Bräunlreiter Senior und Junior – Und ich durfte den Faschingshut aufsetzen
Zugegeben, früher mochte ich Fasching nicht besonders, aber hier im Rottal ist das etwas anderes. So habe ich gerne heute Morgen beim Faschingsauftakt zugeschaut. Ich mag die schönen Kostüme, die Hüte, die Musik, die originelle Figur des „Bräunlreiters“…
Später im Café, fühlte sich das Pferd, der „Bräunl“, wohl einsam, ich habe es getröstet. Bräunlreiter Senior und Junior haben es mir gedankt.
Der „Bräunlreiter“ ist eine traditionelle Faschingsfigur aus Bad Birnbach, die einen Mann in Narrentracht darstellt, der auf einer Pferdeattrappe reitet. Der „Bräunl“ ist ein braunes Pferd und die Figur ist ein Symbol des lokalen Faschingsvereins. Die Tradition soll aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammen und diente dazu, den Menschen nach schweren Zeiten Zuversicht und Lebensmut zu schenken.
Faschingsauftakt Bad Birnbach 11.11.25Das Original- Rottaler Bräunlross fühlt sich abgestellt
EN: The “Bräunlreiter” is a traditional carnival figure from Bad Birnbach: a man in jester costume riding a mock horse called “Bräunl,” a symbol of the local Fasching club. Originating after the Thirty Years’ War, the tradition was meant to uplift spirits and restore hope in difficult times.
Die wunderschön dekorierten Umzugswagen thematisieren die Legende des Hl. Leonhards und der Wallfahrt in Aigen bei Bad Füssing.
Zum zweiten Mal haben wir der beeindruckenden Prozession beigewohnt. Es handelt sich um eine der ältesten Leonhardi-Wallfahrten Bayerns – und ich LIEBE alte Bräuche, lebendige Traditionen und Pferde obendrein!
Es war wieder herzerwärmend und schön, all diese riesigen Kaltblüter (darunter Noriker, Bretonen, bayerische, belgische und polnische Kaltblüter und Percherons) zu erleben: ihre Farben und Mähnen zu bewundern, den warmen Geruch zu riechen, der aus ihren vom Regen nassen Leibern aufsteigt. Die geschmückten Wagen, die kunstvollen Details – all das berührt mich zutiefst.
Die „Grenzlandla“ mit ihren Hüten aus Hasenfilz. Der freundliche Grenzlanda links ließ mich seinen Hut anfassen. Dieser sei 200 Jahre alt!
Ich nehme die vielen kleinen Dinge wahr: die Lederschnallen, die blinkenden Gebisse, die dekorierten Halfter, die Quasten am Brustgeschirr. Die gestickten Bänder. Und ich ahne, wie viele Hände begeistert Lederriemen eingefettet, Hufe poliert und Mähnen gebürstet haben. All das lässt mein Herz höher schlagen.
Besonders gefreut habe ich mich über die vielen Goldhaubenfrauen. Ich hatte schon befürchtet, dass diese Tradition aussterben könnte – zumal diese Hauben mit den goldenen Stickverzierungen aufwendig in der Herstellung sind und, wie ich beinahe hinzugefügt hätte, nicht bei Temu bestellt werden können.
Auch die großen Hüte aus Hasenfilz der „Grenzlandla Gögging“ haben mich beeindruckt! Ich durfte sogar einen anfassen, der 200 Jahre alt ist!
Rührend waren auch das Eselgespann und die vielen stolzen Kinder auf ihren Ponys .
Ramona Pauli aus Böbrach auf ihrem belgischen Kaltblut
Was den Leonhardiritt in Aigen am Inn so besonders macht, ist die Kulisse: der hohe Kirchturm, das Zehentstadl aus dem Jahr 1450, die kunstvolle Fassade des Wirtshauses Glaser, die fröhliche Atmosphäre im Café im Hof der Bäckerei Fischer…
Seit 1972 findet der historische Festzug mit den neun Festwägen und mehreren Kutschen in dieser Form statt. Insgesamt werden 65 Pferde gezählt. Die Gespanne kommen meist aus dem Bayerischen Wald (Rinchnach, Zwiesel, Regen etc.) und aus Oberösterreich. Denn „Heimat“ kennt keine Staatsgrenzen.
Die Wallfahrt geht auf eine vom Inn angeschwemmte Leonhardifigur zurück – und ich bin dankbar, dass so viele Menschen diese Bräuche bewahren. Möge es sie auch 2125 noch geben.
EN: The beautifully decorated parade wagons tell the story of Saint Leonhard and the pilgrimage in Aigen near Bad Füssing. We attended this impressive procession for the second time – one of Bavaria’s oldest Leonhardi pilgrimages – and I absolutely LOVE ancient customs, living traditions, and horses too! It was once again heartwarming and beautiful to witness these majestic draft horses: admiring their colors and manes, breathing in the warm scent rising from their rain-soaked bodies. The adorned wagons, the artistic details – all of it touches me deeply.
Der Rundgang in der Gnadenkapelle ist mit tausenden von Votivbildern behängt
Gestern waren wir auf dem Kapellplatz in Altötting. An den Votivbildern im Rundgang um die Gnadenkapelle kann ich mich nie satt sehen. Da werden so viele Geschichten erzählt, in denen Angst im Vordergrund stand (Krankheit, Unfall, Armut, Krieg…) und am Ende alles gut ging. „Maria hat geholfen“. Hier gibt es immer ein „Happy End“; die Dankbarkeit, die dann zum Ausdruck kommt, berührt mich.
Votivbilder sind oft bewusst schlicht und direkt: Sie erzählen persönliche Geschichten, dokumentieren Schicksale und verbinden Kunst mit gelebtem Glauben. So entsteht eine einzigartige Bildtradition, die zwischen Volkskunst und religiösem Zeugnis steht.
Der Himmel war tiefblau, die gelben Blätter der Ahornbäume leuchteten wie kleine Sonnen, die Atmosphäre war heiter und ruhig. Ich bin dankbar für solche Momente in unserer unruhigen Welt…
Hier einige Eindrücke:
Votivtafel als Dank dafür, dass die Stute endlich gefohlt hat
Einige Beispiele:
Eine Votivtafel von 1874 als Dank dafür, dass der Schuhmacher Franz Reichl nach einem Unfall sein Augenlicht wieder erlangte. Es gibt auch moderne Votivtafeln. In einem Bild dankt eine Familie für die Rettung der Tochter aus einem Unfall 2018. Ein Mann wird aus einem Brunnen gerettet. In einem Bild von 1872 dankt eine Familie, welche die „Blatternkrankheit“, auch Pocken genannt, gut überstanden hat.
Jetzt im Herbst verzaubern die Farben besonders: das goldene Gelb der Lärchen, das warme Ocker der Buchenblätter und das lederne Rotbraun des Eichenlaubs prägen das Bild. Bei Churfürst war es herrlich, die Rinder und Schafe in der Sonne auf der Weide zu beobachten – so friedlich.
Die letzten Hummeln und Schmetterlinge waren auch noch zu sehen, am Horizont konnte ich einen Blick auf die Alpen mit dem ersten Schnee erhaschen – und ich konnte noch in Sandalen laufen, was ich liebe.
Der neue Wald kommt wieder hoch – wo vor Jahren der Borkenkäfer für Kahlschläge gesorgt hatteHerbstlicht im Wald
EN: The Lugenz Forest in Lower Bavaria is simply always beautiful. Now in autumn, the colors are especially enchanting: the golden yellow of the larches, the warm ochre of the beech leaves, and the leathery reddish-brown of the oak foliage shape the scene.