Blühender November

 

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Blooming november in Lower Bavaria

Bei ganz ungewöhnlich warmem Wetter haben wir unsere schöne niederbayerische Gegend mit den Rädern durchstreift. Von Bad Birnbach über Haarbach nach Grongörgen und Sammarei. Was wir gesehen haben?

Starke Charolais-Bullen und spielende Pinzgauer-Kälber, wilde Katzen, die mit hypnotischem Blick stolz ihre Beute nach Hause tragen, weidende Schafe und Ziegen, Eisvögel am Teich. Viele wunderschöne alte Höfe, die teilweise noch bewirtschaftet werden. Und leer stehende Höfe und Häuser, die hier und da noch tatsächlich mit Holz, Lehm und Stroh renoviert werden.
Schaut selbst!

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Mensch und Tier

 

Preparation for the annual St. Leonhard procession in Lower Bavaria.

Hier einige Impressionen vom heutigen Leonhardiritt in Aigen am Inn – Am meisten beeindruckt mich das vertrauensvolle Verhältnis zwischen den mächtigen Kaltblütern und dem Menschen. Die striegelnden, streichelnden Hände auf den Pferdeleibern, das Hantieren mit Schnallen und Ledergurten, die Details der aufwändig geschmückten Zaumzeuge, der aufmerksame Blick der Pferde, deren Ruhe im Chaos…Das alles fasziniert mich.

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#Pferde #Horses #Leonhardiritt #Niederbayern

Emotional und digital

 

Heimatkundekreis Bad Birnbach

Im Archiv des Bistums Passau mit dem Heimatkundekreis Bad Birnbach

Visit to the archive of the diocese Passau – so much artisan craftwork in wonderful books!

Ausflug des Heimatkundekreises Bad Birnbach zum Archiv des Bistums Passau

Gestern habe ich an einer Archivbesichtigung teilgenommen. Eine Archivbesichtigung? Da kommen einem schnell Assoziationen: Verstaubte Kisten, modriger Kellergeruch, vergrabenes Wissen, das keinen mehr interessiert außer Spezialisten, die stumm und mit behandschuhter Hand in vergilbten Seiten blättern.

 

Ganz anders erging es den 20 Teilnehmern im Büro der Archivdirektorin Prof. Dr. Hannelore Putz, die auch die Führung übernahm. Im hellen Raum, unter der wunderschönen Decke mit barockem Lurago-Stuck, gehen schwere Bücher von Hand zu Hand. Man streichelt samtiges Pergament und bewundert die teilweise auf Papyrus dicht gedrängten Schriften, die Tintenfarbe, Malereien, Miniaturen, Aquarelle, gemalte Wappen und andere kleine Kunstwerke. Im wahrsten Sinne des Wortes eine anschauliche Sache.

Künstlerisch und handwerklich wertvolle Stücke, aber auch vom Gebrauch abgenutzte Messbücher mit hübschen Schnallen und historische Fotografien reicht man sich weiter, fasst an, kommentiert…

Das Archiv, das 1209 zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde, betreut die schriftliche Hinterlassenschaft der Bischöfe. Das im Jahr 2016 eröffnete neue Archiv beinhaltet dagegen das Schriftgut der Pfarreien.

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Damit wären wir auch bei einem zentralen Thema der Führung: alt und neu, Vergangenheit und Zukunft sind auch architektonisch sichtbar. Wirkt das Stammhaus des Archivs in der Luragogasse 4 am Domplatz noch verspielt und barock, erscheint das im Jahr 2016 eröffnete Außenmagazin in Passau-Hacklberg absolut zeitgenössisch.

Aber auch die Aufbewahrungsart des alten Wissens nimmt neue Formen an: Pergament, Papyrus und Tinte weichen zunehmend der Aufbewahrung in digitaler Form.

