Im Paradiesgarten! Heute waren wir im Klostergarten Maria Schmolln bei Braunau in Oberösterreich. Eine sehr schöne Entdeckung voller Leben!
Dort sind viele Heilkräuter zu finden, die mit schönen Trivialnamen beschriftet sind. Beispielsweise wird die Falsche Kamille „Mutterkraut“ genannt, ein wunderschöner Name, finde ich. Auch „Heiligenkraut“ ist ein schöner Name, finde ich.
Es gibt entspannende Plätzchen im Grünen, zwei Stühle, eine alte Schaukel unter einem riesigen Walnussbaum. Beinahe kam es mir dort im Schatten angenehm kühl vor, obwohl die Sonne nur so hinunterknallte bei 35 Grad!
Grün und schattig in der SommerhitzeEin wunderschöner KlostergartenFarben und Leben
Zu heiß für Unternehmungen? Das ist das richtige Wetter für Museen! Gestern haben wir mit großer Freude das Stadtmuseum-Heimathaus in Schärding (Oberösterreich) entdeckt, an dem wir bisher immer vorbei gegangen sind.
Wir hatten das Glück, eine richtig tolle Führung zu erleben: Die Museumswärterin erklärte uns mit Begeisterung die Hintergründe vieler ausgestellter Objekte. Wir durften uns sogar in einem richtig edlen venezianischen Spiegel in der Bürgerstube bewundern. Hier einige Exponate, die ich besonders interessant fand:
Votivbild Brand in schärding 1724
Die Kopie eines beeindruckenden Votivbildes, das den Brand in Schärding 1724 zeigt. Damals sprang der Feuersturm sogar über den Inn auf das Kloster Neuhaus.
Die erste Karte des Goldenen Steiges – „Legalisierte“ Schmugglerpfade
Interessant fand ich die erste „Goldener Steig“- Karte. Die Karte besiegelte den Salzstreit von 1515: Viele Händler brachten nämlich ihre Waren auf Saumpfaden durch den Bayerischen und Böhmischen Wald, um die vielen Gebühren zu umgehen, die sie bezahlt hätten, wenn die Waren über den Inn verschifft worden wären. Mit der Zeit ergriff die Stadt Passau Maßnahmen gegen diesen „Steuerbetrug“. Am Ende einigte man sich auf bestimmte Wege, die mehr oder weniger „legalisiert“ und aufgezeichnet wurden.
Der „Mohr von Teufenbach“
Eine besondere Geschichte über den „Mohr von Teufenbach“. Laut einer Sage soll ein Schlossherr von Teufenbach nach Afrika gereist sein, wo ihm ein Einheimischer namens Kwamm das Leben rettete. Der Schlossherr brachte seinen Retter aus Dankbarkeit mit nach Teufenbach, wo er aber von der Bevölkerung bedroht wurde. So ließ ihn der Schlossherr wieder zurück in seine afrikanische Heimat bringen. Zu seinem Andenken wurde ein hölzernes lebensgroßes Standbild von Kwamm gemacht.
Ein Gehrock aus dem 18. Jahrhundert
Ein wunderschöner Gehrock (1750) aus feinem Schärdinger Wollstoff, an dem sich die heutigen Modedesigner inspirieren könnten.
Ein Löffel aus Horn: Löffel waren persönliche Gegenstände. Wenn man starb, gab man wortwörtlich den Löffel ab. Ich wusste nicht, dass das Sprichwort „den Löffel abgeben“ von dieser Sitte stammt.
Der serbische Gockel kommt auf die Innbrücke als Erinnerung an einen Hahn, der 1918 auf dieser Brücke aufgrund von bürokratischen Zollregeln geschlachtet werden musste.
Gestern waren wir im „Heimathaus“ in Braunau, das war sehr spannend!
In the local museum of the city of Braunau in Upper Austria.
Vorher haben wir einen kurzen Abstecher zur Ausstellung „,femi’ni:n.“ (mit ganz tollen Frauen-Skulpturen und dem serbischen Gockel aus Bronze, der 1918 auf der Innbrücke aufgrund von bürokratischen Grenzregeln enthauptet wurde) in der benachbarten Herzogsburg gemacht.
Schöne Skulpturen von Christine PerseisDie Geschichte des geköpften Hahns
Im Heimathaus hatten wir dann eine unglaublich interessante und lustige Führung von einem „analogen Museumsführer“, wie er sich selber nennt.
Vieles ist im Heimathaus einzigartig: Die Glockengießerei aus dem Jahr 1385, die „Pesttür, die schlimmen „Raufwerkzeuge“ und das ganze verwinkelte Haus!
