Hoffnung für den Hirschkäfer

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Bau eines Hirschkäfermeilers in Tann

The regional group of our nature conservation association has built a breeding ground for stag beetles last week with the help of students.

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Die Eichenstämme werden zusammengedrückt

Letzte Woche wurde von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn ein Hirschkäfermeiler in Tann gebaut. Ich durfte berichten; den Text findet Ihr unten im Link.

Wenn man bedenkt, dass ein Hirschkäfer seine ganze Entwicklung im Totholz durchlebt und dazu bis zu 7 Jahren (!) braucht, versteht man gleich, dass dieser seltene Käfer Hilfe braucht. Denn in den wenigsten Wäldern wird Totholz so lange liegen gelassen. Es war schön zu sehen, wie engagiert die Schüler der Grund- und Mittelschule Tann mitgeholfen haben, den Meiler aus Eichenholz zu bauen.

Da diese Käferwiege, die noch viele andere Käferarten anziehen kann, am Waldrand liegt, konnte ich auch das rege Leben auf der blühenden Wiese beobachten: Schmetterlinge und eine Zwitscherschrecke.

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Hier mehr vom Hirschkäfermeiler: https://rottal-inn.bund-naturschutz.de/

 

 

Zum Insektensterben

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Kürzlich wohnte ich einem Vortrag des Demeter-Berufsimkers Günter Friedmann bei. Hier der Bericht, den ich dazu schreiben durfte:

Die Biene, ein politisches Tier – Gedanken eines Imkers zum Insektensterben

Vortrag des Demeter-Berufsimkers Günter Friedmann

Die Veranstaltung war von der BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach organisiert worden.

Günter Friedmann ist Demeter-Berufsimker mit fast 40 Jahren Berufserfahrung. Er ist einer der Pioniere der ökologischen Imkerei. In Süddeutschland betreibt er erfolgreich die weltweit größte Demeter-Imkerei.

Seinen Vortrag begann Günter Friedmann mit einer Warnung: „Insekten sterben still und leise. Man merkt es erst, wenn es zu spät ist.“ Das Thema Bienensterben habe vor ca. 10 Jahren besondere Relevanz erlangt. Dazu beigetragen habe die Tatsache, dass „die Biene ans Herz gehe“, aber auch der Dokumentarfilm „More than honey“.

Zunächst wurde geklärt, dass es bei dem Thema Insektensterben um wesentlich mehr ginge als um die Honigbiene. Sie sei aber ein wichtiger Indikator für den Zustand der Natur. Ihre Verfassung zeige auf einfache Weise hochkomplexe Zusammenhänge, die man ansonsten nur schwierig darstellen könne.

Der Umgang mit Bienen sei  symptomatisch für unseren Umgang mit der Umwelt und deshalb eine politische Angelegenheit. Denn die Bienen lebten in der freien Natur und spiegelten den Zustand der Landschaft.

Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ bereits 2017 berichtete, stehen inzwischen nicht nur die Insekten, sondern die ganze Menschheit vor ihrem eigenen Untergang.

Um die Honigbiene mache er sich weniger Sorgen, stellte Günter Friedmann klar; denn diese hätte als Nutztier ihre Unterstützer. Gravierender sei die Situation anderer Insekten wie z.B. der Wildbiene, der Hummeln oder der Schmetterlinge, die keine Lobby hätten, obwohl gerade diese eine enorme bestäuberische Leistung erbrächten.

Um Lösungsansätze zu finden, müsse man zunächst die Ursachen des Insektensterbens ergründen. Der Referent betonte, dass es ihm sehr wichtig sei, nicht den Landwirten die Schuld zuzuschieben. Letztendlich müsse man das ganze System verändern, um die Lage zu verbessern.

Dann widmete er sich der Ernährung von Bienen. Jedes Bienenvolk müsse 30 bis 40 Kg Blütenpollen und bis zu 300 Kg Nektar und Honigtau von Blumen und Bäumen einsammeln. Als effektiver Generalist fliege die Honigbiene bis zu 10 Km und decke somit eine Fläche von fast 100 Quadratmetern ab, um ihren Nahrungsbedarf zu stillen. Der von den Imkern zugeführte Zucker helfe ihnen, den Winter zu überleben. Heute würde Bienen wesentlich mehr zugefüttert als noch vor 30 Jahren.

Tatsächlich  seien sie heute  quantitativ und qualitativ mangelernährt.  „Ohne Zucker gäbe es heute keine Imkerei mehr“, so der Referent.  Der Imker sei immer in der Lage abzulesen, ob die Vorräte ausreichend sind oder nicht und hätte somit auch die politische Verantwortung, sein Wissen weiterzugeben.

Nun beschrieb Günter Friedmann die Gründe des Insektensterbens. Stichwortartig seien hier die wesentlichen Faktoren genannt:  Insektizide, Pestizide, Herbizide, Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft, blütenlose Monokulturen, Silagefütterung und Biogasanlagen.

Die Agrartechniken hätten sich in den letzten 50 Jahren komplett verändert. Seitdem greife der Mensch massiv und selektiv in Ökosysteme ein, um Nutzpflanzen zu fördern und Beikraut („Unkraut“) zu eliminieren. Der Siegeszug der Silage habe dazu geführt, dass Wiesen inzwischen bis zu 6 mal im Jahr vor der Blüte gemäht würden. Maschineneinsatz in atemberaubendem Tempo über Wiesen würde bis zu 30.000 Bienen pro Hektar eliminieren, das sei ein ganzes Bienenvolk.

