware“ und den Flogen des Welthandels sind nicht erst von gestern.

Früher war alles besser, meinen wir oftmals. Auch in der Landwirtschaft. Zurzeit steigen aufgrund des Krieges die Weizenpreise, insbesondere weil die Importeure jetzt um alternative Getreide-Lieferungen konkurrieren.

Bis vor kurzem war eher das Gegenteil der Fall: Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Rohstoffe sind seit dem 2. Weltkrieg bis etwa zur Jahrtausendwende fast kontinuierlich gefallen. (Quelle: Weltagrarbericht).

Immer wieder hören wir Klagen über die Erzeugerpreise. Die Landwirte könnten damit die gestiegenen Kosten für Betriebsmittel, Maschinen und Pachten nicht decken. Und wir denken: Früher war das anders, früher war es besser. Da gab es noch keinen Welthandel, da wusste man Lebensmittel zu schätzen, etc.

Ist das wirklich so? Alte Zeitungen klären auf!

Hier ein Auszug aus dem „Wochenblatt des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern“ vom 5. September 1928 (!):

„Am Krankenlager der deutschen Landwirtschaft (Artikel von 1928)

So geht es auch wieder in diesen letzten Tagen. Wir haben in den vergangenen Wochen eine leidlich gute Ernte nach Hause gebracht, deren Menge und Qualität uns mit Dank erfüllt. Besonders das Brotgetreide, die Grundlage unserer Volksernährung, zeigt nach dem bisherigen Dreschergebnis außerordentlich gute, der besten Auslandsware gleichwertige Qualitäten. Der Rückschlag kommt diesmal von der Preisseite her. Preise um 10 Mark herum, die der Bauer heute für einen Zentner guten Weizen erhält, decken nicht einmal die Erzeugerkosten. Eine schleunige Stützungsaktion ist außerordentlich vordringlich, sonst gehen wir einer Katastrophe am deutschen Getreidemarkt entgegen.“

Etwas weiter wird davor gewarnt, zu viele Lebensmittel zu importieren. Man solle sich von der Versorgung mit Auslandsware hüten und die Abwanderung deutschen Geldes vermindern. Es geht also um den Versuch, als Nation autonom zu werden und den Einfluss des Welthandels auf die eigenen Produkte einzuschränken.

Beim Lesen alter Berichte kommt einem vieles ganz „modern“ vor.