Unsere Natur im Juli – Naturbeobachtung im Rottal

Tagpfauenauge

Was kreucht und fleucht bei uns herum? Auf diese Frage habe ich wieder einmal versucht, im Kulturspatz zu antworten. Wie immer hier auch einige Naturfotos, die ich in den letzten Jahren in unserer schönen Gegend gemacht habe.

Unsere Natur im Juli – Duftende Wiesen

Im Juli bietet unsere Gegend eine reiche Naturvielfalt, die es zu erkunden gilt. An der Rott sind zahlreiche Vögel zu beobachten, darunter der faszinierende Grauschnäpper. Dieser kleine Vogel zeichnet sich durch sein graubraunes Gefieder und seine akrobatischen Flugkünste aus; er jagt nämlich Insekten in der Luft. Die Plattbauchlibelle ist ein weiteres Highlight: Der Körper des Männchens hat ein schönes Hellblau. Blau schillert auch der Eisvogel, der immer wieder über die Rott flitzt. Insgesamt wird der Vogelgesang jedoch leiser: Sobald die Jungen das Nest verlassen, müssen die Eltern ihr Territorium nicht weiter verteidigen.

Wildblumen wie Kamille, Mädesüß, Wegwarte und Natternkopf zieren den Wegesrand. Jetzt können wir nach Schmetterlingen schauen und begegnen vielleicht sogar dem bunten Taubenschwänzchen, einem schönen Falter, der wie ein Kolibri über den Blüten flattert.

Bei heißen Temperaturen lädt auch ein Spaziergang im duftenden Schatten des Lugenz-Waldes zum Entspannen ein.  Wir wünschen Ihnen viel Freude bei Ihren Naturerkundungen im ländlichen Bad!

Bad Birnbacher Kulturspatz
Das Rottal im Juli
Am Waldrand – Rottal-Inn in Niederbayern

Der Sommer ist da!

Abflug in den Sommer !

Jetzt scheint der Sommer mit viel Sonnenschein und Wärme endgültig da zu sein. Gestern konnten wir an der Rott einen Großen Schillerfalter entdecken. Das hat mich umso mehr gefreut, weil wir bisher noch kaum Schmetterlingen begegnet sind. Der Große Schillerfalter steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in Bayern. Inzwischen sind leider viele heimische Arten selten geworden. Biotope helfen, sie zu erhalten.

Der Große Schillerfalter/ Grand mars changeant (Apatura iris)
Gewöhnlicher Natternkopf/ Vipérine (Echium vulgare)

Wenn der Natternkopf blüht, ist für mich der Sommer da. Wo an den Inndämmen noch nicht gemäht wurde, ist zurzeit die ganze Farbenpracht dieser dekorativen Pflanze zu bewundern

Sommerblumen als Farbtherapie – Wild flowers

Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)

Heute war der Himmel grau, aber die vielen blühenden Wildblumen haben auf mich gewirkt wie eine Farbtherapie. Dazu der Gesang der Singdrossel!

Der hübsche Käfer ist der Gemeine Bienenkäfer (Trichodes apiarius)
Die Ringeltauben hatten Streit

Und hier alles noch etwas bewegter:

Heimatgeschichten – „Die entsetzliche Verwilderung der Bauernjugend im Rotthal“

Illustration Heimatgeschichten Raufende junge Bauern im Rottal
Illustration der Heimatgeschichten: Nadia Baumgart

Heimatgeschichte über die „entsetzliche Verwilderung der Bauernjugend“ im Rottal

Gab es bei uns weniger Kriminalität in der „guten alten Zeit“? Eine gute Frage, auf die ein Artikel aus der Straubinger Zeitung vom Jahr 1874 eine eindeutige Antwort gibt: Ein „trauriger“ Zeitungsbeitrag über die Verwahrlosung und „Verwilderung“ der Rottaler Jugend, der darauf hinweist, dass selbst Kinder sich hier unmöglich benehmen. Dass ein frecher Schüler wortwörtlich im Text zitiert wurde, ist – trotz des traurigen Anlasses – doch sehr witzig.

„Trauriges, sehr Trauriges haben wir aus dem Rotthale wieder zu berichtigen, so schreibt ein Correspondent des Kur. f. Ndb. In Birnbach wurde vor kurzem ein Bursche erstochen und in Aigen gelegentlich der kirchlichen Bernardifeierein ein junger Räufer durch 3 Messerstiche lebensgefährlich verwundet.

