Das Gute und das Böse

wolf_in_Bayern_Aquarell_Nadia_Baumgart

Wölfe – Aquarell mit Tusche

 

Wer sind denn die Guten im Tierreich?

Schützenswert und süß scheinen auf jeden Fall Rotkehlchen, bunte Schmetterlinge und Häschen.

Aber da gibt es die anderen:

„Räuber“, „Raubwild“, „Plünderer“, so nennen wir die Bösen. Wer will schon Räuber und Kriminelle in unserer Gesellschaft…Die nehmen uns etwas weg, das uns gehört. Gefährden unser Eigentum, unsere Lebensräume.

Der Wolf könnte unsere Kinder fressen. Der Biber „frisst alles z´samm“…Der Eichelhäher „plündert“ Nester. „Der Fuchs ist die häufigste Raubwildart in unseren Revieren“ lese ich auf der Seite des Jagdverbandes…

Wir müssten sie töten, wird uns gesagt. Zum Schutz unserer Kinder, unserer Gesundheit aber auch anderer Tiere, ihren „Opfern“ sozusagen, nämlich beispielsweise der Bodenbrüter, Fasane, Rebhühner. Wir beschützen diese Opfer unter anderem, um sie selber schießen zu dürfen. Auch die Fische müssen wir „schützen“. Nicht dadurch, dass wir für Wasserqualität sorgen, sondern eher indem wir die „Feinde“ unserer gezüchteten Jungfische abschießen, nämlich Graureiher und Kormorane.

Oftmals heißt es, Wildtiere, insbesondere Vögel, seien in Deutschland geschützt. Die „Bösen“ seien die Südländer, die alles „abknallen“. Früher wusste ich nicht, dass in Deutschland zum Beispiel die Waldschnepfe gejagt werden darf. Die Waldschnepfe wird nicht nur in Bayern gejagt, sondern erstaunlicherweise auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer…

Dass man auch Möwen, Schwäne und den hübschen, winzigen Mauswiesel in Deutschland jagen darf, finde ich befremdlich…

Diese aggressive Sprache macht mich sprachlos. Die Sprache der Jäger ist eine kriegerische. Die bösen Tiere seien „hinterlistig“, sollten „effizient bekämpft“ (z.B. Ameisen), „ausgeräuchert“ (Dachs) werden…

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, dass wir Menschen oftmals unsere Mitmenschen auch in dieselben Kategorien, nämlich nützlich/schädlich einteilen.

Die Frage ist jedoch: Wie wollen wir denn zusammen leben? Wer ist schädlich/ nützlich für wen? Wer entscheidet, wer gut oder böse ist?

20 Gedanken zu “Das Gute und das Böse

  1. Wie recht Du hast!
    Waldschnepfen zu jagen, dient nur der Angeberei – denn wegen ihres Zickzackflugs gelten sie als schwierig zu treffen. Und Füchse als „Schädlinge“ zu schießen, ist nur ein widerlicher Vorwand. Der Fuchs ernährt sich hauptsächlich von Mäusen. Dass Hasen und Fasane und Rebhühner immer seltener werden, liegt am Menschen, der ihnen ihren Lebensraum nimmt.
    Es macht wütend und ohnmächtig zugleich, was unseren Mitgeschöpfen angetan wird…

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    • So sehe ich das auch! Bei Vögeln wie Waldschnepfen oder auch Graureihern frage ich mich, was mit den geschossenen Tieren passiert. Essen tut man sie bestimmt nicht…Ausstopfen? Wegwerfen? Widerliche Vorstellungen.
      Und ja, dass das Rebhuhn vor Füchsen geschützt werden soll, klingt beinahe schon lächerlich. In einer Welt ohne Hecken, blühenden Wiesen und mit immer weniger Insekten und Käfern, die Rebhühner zur Aufzucht brauchen, ist es absurd, sie durch Jagd von angeblichen „Feinden“ schützen zu wollen. Das klingt wirklich einfach nach Ausreden…

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      • In der Manier der Fassungen, wie die die Brüder Grimm die derben alten Spinnstubengeschichten für Erwachsene auf das Moralische herunterreduziert haben, so dass sie zur Früherziehung taugen, ist das so.
        Die neueren Tendenzen, ältere Kinderbücher von als politisch-inkorrekt identifiziert anstössigen Inhalten zu reinigen (Pippi Langstrumf ist nur ein Beispiel), zeigt diesen bevormundenden Geist noch immer, der dogmatisch frühzeitig in die Köpfe einzugreifen versucht, wo beargwöhnt wird, Erklärungen könnten hier und da unterbleiben, aber Anregungen zum Hinterfragen von Absolutem unbequem subversiv geraten.