Zunächst erklärte die Archivdirektorin die Hauptaufgaben des Archives:
Diese bestehen nicht nur darin, das schriftliche Gut im Bistum Passau mit all seinen Pfarreien zu schützen und zu bewahren, sondern auch historische Forschung (in diesem Fall z. B. den Inhalt der Birnbacher Heimathefte), Familienforschung zu unterstützen und auch rechtssichernde Informationen weiterzugeben, wie zum Beispiel die Bestimmung von Grenzen der Kirchengrundstücke.

„Wir verstehen unseren Auftrag aber auch so, dass wir das Archiv sichtbar und erfahrbar machen“, lächelt Prof. Dr. Hannelore Putz. Die Experten mit den weißen Handschuhen erscheinen wohl eher in Krimis. Denn heute geht es darum, historische Quellen barrierefrei und kostenfrei für jedermann zugänglich zu machen.

Taufbücher, Sterbebücher, Heiratsbücher, Pfarrbriefe geben einen detaillierten Einblick in das Leben vergangener Zeiten. Aber auch die „Österlichen Seelenbeschreibungen“, in denen nicht nur alle Personen, Kleinkinder inbegriffen, in jedem Haushalt aufgezählt werden, sondern auch so mancher Kommentar des Pfarrers vermerkt ist, sind eine „wunderbare Quelle, um zu verstehen, wie ein Ort so tickt“.

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Um zu veranschaulichen, wie offen das Archiv für alle ist, erzählt die Direktorin von einem Ehepaar aus Australien mit Vorfahren aus Passau, das mit dem Kreuzfahrtschiff in Passau anlegte. Vorab hatten die Australier im Online-Archiv nach Verwandten gesucht und sich nun auf Spurensuche in die Luragogasse begeben, wo ihnen geholfen werden konnte.

Inzwischen muss man sich allerdings nicht mehr unbedingt in das Archiv begeben, um Informationen zu erhalten, denn die Digitalisierung schreitet fortwährend voran. Abgesehen von neuen EDV-Programmen, die auch alte Schriften, welche heutzutage nur noch wenige Experten entziffern können, automatisiert lesen und erkennen können, gewährt zum Beispiel „Matricula“, das Online-Portal für Kirchenbücher einen innovativen, service-orientierten Zugang zu historischen Quellen.

Manch einer mag den mit der fortschreitenden Digitalisierung drohenden Verlust des haptischen Aspekts bedauern, andererseits wird dadurch ein schneller Zugang zu den Informationsquellen von überall auf der Welt möglich.

Um die Philosophin Hannah Ahrendt zu zitieren: „Wirklichkeit und Verlässlichkeit der Welt beruhen darauf, dass die uns umgebenden Dinge eine größere Dauerhaftigkeit haben als die Tätigkeit, die sie hervorbrachte, und dass diese Dauerhaftigkeit sogar das Leben ihrer Erzeuger überdauern kann.“ Zu diesen uns umgebenden Dingen gehören eben auch „geschriebene Seiten“ und Bücher, die man anfassen kann.

Und doch unterliegt nicht nur unsere Welt, sondern auch unser Verständnis von Heimat und Geschichte kontinuierlichen Veränderungen. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und wird auch Vorteile bringen. „Wir sind die erste Generation, die sich damit befasst“, sagt Prof. Dr. Putz zuversichtlich.

Hier noch mein Bericht in der PNP, Oktober 2018:

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Und im Kurspatz von Bad Birnbach:

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Was ist Heimat?

This article is about a recent meeting of the Green Party in Bavaria, the goals and election campaign for the upcoming federal elections.

In Bayern fällt dieses Schlagwort zurzeit sehr oft. Man will die Heimat schützen, bewahren, erhalten, genießen.

Heimat…Geht es da nur um Trachten und Volksfeste? Gehören Naturgenuss und Artenvielfalt nicht auch dazu? Und die Verantwortung für die nächsten Generationen? Gerne zeigen wir auf China und Indien, diese Nationen würden ja mehr Dreck produzieren. Allerdings ist der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 bei uns viel höher…All dies wurde gestern beim Wahlkampfauftakt der Grünen Rottal-Inn angesprochen.