Der sonstigen Kraftübungen, bei welchen die Schädel tüchtig geklopft, Schlagwunden versetzt, Zähne eingebrochen werden u.s.w., wollen wir gar nicht erwähnen, das gehört ja zur Sonntagsfeier; aber eines Vorkommnisses müssen wir noch gedenken, weil es Zeugniß gibt von der entsetzlichen Verwilderung unserer Bauernjugend. In der Schule zu k. bestrafte der Kooperator einen Werktagsschüler mit 2 Tatzen. Das Büblein war nicht faul, zu schreien: „Leitla, rennata s´messer in d‘ Wampen, daß da s’Satz anahängat!“ zu deutsch: Mit Vergnügen wollte ich dir das Messer in den Bauch stoßen, daß dir die Gedärme heraushingen. Nicht wahr, das sind hoffnungsfrohe Rangen[1], die schon in der Schule Mordpläne hegen! Zu was wird das noch führen?“

Quelle: Straubinger Zeitung. 1874,7/12 ## 20.10.1874


[1] lebhaftes Kind, das aus Übermut gern etwas anstellt (Duden)

Hier weitere Heimatgeschichten:

Heimatgeschichten – Von Birnbach nach Hamburg: Der Sozialdemokrat Ignaz Auer

Tuschezeichnung von Ignaz Auer

Heimatgeschichten – Von Birnbach nach Hamburg: Der Sozialdemokrat Ignaz Auer.

Wieder fand ich eine interessante Meldung über unsere Region in alten, digitalisierten Zeitungsarchiven. Diesmal geht es um eine Persönlichkeit, die die Anfänge der Sozialdemokratie in Deutschland mitgeprägt hat und nach der sogar eine Straße in Hamburg benannt ist. Es geht um Ignaz Auer. Er besuchte die Schule in Birnbach!

Hier der kurze Beitrag im Rottaler Boten von 1877:

„Pfarrkirchen. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Ignaz Auer von Hamburg dürfte auch in unserer Gegend nicht unbekannt sein. Er ist aus Dommelstadl gebürtig und soll in den Jahren 1853-1860 die Schule in Birnbach besucht haben.“[1]

Dass ein Politiker, der die frühe Demokratie in Deutschland mitgeprägt hat, hier die Schule besucht hat, darauf darf unsere Ortschaft wirklich stolz sein! So habe ich versucht, ihn mit Tusche nach alten Fotos zu portraitieren. Auch Theodor Heuss, der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland hat – wie ich heute – vor diesem Foto meditiert. Das war im Jahr 1953:

„Die Stunden verbrachte ich damit, (…) den Kopf eines Mannes zu studieren, der, erst Mitte der Fünfzig, mit einem falben Schütterbart viel älter wirkte und ein Stück von einem Patriarchen und ein Stück von einem resignierten Skeptiker an sich hatte. Das war Ignaz Auer. (…) Daß er, frühe leidend, bereits 1907 starb, ist vielleicht – ich sage mit Bedacht: vielleicht – für die sozialistische Bewegung der schwerste Verlust gewesen.“ (Quelle: Theodor Heuss, Jugenderinnerungen, Tübingen, 1953)

Aber wer war nun Ignaz Auer?

Eine kurze Zusammenfassung seines Lebens fand ich in einer Meldung der SPD Ravensburg von 2015, die ich hier zitiere:

„Geboren am 19. April 1846 in Dommelstadl bei Passau in ärmlichsten Verhältnissen. Hirtenjunge, kurzer Besuch der Volksschule, dann Lehre als Sattler, gefolgt von Wanderjahren. Ab 1874 Sekretär des Parteiausschusses in Hamburg. Agitationsarbeit für die SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei). Verschiedene wichtige Funktionen in der Parteiorganisation, insbesondere in der Zeit der Sozialistengesetze. 1877 erstmals in den Reichstag gewählt, mit Unterbrüchen dort bis 1906. 1887 gemeinsam mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht in der Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Parteiprogrammes. Ignaz Auer kränkelte zeitlebens und verstarb am 10. April 1907, neun Tage vor seinem 61. Geburtstag.“[2]

Wer mehr über diesen Politiker erfahren möchte, dem sei Wikipedia empfohlen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Auer#:~:text=Ignaz%20Auer%20(*%2019.,und%20Mitglied%20im%20Deutschen%20Reichstag .


[1] Quelle: Rottaler Bote : Pfarrkirchener Tag- und Anzeigeblatt. 1877 = [Jg. 7] ## 09.03.1877

[2] (Von Günther Biegert und Bodo Rudolf) https://www.spd-ravensburg.de/meldungen/ignaz-auer-und-erhard-auer-zwei-grosse-sozialdemokraten/ IGNAZ AUER UND ERHARD AUER – ZWEI GROSSE SOZIALDEMOKRATEN Veröffentlicht am 01.08.2015

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