Wilde Freunde – Wildtiere in Bad Birnbach

Ein aufrecht stehender Hase in einem grünen Feld mit Pflanzen im Hintergrund.
Neugieriger Feldhase

Über die Freude, wilde Freunde zu haben


Während der Hitzewelle (im Juni 2026) habe ich mir angewöhnt, frühmorgens immer denselben Feldweg direkt in meiner Nähe zu gehen.


Seit nunmehr 10 Jahren gehe ich fast täglich rund um Bad Birnbach „auf die Pirsch“. Üblicherweise bin ich gerne an der Rott, im Lugenzwald oder anderswo in der Gegend mit meinem Mann Berndt oder alleine unterwegs. Die Kamera habe ich immer dabei.


Auf dem Feldweg kenne ich inzwischen viele Tiere, denen ich Namen gegeben habe. Zum Beispiel heißt die Goldammer, die mich immer am Anfang des Weges mit ihrem Lied begrüßt, Aurora. Dann ist da ein junger Rehbock mit einem dunklen Gesicht und zwei dünnen Stangen als Geweih, den ich Leopold genannt hat, weil das so edel klingt. Denn der kleine Prinz wird vielleicht ja in Zukunft der Herrscher in seinem Revier. Da die meisten Tiere standorttreu sind, erkenne ich sie nicht nur an ihrem Aussehen, sondern auch an de Stelle, an der sie sich befinden.

Ein Fasan steht auf einem Kiesweg, umgeben von grünem Gras und Blüten.
Fasan mit kurzem Schwanz

Oft begegne ich auf meinen Touren mehreren Fasanen, die ich anhand der Schwanzlänge erkennen kann. Die Schwanzfedern des einen sind aufgrund der Mauser gerade verkürzt, während sein Konkurrent, dem er immer wieder droht, noch seine ganze Eleganz zeigen kann. Besonders schön ist es auch, Feldhasen zu begegnen, die miteinander spielen, oder aus Übermut Luftsprünge machen.


Es ist auch so unglaublich beglückend, den Vögeln zuzuhören. So beginnt der Tag schön und man vergisst das „Böse“ in der Welt, man glaubt wieder an die Freude.


Dadurch, dass man die Tiere praktisch „persönlich“ kennenlernt, werden sie auch tatsächlich zu Freunden. Manchmal frage ich mich, ob sie mich ebenfalls erkennen. Wenn ja, entsteht da eine echte Beziehung – und das wäre schön. Immer wieder male ich auch „Porträts“ meiner tierischen Bekannten.
Meine soziale Umwelt reduziert sich nicht auf Menschen, sondern schließt unsere wilden Mitgeschöpfe, die auch das Wilde in uns reaktivieren und berühren können, ein. Und das ist einfach schön!


Und noch etwas: Meine Kamera hat einen starken Zoom und ich achte darauf, die Tiere nicht zu erschrecken.

Ein Reh schaut neugierig aus einem hohen Feld heraus.
Junger Rehbock Leopold

Wie ich dazu kam:

Schon als Kind haben mich Wildtiere fasziniert. in den Schulferien war ich bei der Oma im Sauerland unermüdlich im Wald auf Entdeckungstour. Jeder Vogel, jedes Tier faszinierte mich. Mein Vater, der Biologe war, erklärte mir wissenschaftliche Zusammenhänge und ich holte mir in der Stadtbibliothek alle Bücker über Tierverhalten, die ich finden konnte, Konrad Lorenz und Eibl-Eibesfeldt natürlich inbegriffen.

Später begann ich ein Biologiestudium in Straßburg, das ich zwar abbrach, das mir aber naturwissenschaftliche Grundlagen gab. Ich legte sogar ein Examen in Verhaltensbiologie ab. Als ich meinen Professor fragte, wie ich selbst Ethologin (Verhaltensforscherin) werden könne, sagte er: „Da müssen Sie auf meinen Tod warten – ich habe die einzige Stelle in der Region.“

Also studierte ich später meine anderen Leidenschaften: Kunst und Philosophie.

Anstatt zu warten, beobachte ich bei jedem Spaziergang die Natur um mich herum und das macht mich sehr glücklich. Egal wo ich bin. So wird die Natur zur Heimat.