Beauty of nature

 

“Beauty will save the world”, Dostoevsky.

«La beauté sauvera le monde», Dostoïevski.

Heute ging mir öfter der Spruch von Dostojewski „Schönheit wird die Welt retten“ durch den Kopf.

Ein etwas enigmatischer Spruch, aber was sollte man anders denken vor all diesen Bildern? Vögel überall, eine Ziege beim Sonnenbad, der erste Schmetterling (! Kleiner Fuchs) das glitzernde Wasser des Chiemsees, die Berge…Eine scheinbar noch heile Welt. Und die Sonne dazu.

Wintersonne

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We discovered a new Bavarian lake today. It was wonderful!

Immer der Sonne entgegen: seit einigen Tagen ist das Rottal ein Nebelloch. Die Wetter-App versprach Sonne im Westen. Also sind wir spontan losgefahren. Zum Simssee. Da stand ein Zauberbaum ganz voller turnender Erlenzeisige, die kopfunter ihre gelben Bäuche zeigten.

Stattliche Eichen hoben bettelnd ihre gekrümmten, weit geöffneten Arme zum blauen Himmel. Krähen durchpflügten das Blau mit ihrem kräftigen Flügelschlag. Lang legten sich blaue Schatten über die weißen Wiesen und in den Tannenzweigen leuchteten Tropfen schillernd in allen Farben. Schöner, als jede Weihnachtsdeko, dachte ich.

Lange Lichtfinger tasteten sich durch die Bäume. Und als wir heimfuhren leuchtete der Himmel gelb über den Fichten, wie durch ein blau umsäumtes Milchglas hindurch. Schön war´s!

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Eichelhäher

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Simssee, Oberbayern

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Lichtfinger

Das Gute und das Böse

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Wölfe – Aquarell mit Tusche

 

Wer sind denn die Guten im Tierreich?

Schützenswert und süß scheinen auf jeden Fall Rotkehlchen, bunte Schmetterlinge und Häschen.

Aber da gibt es die anderen:

„Räuber“, „Raubwild“, „Plünderer“, so nennen wir die Bösen. Wer will schon Räuber und Kriminelle in unserer Gesellschaft…Die nehmen uns etwas weg, das uns gehört. Gefährden unser Eigentum, unsere Lebensräume.

Der Wolf könnte unsere Kinder fressen. Der Biber „frisst alles z´samm“…Der Eichelhäher „plündert“ Nester. „Der Fuchs ist die häufigste Raubwildart in unseren Revieren“ lese ich auf der Seite des Jagdverbandes…

Wir müssten sie töten, wird uns gesagt. Zum Schutz unserer Kinder, unserer Gesundheit aber auch anderer Tiere, ihren „Opfern“ sozusagen, nämlich beispielsweise der Bodenbrüter, Fasane, Rebhühner. Wir beschützen diese Opfer unter anderem, um sie selber schießen zu dürfen. Auch die Fische müssen wir „schützen“. Nicht dadurch, dass wir für Wasserqualität sorgen, sondern eher indem wir die „Feinde“ unserer gezüchteten Jungfische abschießen, nämlich Graureiher und Kormorane.

Oftmals heißt es, Wildtiere, insbesondere Vögel, seien in Deutschland geschützt. Die „Bösen“ seien die Südländer, die alles „abknallen“. Früher wusste ich nicht, dass in Deutschland zum Beispiel die Waldschnepfe gejagt werden darf. Die Waldschnepfe wird nicht nur in Bayern gejagt, sondern erstaunlicherweise auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer…

Dass man auch Möwen, Schwäne und den hübschen, winzigen Mauswiesel in Deutschland jagen darf, finde ich befremdlich…

Diese aggressive Sprache macht mich sprachlos. Die Sprache der Jäger ist eine kriegerische. Die bösen Tiere seien „hinterlistig“, sollten „effizient bekämpft“ (z.B. Ameisen), „ausgeräuchert“ (Dachs) werden…

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, dass wir Menschen oftmals unsere Mitmenschen auch in dieselben Kategorien, nämlich nützlich/schädlich einteilen.

Die Frage ist jedoch: Wie wollen wir denn zusammen leben? Wer ist schädlich/ nützlich für wen? Wer entscheidet, wer gut oder böse ist?

Kitsch und Natur in Bayern

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About kitsch, stereotypes and the beauty of nature in the Bavarian Alps

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Kaum geht man ein paar Schritte in den Nationalpark hinein, schon ist man von der Natur überwältigt. Farbenspiele in der Oktobersonne, Lichtstreifen, die sich durch die Wälder winden und an den kargen Bergen lecken, eine tiefe, weite Ruhe auf den Almen.

Aber in Ramsau selbst begegnet einem eine andere Welt. Im Brotzeitstüberl läuft „Radio Volksmusik“. „Prost der Gemütlichkeit“, „Südtirol, du bist so schön“, ein ausgestopfter Dachs mit Filzhut winkt unter einem riesigen Strauß Plastiksonnenblumen, ein Fasan klebt zwischen Plastikginko, ein großes Murmeltier thront neben einem Töpfchen mit Chili.

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Man fragt sich, ob man auf Mallorca sei oder in Peking auf dem Paulaner-Oktoberfest oder in einem amerikanischen Disneypark, wo Frauen im Dirndl Bier einschenken und zu Blasmusik tanzen.

Seltsam, dabei ist man im echten Bayern, in den wirklichen Alpen. Überragt das Klischee die Realität? Oder wirken die weltweit bekannten Bayern-Bilder aus Disney World so überzeugend, dass sie in Bayern übernommen werden müssen?

Im Infohaus des Nationalparks können Kinder an Gummizitzen üben, wie man eine Kuh mit den Händen melkt. Aber welcher Landwirt macht das noch? Die Zucht von Kühen wird inzwischen von „Bayern Genetik“ bestimmt…

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In einer Welt, in der auch das Bild von Bayern wohl auch für die Bayern bröckelt, wie die Landtagswahlen jetzt gezeigt haben, muss man wohl die Bilder alter Zeiten heraufbeschwören, damit zumindest die Urlauber an das glauben, was nicht mehr ist.

Hier sprechen die Kellnerinnen im Dirndl recht gut Deutsch, aber auch Slowakisch. Toll, so können wir unsere spärlichen Tschechisch-Kenntnisse üben, denn Slowaken und Tschechen sprechen eine ähnliche Sprache. Wieso wir tschechisch sprechen, werden wir gefragt. Wir müssen lachen und hören wieder die Frage, die uns auch die Bayern stellen: „Wozu Tschechisch lernen, wir sprechen doch auch Deutsch?…“

Aus Interesse an Eurer Sprache und Kultur, sagen wir mit den Augen. Denn ausgesprochen versteht das anscheinend niemand.

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Abends im Gasthaus leuchten die Augen der blonden Dirndlträgerin, als wir „Dekuju“ („Danke“) sagen. „Ach, Sie sind das, die Tschechisch sprechen?“, fragt sie begeistert. Die Kollegin von nebenan hätte es ihr gesagt. Wie es ihr denn hier so ginge, fragen wir. Sie macht den Mund auf und wieder zu. Lächelt. Nur ihre Augen sprechen…

Wie dem auch sei, mit etwas Humor übersteht man auch die Musik und die Natur im Nationalpark ist unübertrefflich schön. Also, Vítejte v Ramsau bei Berchtesgaden!