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Die Grünen während des Wahlkampfauftaktes in Eggenfelden – Ganz links Mia Goller

Bei diesem ersten Termin mit der Spitzenkandidatin für Niederbayern und Direktkandidatin für Rottal-Inn Mia Goller, ging es hauptsächlich um Naturschutz. Die Ziele zum Bildungs- und Sozialbereich werden in den nächsten Terminen diskutiert.

Normalerweise spreche ich ungern von Politik, aber in diesem Jahr ist es mir ein Bedürfnis, Wahlveranstaltungen zu besuchen und auch darüber zu reden. Denn die Atmosphäre ist zurzeit sehr konfliktgeladen, und da möchte ich mich zu meinen  Werten bekennen.

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Die Passauer „Saudiandl“

Die spannenden Themen, die von allen Rednern, aber insbesondere vom Fachmann für Naturschutz Christian Magerl, auf den Punkt gebracht wurden, möchte ich hier einmal stichpunktartig, wenn auch unvollständig, zusammenfassen:

Der Klimawandel ist schon da
• Klimaschutz ist Menschenschutz
• Moorschutz ist der billigste Klimaschutz
• Der Flächenfraß muss reduziert werden
• Ein dritter Nationalpark in Bayern ist nötig

Die im Jahr 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele sind von 196 Mitgliedstaaten unterschrieben worden. Auch von Deutschland…

Und doch wird an der Verkehrspolitik nichts verändert, obwohl auch der Verkehr an den hohen Stickstoffbelastungen beteiligt ist. Und doch werden zu viele Pestizide und auch Glyphosat zugelassen. Und doch werden Ersatzgelder für den Bau von Sendemasten und Windrädern, die bisher in Naturschutzfonds flossen, in Bayern nun in die konventionelle Landwirtschaft umgeleitet. In Bayern würden schöne Broschüren zu Naturschutzprogrammen entstehen, jedoch nicht genug Geld und Personal für die Umsetzung bereitgestellt. Selbst in ausgewiesenen FFH-Gebieten schrumpften Biotope mangels Personal und Beratung, so Herr Magerl.

 

Das Ziel der Bundesregierung, die Roten Listen gefährdeter Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten zu verbessern, kann somit nicht erreicht werden. Inzwischen sind ca. 50% der von uns bekannten Tiere auf der Roten Liste…Und ca. 40 % der Pflanzen.

Günther Reiser schilderte am Anfang eindrücklich die verheerende Auswirkung eines Gülle-Austritts bei einer Biogasanlage in Arnstorf im Jahr 2015 auf den ehemals fischreichen und inzwischen bereits verschlammten Kollbach. Der sei auf viele Jahre „biologisch tot“. Herr Reiser sprach von seiner emotionalen Betroffenheit angesichts des toten Baches, an dessen Ufern er aufgewachsen ist, in dem er als kleiner Bub mit primitiven Mitteln oder gar mit der Hand Fische im glasklaren Wasser fing. Tausende von Weißfischen sah er dort im Kies laichen. Der Kies ist nicht mehr zu sehen: darüber lagern dicke Schlammschichten.

Auch ohne solche Unfälle ist zu sehen, dass Bäche und Gewässer zunehmend verschlammen und verarmen.

Da es in dem Lokal, in dem wir uns trafen, schon recht dunkel war, gelang mir nur ein Foto, ansonsten habe ich Skizzen der Redner und der „Passauer Saudiandl“ gemacht, die die Veranstaltung mit ihren frechen und witzigen Songs im niederbayerischen Dialekt musikalisch untermalt haben.

Zum Schwund der Fasane aufgrund von „Maiswüsten“, den Fritz Kempfler ansprach, hier ein kleines Trostpflaster: vor wenigen Tagen liefen uns junge Fasane über den Weg, einen habe ich mit der Kamera erwischt. Hoffentlich werden diese eleganten Tiere nicht ganz aus unserer Kulturlandschaft verschwinden:

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Junger Fasan in Bad Birnbach

Forest

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Bayerischer Wald – Aquarell – Watercolour – Fabriano paper – 35 x 51 cm