Als die Römer in Passau waren…

RömerMuseum Passau
Dass RömerMuseum in Passau

The Roman Museum in Passau

Le musée romain à Passau – On y trouve beaucoup d´informations sur la vie quotidienne locale jusqu´à la fin de l´Empire Romain et les châteaux romains de la région.

Schon lange wollte ich mal in das RömerMuseum Kastell Boiotro – Passau. Heute waren wir endlich da!

Das Museum ist eher klein, aber romantisch gelegen und es bietet viel Information. Einiges wusste ich schon, aber allein das Modell des Kastells Boiodurum hilft, sich vorzustellen, wie imposant die römischen Anlagen in Passau waren.

Und ich habe Neues erfahren:

  • dass die Ortsspitze unten an den Flüssen erst i 19. Jh aufgeschüttet worden ist; die Landzunge war vorher runder.
  • dass es am Domberg schon vor den Römern ein sogenanntes „Kastenwerk“ (eine Erd-Holz Befestigung) aus der Keltenzeit (ca. 400 vor Christus) gab.
  • dass im Römischen Reich eine Sexsklavin bedeutend mehr Wert war als ein Sklave oder Koch

Modellrekonstruktion des Kastells Boiodurum
Was ist was wert in der Römerzeit

Danach kann man einen romantischen Spaziergang im Passauer Stadtteil Innstadt machen:

Richtig romantisch…
RömerMuseum Passau
Funde aus der Römerzeit

Böse Weiber – Ausstellung „Frauen in Braunau“

in der Ausstellung „Frauen in Braunau“
Votivgabe aus Wachs in der Form einer Brust

Ausstellung über Frauen in Braunau

Gestern haben wir die Ausstellung „Frauen in Braunau“ besucht. Ganz besonders interessiert haben mich: Die Litanei von allen bösen Weibern (mit vielen deftigen Beschimpfungen), eine Brust aus Wachs als Votivgabe und Bitte um reichlich Muttermilch und ein illustrierter Liebesbrief aus dem Jahr 1799.

Votivgaben sind Gegenstände, die als symbolische Opfer einer überirdischen Macht öffentlich dargebracht wurden.  Und eine Litanei ist eine Form des gemeinschaftlichen Gebets.

Auszug aus der Litanei von allen bösen Weibern:

Ihr bösen Weiber höret mich!

Du Spiegel aller Schlechtigkeit,

Du kreischende Sackpfeife,

Du falschklingende Leier,

Du Abgesandte vom Satan,

Du Nagel an der Totenlade deines Mannes,

Du Missgeburt aller Kreaturen,

Bessere dich!

Hier etwas mehr Info:

https://www.ooemuseen.at/museen-in-ooe/veranstaltungen/3931-verein-fuer-zeitgeschichte-und-museumsverein-frauen-in-braunau-sonderausstellung-im-berzirksmus

Von Göttern und Zauberei

Das Straubinger Gäubodenmuseum ist einfach eine Wucht! Zum ersten Mal haben wir es heute besucht und waren gleich sehr beeindruckt von der Vielfalt der Themen und Exponate bis hin zur schönen Präsentation der Objekte.

Zwei Figuren aus Mittelgallien, 2. Jh. n. Chr.
Wie moderne Kunst….
Diese Figur gefiel mir besonders

Übrigens, die interessante Sonderausstellung „Glaube, Aberglaube und Zauberei“ läuft noch bis 8. November, sie ist absolut sehenswert! Die Sonderausstellung zeigt die in Straubing bekannten römischen Götter, aber auch magische Gegenstände wie Zauberpuppen und Votivbeigaben.

Hier mehr Info: http://www.gaeubodenmuseum.de/

Ein fast vergessenes Bauernmuseum

Bauer Albert Huber hat in seinem Vierseithof ein beeindruckendes Bauernmuseum eingerichtet.

„Das sind echte Kunstwerke“ Oides Glumb oder Kunst?