Ein anderes großes Problem seien die Biogasanlagen. „Da kann man nicht mehr imkern“, so Friedmann.  Denn wo Biogasanlagen seien, gebe es eine  absolute Maisdominanz. Mais sei für Insekten wertlos und toxisch. Auch Sonnenblumenfelder nutzen den Bienen nicht mehr: die heutigen Sorten hätten ihre Nektarbildung verloren.

Seit Tausenden von Jahren sei die Biene gewöhnt, genug Pollen in ihrem Umfeld zu finden und sich selbst zu ernähren. Dazu brauche sie Blühpflanzen. Der Sommer sei inzwischen verdächtig grün geworden; manche Landschaften muteten im Sommer wie riesige Golfanlagen an. Dabei bräuchten Bienen bunte Sommer: rot wie Mohn, blau wie Kornblumen, gelb wie Hederich.

Der Ökolandbau sei ein wesentlicher Bestandteil der Lösung für die Zukunft. Allerdings befinde sich auch dieser inzwischen in der Intensivierung.

Die Lösungsansätze für das Bienensterben seien vielfältig. Einige Kernforderungen: Weniger Mais. Mehr Biogas aus Blühflächen. Extensivierung und Entschleunigung der Landwirtschaft. Umweltbewusster Einsatz von Agrarsubventionen. Verzicht auf Insektizide. Änderung der Mähtechnik („von innen nach außen“). Weniger Lichtbeschmutzung. Große Blühhabitate anstatt von Blühstreifen. Beikraut auf den Feldern. Mehr Brachflächen. „Es muss einfach mehr blühen“, forderte der Experte.

Außerdem könne jeder mit seinem Einkaufsverhalten politisch tätig werden. Denn Biodiversität sei nicht zum Nulltarif zu haben. Gartenbesitzer sollten nicht so oft mähen. „Wir brauchen mehr Mut zu Wildheit!“

Der Referent nahm zuletzt auch Stellung zum aktuellen Volksbegehren. Dieses habe als politische Antwort auf das Artensterben eine wichtige Signalfunktion.  Er befürwortete dessen Ziele, bemängelte jedoch das Fehlen von bestimmten Themen, insbesondere der Biogasproblematik. Günter Friedmann forderte auf, sich am Volksbegehren zu beteiligen und schloss mit den Worten: „Die Imkerei wird schwieriger, macht aber immer noch verdammt viel Spaß.“

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Nature

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Landscape in Lower Bavaria

So schön war gestern das Panorama und die Sicht auf die Alpen bei einer kurzen Wanderung in der Gegend von Stubenberg (Rottal-Inn)

Hier möchte ich aber noch einen Text über einen Vortrag über das Insektensterben veröffentlichen, den ich für die BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn erstellt habe. Ich fand den Inhalt dieses Vortrags unseres Insekten-Experten vom 14. November 2018 erschütternd. Oftmals gewinnt man vor Ort und im Detail ganz genaue Erkenntnisse.

„Zuletzt hielt Experte Walter Sage einen Vortrag zum Thema „Das Verschwinden der Insekten“. Anlass zu diesem Motto gab die sogenannte „Krefeldstudie“ von 2016, die mit ihren jahrzehntelangen Untersuchungen den Insektenschwund in Deutschland mit mehr als 75 Prozent Verlust an Biomasse bei Fluginsekten in Schutzgebieten belegt. Er sieht einen Zusammenhang zwischen dem Insektenschwund und der Tatsache, dass die Population von Singvögeln im selben Zeitraum um 12 Millionen geschrumpft ist.

Viele Falter- und Schmetterlingsarten seien inzwischen aus unserem Landkreis verschwunden. Eine Vielfalt von Faktoren wirkten zusammen. Die Hauptursachen für das Insektensterben seien insbesondere Flächenverbrauch, Vereinheitlichung der Landschaft, Überdüngung (auch aus der Luft), Pflanzenschutzmittel, aber auch falsche Pflegemaßnahmen.

„Eine Mahd zur falschen Zeit“ könne schon eine geschützte Art wie den Wiesenkopf-Ameisenbläuling in einer bestimmten Region aussterben lassen; eine einzige Behandlung von Bahngleisen mit Glyphosat reiche aus, um über viele Jahre oder für immer das Veränderliche Rotwidderchen verschwinden zu lassen.

Walter Sage sprach auch paradoxe Erkenntnisse an. So habe man erforscht, dass selbst der wachsende Waldbestand Insekten schaden könne. Denn viele Insekten benötigten Offenland. Zum Abschluss wurden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, wie z.B. der Abtransport von Mulch an Straßenrändern, um eine Überdüngung dieser wertvollen Streifen zu verhindern.

Denn „Mulchmahd ist mit Abstand das Schlechteste, was man machen kann“. Außerdem seien mehr im Sinne der Natur kultivierte Offenlandflächen zu fordern. Einiges könnten aber auch Gartenbesitzer machen: keine Gartenbeleuchtung, keine Gabionen, kein Kies. Der Experte schloss mit den Worten: „Schließlich ist ein blühender Garten ohne Einsatz von Pestiziden für Pflanzen, Tiere und Menschen ein Gewinn.““

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