Zum internationalen Frauentag 2026 – Animierte Aquarelle

Als Mädchen fand ich den Frauentag – als er in den 70ern in Westdeutschland wieder sichtbarer wurde – „blöd“. Ich empfand ihn als diskriminierend. Als junge Frau dachte ich, ich bräuchte keinen Frauentag: Ich bin doch stark und frei. Warum gibt es keinen „Männertag“? Für mich wirkte dieser Tag damals so, als würde er Frauen zu einem schwachen Wesen erklären, das besondere Aufmerksamkeit braucht. Fast fürchtete ich, Mitschüler oder Brüder könnten sich dadurch überlegen fühlen.

Mit der Zeit hat sich meine Sicht verändert. Und je älter ich werde, desto klarer wird mir, wie schnell man als Frau in einer Falle sitzt und wie notwendig dieser Tag ist. Weltweit – damit Frauen nicht länger ungestraft Gewalt und Bevormundung erfahren, wie es in manchen Ländern noch immer geschieht. Aber auch hier bei uns: weil wir noch immer nicht in allen Bereichen ernst genommen werden, weil wir weniger verdienen oder in „typische Frauenberufe“ gedrängt werden.

Und dieser Tag erinnert uns auch daran, uns selbst zu fragen, ob wir Frauen die Schönheitsnormen und Selbstoptimierungsbefehle von TikTok und Co. wirklich übernehmen wollen – oder ob wir ihnen etwas entgegensetzen möchten.

#weltfrauentag #journéeinternationaledesfemmes #womensday

Freie Frauen – nicht erst seit gestern…

Tuschezeichnung – Dessin à l´encre – Ink drawing

Alexandra David-Néel

(Texte en français plus bas)

Sie wirkt als Opernsängerin in Athen und Tunis. Sie schreibt als Journalistin für die feministische Zeitung „La Fronde“; sie fordert einen Lohn für Hausarbeit und wirtschaftliche Autonomie für Frauen. Sie leitet einige Monate das Casino von Tunis. Sie reist alleine und mit wenig Mitteln nach Tibet, China, Japan und wird Buddhistin. Sie lebt mehrere Jahre unter Anleitung eines Meisters in einer Meditationshöhle im Himalaya. Sie ist eine begeisterte Fotografin, studiert Sanskrit, schreibt und übersetzt, lässt sich im höheren Alter in Südfrankreich nieder. Dort zieht sie ihr Bio-Gemüse im eigenen Garten.

Klingt ganz schön modern, nicht wahr? Wenn man dann erfährt, dass sie 1868 (!) geboren wurde, wird einem wieder bewusst, dass es freie, neugierige, interessierte und interessante Frauen schon lange vor unserer ach so befreiten Zeit gab. Es wird selten über sie geredet. Während ich sie gezeichnet habe, habe ich mir ihr abenteuerreiches Leben in einem Podcast angehört.

FR: J´ai découvert la vie passionnante de Alexandra David-Néel, femme libre et aventureuse née en 1868 grâce à un podcast de France Culture. Chanteuse d´opéra, journaliste, bouddhiste, anarchiste et intellectuelle, elle prouve que les femmes libres n´ont pas été inventées aujourd’hui :

https://www.radiofrance.fr/franceculture/podcasts/serie-le-siecle-d-alexandra-david-neel

#frauen #aquarelle #philosophinnen

Böse Weiber – Ausstellung „Frauen in Braunau“

in der Ausstellung „Frauen in Braunau“
Votivgabe aus Wachs in der Form einer Brust

Ausstellung über Frauen in Braunau

Gestern haben wir die Ausstellung „Frauen in Braunau“ besucht. Ganz besonders interessiert haben mich: Die Litanei von allen bösen Weibern (mit vielen deftigen Beschimpfungen), eine Brust aus Wachs als Votivgabe und Bitte um reichlich Muttermilch und ein illustrierter Liebesbrief aus dem Jahr 1799.

Votivgaben sind Gegenstände, die als symbolische Opfer einer überirdischen Macht öffentlich dargebracht wurden.  Und eine Litanei ist eine Form des gemeinschaftlichen Gebets.

Auszug aus der Litanei von allen bösen Weibern:

Ihr bösen Weiber höret mich!

Du Spiegel aller Schlechtigkeit,

Du kreischende Sackpfeife,

Du falschklingende Leier,

Du Abgesandte vom Satan,

Du Nagel an der Totenlade deines Mannes,

Du Missgeburt aller Kreaturen,

Bessere dich!

Hier etwas mehr Info:

https://www.ooemuseen.at/museen-in-ooe/veranstaltungen/3931-verein-fuer-zeitgeschichte-und-museumsverein-frauen-in-braunau-sonderausstellung-im-berzirksmus

Tiger woman

Die Tigerfrau – The tiger woman (link in English below)

Starke Frauen gab´s schon in der Steinzeit. (Texte et lien en français plus bas)

Kollektive Erinnerungen an starke Kämpferinnen, die sich in Gottheiten wie Artemis, der griechischen Göttin des Mondes, des Waldes, der Jagd und der Fruchtbarkeit oder Diana, der römischen Göttin der Jagd kristallisierten, wurden immer als romantische Träumereien abgetan.

Das „schwache Geschlecht“ habe schon in der Steinzeit Beeren gesammelt und Kinder gehütet, während die muskulösen Männer auf die Jagd gingen, so erzählte man uns. Aus diesem Grunde – laut einer konservativen Meinung, die nicht selten heute noch aktuell ist – sollten Frauen am Herd bleiben und sich um die Kinder kümmern, während Männer Karriere machen.

Dass es sich bei diesen Rollenzuschreibungen um Klischees handelt, beweist nun auch die Ausgrabung eines 9000 Jahre alten Grabes in Peru: Frauen waren schon in der Steinzeit Großwildjägerinnen!

Hier mehr dazu:

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/historische-geschlechterrollen-in-der-steinzeit-frauen-waren-nicht-nur-sammlerinnen-sondern-auch-jaegerinnen#:~:text=Neueste%20Ausgrabungen%20zeigen%20aber%3A%20Zu,%2D%20bis%2019%2Dj%C3%A4hrigen%20Frau

Les hommes au travail, les femmes à la maison ? Eh bien non ! La découverte en 2018 au Pérou d’un squelette féminin accompagné d’armes de jet a conduit á une réévaluation à la hausse de la proportion de chasseuses durant la préhistoire :

https://www.lemonde.fr/sciences/article/2020/11/09/il-y-a-9-000-ans-des-femmes-chassaient-dans-toute-l-amerique_6059132_1650684.html

In English:

https://www.sciencemag.org/news/2020/11/woman-hunter-ancient-andean-remains-challenge-old-ideas-who-speared-big-game