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      • Ich glaube, diese Tendenz, Widersprüchliches und Zweideutiges aus unseren Diskursen zu streichen, ist allgemein. Umso schwieriger wird es natürlich, wenn Kinder schon angehalten werden, dogmatisch zu denken, weil die Fähigkeit, im Erwachsenenalter zu hinterfragen somit reduziert wird. Vielleicht kehrt sich der Trend mal um…

        Übrigens ist das, was du da ansprichst, dieses „auf das Moralische herunterreduzieren“ meiner Meinung nach auch im „religiösen Denken“ normal geworden. Alles, was als „Mysterium“, nämlich als das Unverständliche, Unsagbare, bezeichnet wurde, wird reduziert auf moralische Predigten. Somit geht auch im religiösen Gefühl eine Dimension verloren…

        Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass wir dem pauschalen Denken in gut und böse, nützlich und schädlich, immer weniger entgegensetzen. Dabei geschieht unser Leben oftmals in der Zone, die zwischen diesen Begriffen liegt.

        Was die „schädlichen Tiere“ betrifft, so wünsche ich mir einfach mehr Toleranz für unsere Mitgeschöpfe, selbst wenn hier und da mal Konflikte entstehen.

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      • Immer, wenn ich Fotos von einem Sperber im Blog zeige, kommt jemand, der darauf hinweist, er würde von der Vogelfütterung angezogen, deren Besucher er dann schlägt, als wäre er ein Bösewicht und ich sein Komplize.
        Bei Meisen, die ja nicht minder tierische Nahrung bevorzugen, wenn es sie gibt, wird immer nur niedlich gefunden – obwohl beide dasselbe tun.

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      • Genau…das ist ja gerade das, was wir eben angesprochen haben…Ich traue mich auch kaum mehr, von unserer Biberfamilie zu berichten, weil viele Menschen hier sie als Zerstörer empfinden… Lustigerweise stehen Haustiere irgendwie außerhalb der Kategorien.

        Der Sperber ist als „Raubvogel“ böse, aber die Katze ist ganz süß. Rabenvögel sind böse, weil sie Nester „plündern“, dabei ist der Buntspecht, der liebend gerne Nester ausräumt, hübsch und lieb…Na ja…

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  2. Liebe Nadia, du hast es sehr treffend auf den Punkt gebracht, wie wir Menschen Unterscheidungen treffen, aber letztlich Interessen dahinter stehen – so geschieht es auch mit der Pflanzen, sogenannte Unkräuter sind oft Heilkräuter und vor diesen wird ja auch immer wieder gewarnt, da muckt dann die Pharmazie auf.
    Und dass wir es genau mit Menschen machen, wurde mir noch einmal so richtig deutlich als man 2015 begann von den „nützlichen“ Migrant*innen zu sprechen, sprich denen, die dann die Jobs machen, die hier keiner mehr machen will oder kann, alle anderen sind dann demnach unnützlich und gehören weggeschickt?! Leben ist Leben, es gilt zu einem Miteinander zu finden, Gegeneinander hatten wir nun lange genug.
    herzliche Grüße
    Ulli

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    • Liebe Ulli, danke für deine interessanten Bemerkungen. Du beschreibst es mal wieder sehr gut, wie sich eine bestimmte Denkweise durch viele Bereiche zieht…Und ja, wir müssen wohl Wege finden, unsere verschiedenen und teilweise gegenteiligen Interessen irgendwie miteinander zu vereinbaren. Die Wege müssen ja nicht gerade sein, aber machbar. Denn „Gegeneinander hatten wir lange genug“, besser kann man es nicht sagen.

      Herzlichen Gruß zurück, Nadia

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    • Genau, Katrin. Manchmal denke ich, wir haben die Tendenz, das was wir lieben/ mögen, als nützlich anzusehen. Und alles andere als schädlich. Nur hat halt der Nachbar andere Vorlieben und Abneigungen…Danke für deinen Kommentar und herzlichen Gruß, Nadia

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  3. Pingback: About me – Über mich | Art blog - Nadia Baumgart

  4. Als ich heute mit meinem Hund einem anderen Hundehalter entgegenging, dessen Hund frei lief, rief ich von weitem: ist er bös? Eine merkwürdige Frage, dachte ich sogleich, aber notwendig, denn ein „böser“ Hund hat den meinen einmal fast totgebissen. Natürlich ist der beißende Hund nicht „bös“ im allgemeinen gewesen, sein Besitzer versicherte, dass er keiner Katze etwas zu leide täte, aber für meinen Hund war er eben doch brandgefährlich. Und so kommt wohl unser Urteil über gut und böse zustande. Bös ist, was uns schädigt. Und so ist der Wolf eben für manches andere Tier und deren Besitzer bös. Mit der Selbstgerechtigkeit der Jäger hat das freilich nichts zu tun.

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