EIN FAST VERGESSENES BAUERNMUSEUM

Großgewachsen und stämmig kommt uns der 63-jährige Landwirt Albert Huber entgegen. Er lächelt sympathisch und lädt uns ein auf eine Reise in die Vergangenheit. Vor wenigen Tagen nahm er spontan mit uns Kontakt auf: als er die Ausstellung über Landschaft und Natur  im Artrium sah, verstand er, dass wir uns als begeisterte Wahl-Rottaler auch für alte Höfe begeistern.

EIN ROTTALER VIERSEITHOF

So ein Rottaler Vierseithof ist schon eine Welt für sich: schließt man beide Tore, wirkt der Innenhof wie ein Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit. Die Sonne scheint auf die hohen Holzstapel unter dem Stadldach: Huber ist auch Waldbesitzer. In der Mitte steht ein bunter Taubenkobel. Durch das ganze Anwesen, auch durch die hölzernen Wände der Stadel weht duftende Frühlingsluft. Rauchschwalben flitzen ununterbrochen aus den Stallfenstern. Auf dem Dach hüpfen Hausrotschwänze. Die tiefe Stille wird nur vom Gesang der Vögel und dem Klappern der Ratschen unterbrochen: Es ist Karfreitag. Wir sind auf dem Niedermaierhof in Bleichenbach (einem Ortsteil von Bad Birnbach) in Niederbayern.

Das Anwesen, dessen Urkunden der Eigentümer bis ins Jahr 1780 zurückverfolgen konnte, hat sein Vater 1936 vom damaligen Bürgermeister von Asenham, Georg Brummer, erstanden. Das Wohnhaus wurde in den 50er Jahren neu erbaut; der Stall und Teile des Stadels sind noch im Originalzustand.

Der ehemalige Rossstall, in dem sich etliche Schwalbennester befinden, mutet mit seinen Granitsäulen und Gewölben so schön und feierlich an wie eine romanische Kirche. Bis vor wenigen Jahren stand darin noch bayerisches Fleckvieh.

An der Wand stehen ein alter Leiterwagen und eine Getreidereinigungsmaschine aus dem Jahr 1840.

Neben dem Stall führt eine Treppe hinauf in den riesigen Stadel. An der Wand  hängen etliche Kummete für Pferde und Ochsen, auch ein kleines, das „Ochsenbüffel“ genannt wurde.

Der Innenhof eines Vierseitshofs ist eine Welt für sich

DIE VERGANGENHEIT LEBT

Wie Fahnen wehen hundert Getreidesäcke unter dem Scheunendach. Auf jedem ist der Name eines Bauern und eine Jahreszahl aufgedruckt. Hier und da auch eine Zeichnung, ein trabendes Pferd. Und so erinnern diese Säcke an leinerne Familienwappen, die ihre Geschichte erzählen. Vor Jahren gab Albert Huber eine Anzeige in der PNP auf: „Alter Sack gesucht“. So kam er zu seiner heutigen Sammlung. Der älteste Getreidesack stammt von 1838. Aus 1840 stammt ein Sack von „Michel Mayr, Holzham“. Insgesamt hat Alber Huber ca. 100 alte Getreidesäcke gesammelt.

Im hohen luftigen Stadel sind tausende von Objekten nach Themenbereichen ausgestellt. Gepflegt und alle noch funktionstüchtig, reihen sich unendlich viele Gerätschaften aneinander. Hier seien nur einige aufgeführt: ein 200 Jahre alter Häufelpflug, Kleegeigen, Wagen, die ehemals von Ziegen gezogen wurden, „Radltragen“, auf die Heu geladen wurde, Winden, bei denen man mit Hebelwirkung ganze Holzhäuser in die Höhe heben konnte, während man die Grundmauern erneuerte, ein „Strohwolf“, der mit rasender Geschwindigkeit Stroh häckselte; Heugabeln, alte Radios, Nähmaschinen, Schnapsfässer, Schnapsbrennmaschinen, Kutschen, Geräte zur Flachsverarbeitung, Handbuttermaschinen, die erste Miele Waschmaschine,  alte Traktoren und Bulldogs, Bügeleisen, alter Imkerbedarf, Tischlerwerkzeug, Kartoffel- und Getreideanbaugeräte,  Hand- und modernere Dreschmaschinen und vieles, vieles mehr.

