Das Gute und das Böse

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Wölfe – Aquarell mit Tusche

 

Wer sind denn die Guten im Tierreich?

Schützenswert und süß scheinen auf jeden Fall Rotkehlchen, bunte Schmetterlinge und Häschen.

Aber da gibt es die anderen:

„Räuber“, „Raubwild“, „Plünderer“, so nennen wir die Bösen. Wer will schon Räuber und Kriminelle in unserer Gesellschaft…Die nehmen uns etwas weg, das uns gehört. Gefährden unser Eigentum, unsere Lebensräume.

Der Wolf könnte unsere Kinder fressen. Der Biber „frisst alles z´samm“…Der Eichelhäher „plündert“ Nester. „Der Fuchs ist die häufigste Raubwildart in unseren Revieren“ lese ich auf der Seite des Jagdverbandes…

Wir müssten sie töten, wird uns gesagt. Zum Schutz unserer Kinder, unserer Gesundheit aber auch anderer Tiere, ihren „Opfern“ sozusagen, nämlich beispielsweise der Bodenbrüter, Fasane, Rebhühner. Wir beschützen diese Opfer unter anderem, um sie selber schießen zu dürfen. Auch die Fische müssen wir „schützen“. Nicht dadurch, dass wir für Wasserqualität sorgen, sondern eher indem wir die „Feinde“ unserer gezüchteten Jungfische abschießen, nämlich Graureiher und Kormorane.

Oftmals heißt es, Wildtiere, insbesondere Vögel, seien in Deutschland geschützt. Die „Bösen“ seien die Südländer, die alles „abknallen“. Früher wusste ich nicht, dass in Deutschland zum Beispiel die Waldschnepfe gejagt werden darf. Die Waldschnepfe wird nicht nur in Bayern gejagt, sondern erstaunlicherweise auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer…

Dass man auch Möwen, Schwäne und den hübschen, winzigen Mauswiesel in Deutschland jagen darf, finde ich befremdlich…

Diese aggressive Sprache macht mich sprachlos. Die Sprache der Jäger ist eine kriegerische. Die bösen Tiere seien „hinterlistig“, sollten „effizient bekämpft“ (z.B. Ameisen), „ausgeräuchert“ (Dachs) werden…

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir auf, dass wir Menschen oftmals unsere Mitmenschen auch in dieselben Kategorien, nämlich nützlich/schädlich einteilen.

Die Frage ist jedoch: Wie wollen wir denn zusammen leben? Wer ist schädlich/ nützlich für wen? Wer entscheidet, wer gut oder böse ist?

Good luck, wolves!

Wölfe-Bayerischer-Wald-Nadia Baumgart

Two weeks ago, 6 wolves escaped from their enclosure in the Bavarian Forest National Park because someone opened their door. Since then they are hunted and two of them were killed although they are protected by law. I wish the remaining wolves good luck and hope that they will survive…

Vor einigen Wochen (am 6. Oktober) sind sechs Wölfe aus ihrem Gehege im Nationalpark Bayerischen Wald ausgebrochen, weil jemand ihr Gatter nachts geöffnet hat. Seitdem werden sie gejagt. Einer wurde gleich vom Zug überfahren, zwei weitere erschossen, obwohl sie ja geschützt sind. Inzwischen wurden aufgrund der sich mehrender Proteste von Naturschützern Lebendfallen aufgestellt und es wird versucht, sie zu betäuben. Ich wünsche diesen Wölfen ganz viel Glück und hoffe, sie werden diese Jagd und die Ängste der Parkverwaltung und eines Teils der Bevölkerung überleben!

7.12.2017: die Presse über den Wolf:  Inzwischen wurde einer der Wölfe in der Nähe von Wien gesichtet, dort hat er einen Hahn gefangen. In der Presse wurde diese Nachricht unter dem martialischen Titel: „Steht Bayerwald-Wolf bald vor Wien?“ gebracht. Die als Titel formulierte Frage „Steht Bayerwald-Wolf bald vor Wien?“ erweckt gewollt oder ungewollt beim Leser Assoziationen mit der Wiener Türkenbelagerung im 15. Jahrhundert. Unser Leben, unsere Kultur scheinen somit in Gefahr zu sein.

Dann wird berichtet, das „wilde Tier“ sei „auf der Flucht“, obwohl die Presse vor Monaten berichtete, die Wölfe seien aus einem offen stehenden Gehege in den Wald gelaufen.

Dann wird das Verhalten des Wolfes als „unnatürlich“ beschrieben. Er sei nicht nur tagsüber unterwegs gewesen, sondern sei auch einer Katze begegnet, die er nicht angegriffen habe. Muss denn jeder Wolf jede Katze reißen, um als „natürliches“, „wildes“ Tier zu gelten?

Man habe noch keine Strategie, „wie wir den Wolf schnappen könnten“. Warum sollten wir ihn denn „schnappen“? Ob es gelingt, das Tier lebend einzufangen, sei nicht sicher. Und ich dachte, Wölfe seien im gesamten Bundesgebiet über § 44 BNatschG streng geschützt. Auch in Österreich gilt der Wolf nach dem Wiener Naturschutzgesetz als streng geschützte Art …

Hier noch ein Aquarell vom Wolf

Il y a 2 semaines, six loups se sont échappés de leur enclos dans le Parc National de la Foret Bavaroise. Depuis, on les chasse bien qu´ils soeint protégés. Deux ont été abattus et l´un d´eux a été écrasé par un train. Je souhaite bonne chance à ceux qui sont encore en liberté !