In der Glockengießerei im Erdgeschoss, deren Öfen noch sichtbar und deren Wände vom Ruß des Rauches geschwärzt sind, wurden nicht nur Glocken, sondern sogar kleine Kanonen gegossen, da Braunau eine Festung war.
Es wurden lustige Anekdoten über den Braunauer „Bierkrieg“ erzählt, als 1908 die Innviertler Braugenossenschaft die Bierpreise erhöhen wollte und die gesamte Bevölkerung aus Protest mit Musikapelle über die Brücke nach Simbach ging, um dort das billigere Bier zu trinken. Später soll es in Simbach sogar Stammtische für „Braunauer Bierflüchtlinge“ gegeben haben.
Jedenfalls waren nicht nur die erzählten Geschichten, sondern auch die Vielzahl der Exponate und deren Erhaltungszustand sehr beeindruckend.
Im Heimathaus BraunauDie Glockengießerei aus dem 14. Jahrhundert in ihrem Originalzustand
Today we visited the house of an Austrian artist and
illustrator, an important representative of Symbolism and Expressionism who
lived in our surroundings: Alfred Kubin (1877 –1959)
Ein Portrait des Künstlers Alfred Kubin
Immer wieder bin ich erstaunt, in der Umgebung so viele verschiedene interessante Orte entdecken zu dürfen. Heute waren wir im Kubin-Haus Zwickledt bei Wernstein am Inn. Kubin? Ja, ein international bekannter Künstler, von dem ich schon in den 70er Jahren in Frankreich hörte. Damals lernte ich, er sei der Bewegung der Symbolisten zugehörig. Inzwischen wird er wohl eher den Surrealisten zugeordnet. Vor kurzem erzielte eine Kubin-Zeichnung in London erstmals mehr als eine Million Euro.
Die Hungrigen und die Satten – Alfred Kubin
Jedenfalls, was ich gar nicht wusste, war dies: Alfred Kubin hat „hier“ gewohnt. Nein, so ein rechter „Rottaler“ war er nicht, geboren ist er 1877 in Böhmen. Aber gelebt hat er 35 Km von Bad Birnbach beim österreichischen Wernstein am Inn. Und das von 1906 bis zu seinem Todestag in 1959. Mehr als 50 Jahre war er also unser „Nachbar“.
Wir hatten das ganz große Glück, einem jungen Künstler zu begegnen, der uns durch das Wohnhaus führte und uns einfühlsam von dem großen Zeichner erzählte. Seine Großeltern hatten ihn persönlich gekannt. Deren Erzählungen weckte in ihm die Liebe zur Kunst.
Der Tod bei der Arbeit – Alfred Kubin
Der Garten von Alfred Kubin
Zuerst gingen wir durch den schönen Garten des schon im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnten Hauses, das Kubin sein „Schloss“ nannte, obwohl dieses eher einem landwirtschaftlichen Anwesen glich. Unser Führer zeigte uns eine Holzhütte, in der der Künstler damals im Sommer beinahe seine ganze Zeit verbrachte. Er beschrieb ihn uns als hochsensibel und einen Menschen, der den Großstädten, die er kannte (München, Wien, Paris) entkommen und mit seiner Frau als Selbstversorger leben wollte. Wie modern! dachte ich. Auch die Zeichnung: „Die Hungrigen und die Satten“, fand ich richtig modern…
Die Haustür des Künstlers – Spontaner Besuch war nicht erwünscht.
Meditation und Sensibilität
Wir erfuhren vieles im Garten, bevor wir uns im Haus umsehen konnten. Zum Beispiel von den Depressionen, die Kubin heimsuchten. Sie waren wahrscheinlich auch bedingt durch den frühen Tod der Mutter und demjenigen seiner ersten großen Liebe. Und von seinem Interesse am Buddhismus: unter einer 400-jährigen Eiche meditierte er an seinem kleinen Teich. Von seiner Liebe zu Tieren. Selbst „sein“ Holzwurm hatten einen Namen: Hansi. Und seiner Liebe zur Natur: jeden Tag ging er in der Umgebung wandern. Dabei schenkte er Kindern und Nachbarn immer wieder Zeichnungen, die diese im Ofen verbrannten, weil diese so „hässlich“ seien. Inzwischen tut es den Erben natürlich leid. Sie fragen sich: wäre diese Zeichnung wohl auch für 1 Million zu verkaufen gewesen?
Ein Blick auf das Wohnhaus von Kubin
Das Wohnhaus des Künstlers
Es war einfach wunderschön, auf den Spuren von Kubin zu
wandeln, seinen Zeichentisch zu sehen, seine Bibliothek, aber auch seinen alten
schwarzen Mantel, der noch im Flur hängt.