Huber erläutert die Besonderheit von Rottaler Sensen, erklärt die Funktionsweise jeder Maschine, dreht an Rädern und Kurbeln, lässt alte Geräte rattern. Auf diese Weise ersteht die Vergangenheit neu. Untergegangene Zeiten werden wieder lebendig, wenn er liebevoll seine Hände über die alten Geräte streichen lässt, deren Funktion er anhand von Skizzen aus alten Büchern wieder hergestellt hat. Die Exponate sind vornehmlich aus dem Rottal, aber auch aus anderen Gegenden Niederbayerns.

Er  weist anhand einer alten Urkunde auf den früheren „Landwirtschaftlichen Verein“ hin, der wohl bedeutender als der heutige Bauernverband war, und auch an der  Gründung des Oktoberfestes 1810 beteiligt gewesen sein soll.

Hinter dem Hof sammelt er Granitsäulen, Kapitelle, Tröge, Torbögen, Fensterelemente, die er vornehmlich  im  Bayerischen Wald von alten Höfen, die abgerissen werden, holt.

Dabei wird Huber auch nachdenklich: „Alles Handarbeit, da muss man sich einmal vorstellen, was das für ein Können erfordert hat. Eine Kunst, die ausstirbt“. Auch als er eine Maschine beschreibt, die Knochen zu Hühnerfutter zerbröselt, kommt er ins Philosophieren: „Da hat man alles wieder verwertet. Heute schmeißen wir jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel fort.“

Buttergefäße im Bauernmuseum in Bleichenbach

LIEBE ZU HANDWERK UND TIEREN

Rührend sind nicht nur seine Hingabe und Liebe zum Handwerk, sondern auch seine Tierliebe: Seit kurzem hält er eine kleine Herde von Kamerunschafen. Für die Turmfalken hat er oben im Stadel einen Nistkasten angebracht, der zu einer erfolgreichen Brut geführt hat. Um ihn summen Bienen: „Mein Vater war leidenschaftlicher Imker“, so Huber. Er halte nur noch ein Volk. Dann zeigt er ein Hornissennest: ausgerechnet im alten Toilettenhäuschen hatten sie ihr Nest gebaut.

Nicht alle haben Verständnis für die Sammelleidenschaft von Bauer Huber: „Der sammelt a Haufen Glumb“, sagen die Menschen in der Gegend. .

Ein bisschen traurig ist Huber darüber, dass er seinen Hof und seine Schätze bisher der Öffentlichkeit nicht als „privates Museum“ allgemein zugänglich machen konnte. Wird es ihm in Zukunft gelingen? Wir hoffen es! Eine solche Vielfalt alter Bauerngeräte auf einem alten Vierseithof braucht sich vor den Sammlungen in Massing oder Finsterau wahrlich nicht zu verstecken. Touristen und Kurgäste wären sicherlich begeistert, so etwas gewissermaßen „vor der Haustür“ zu finden.

Es ist allerdings jetzt schon möglich, eine private Besichtigung telefonisch zu vereinbaren. Im monatlichen „Bad Birnbacher KulturSpatz“ findet man das „Bauernmuseum Niedermaier“ in der Rubrik „Kultur, Sport, Freizeit & Erholung“.

Ohne Menschen wie Bauer Huber, die mit Leidenschaft und Hartnäckigkeit altes Kulturgut sammeln, renovieren und erhalten, werden kommende Generationen das Wissen um die Vorfahren gänzlich verlieren und in einer globalisierten Welt keinen Zugang zu ihren Wurzeln mehr finden.

In einer zunehmend industrialisierten und digitalisierten Welt sehnen sich heute viele Menschen nach alten Bräuchen und Dingen, die an vorangegangene Generationen und ihre untergegangene Welt erinnern. Sie strömen in Massen in Freilichtmuseen, Kinder stehen mit offenem Mund vor den Dingen, die ihre Urgroßväter noch in die Hand nahmen.

Auch die PNP berichtete vor einigen Jahren über das Bauernmuseum Huber: https://www.pnp.de/lokales/landkreis_rottal_inn/pfarrkirchen/1185701_Zeugen-einer-laengst-vergangenen-Zeit.html