Es ist heiß. Jetzt sind Spaziergänge im und am Wald besonders schön. Hier einige Eindrücke des Rottals im Juni – begleitet von hübschen Kälbern und Blauflügel-Prachtlibellen (Calopteryx virgo). Am Wegesrand blüht im Wald die Pflanze mit dem wunderschönen Namen „Wald-Wachtelweizen“.
„Ich gehe mal schnell in den Schatten!“Kühle Waldluft in der LugenzSankt Wolfgang – Weng – Bad GriesbachEs summt in den Lindenblüten…
Gestern haben wir eine romantische Wanderung zu den Kaser Steinstuben bei Triftern gemacht. Alles blüht und gedeiht, da werde ich so dankbar innerlich. Begleitet wurden wir durch Hasen und junge Bachstelzen, die am Feldrand zwitscherten. Es ging durch Getreidefelder zum Wald und dort zu den „Steinstuben“. Dort liegen riesige Steinblöcke wild durcheinander, in grünes Moos gekleidet und umschlossen von Fichten, Eschen und Holunder. Ein wunderbarer, stiller Ort.
Kaser Steinstuben: Geröll mit Geschichte
Die Steine werden „Konglomeratblöcke“ genannt. Vor 40 Millionen Jahren entstand in Südbayern eine Senke (das Molassebecken), die 30 Millionen Jahre lang Schutt aus den Alpen und anderen Gebieten sammelte. Flüsse lagerten Sand und Kies ab, hauptsächlich Quarz, Kalk und Dolomit. Durch ein Bindemittel wurde daraus festes Quarzkonglomerat. Regenwasser spülte feines Material weg, übrig blieben große Felsblöcke.
Borkenkäferbefall in der Lugenz führte zu Kahlschlägen 2019/2020
Nicht nur wir Menschen haben eine Geschichte – auch die Natur, insbesondere von uns geprägte Kulturlandschaften, unterliegen einem stetigen Wandel. Der Wald verändert sich fortlaufend, oft schneller, als wir es erwarten.
Dieselbe Fläche in der Lugenz im Juni 2025
Wie rasch sich ein Naturwald selbst regenerieren kann, selbst nach einem massiven Borkenkäferbefall, habe ich persönlich erlebt. Oben ist eines meiner Fotos aus den Jahren 2019/2020, das einen Kahlschlag in der Lugenz zeigt – und zum Vergleich dieselbe Fläche im Juni 2025. Auf den einst gerodeten Flächen sprießen nun junge Birken und Büsche, die Schatten für nachkommende Bäume spenden. Dort, wo wenig eingegriffen wurde, hat sich ein dichter Teppich aus Jungbäumen gebildet, darunter viele Laubbäume. In einigen Jahren werden diese Bäume erneut Holz liefern – ein Zeichen dafür, dass die Lugenz immer großzügig mit uns Menschen ist.
Borkenkäfer – Abholzung in der Lugenz 2019/2020
Dass die Lugenz schon lange eine bedeutende Ressource für die Region darstellt, belegen nämlich auch historische Zeitungsberichte. Ein Blick in das Archiv von Digipress zeigt eine Passage aus der Passauer Zeitung: Niederbayerische Volkszeitung vom 6. Dezember 1867:
„Ortenburg. Seit die Eisenbahn, wie man sagt, „geht“, hat unser Markt einen bedeutenden Aufschwung genommen. Fast alles Getreide aus dem Rottal geht hier durch; und ohne Rast und Ruh die Baumstämme aus der Lugenz und dem Steinkart, der unerschöpflichen Waldung, nebenbei die Bretterfuhrwerke aus der Dampfschneidsäge in Holzham.“
Niederbayerische Volkszeitung vom 6. Dezember 1867
Das rund 600 Hektar große Waldgebiet der Lugenz erstreckt sich über die Höhen des Rottals und birgt geschichtsträchtige Orte – darunter eine historische Holzkapelle und einen Ringwall, der einst als Zufluchtsstätte diente. Ein „Klimapfad“ informiert Besucher über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und zeigt, wie sich die Natur an neue Bedingungen anpasst.
Die Bedeutung des Namens Lugenz wird in der Naturwissenschaftlichen Zeitschrift für Niederbayern (Band 28, 2080) erläutert:
„Der Name „Lugenz“ ist im Althochdeutschen zweideutig: *lugo* bedeutet „heiliges Gehölz“, während *log* (luoc) „Versteck, Höhle, Schlucht“ heißt. Man neigt dazu, die zweite Deutung zu akzeptieren, da die unzugänglichen Waldstriche wohl seit jeher den in unsicheren Zeiten bedrängten Bewohnern der Gegend als letzte Zuflucht dienten. Der Ringwall bei Birnbach und der beachtliche Münzenfund vom Geldfundstein im Steinkart sind wohl Beispiele dafür.“
Der Lugenz-Wald an der abgeholzten Stelle im Jahr 2025: Alles wächst nach!
Nach dem Borkenkäferbefall 2019/2020 mussten große Flächen abgeholzt werden, wodurch neue Sichtachsen entstanden, die angrenzende Landschaften und Orte wie Bad Griesbach sichtbar machen. Doch dieser scheinbare Verlust birgt eine Chance: Mehr Licht fördert eine artenreichere Waldlandschaft.
Die Lugenz bleibt ein faszinierender Wald – ein Ort, der sich stetig wandelt und doch seine Geschichte bewahrt.
Dem Holzbauern schenkt sie seit jeher wertvolles Holz, dem Erholungssuchenden bietet sie heilsame Entspannung, dem Wanderer eröffnet sie abwechslungsreiche Wege, dem Künstler dient sie als Inspirationsquelle. Und unzähligen Tieren und Pflanzen gewährt sie eine Heimat.
Darüber hinaus ist der Lugenz-Wald ist lebendiges Ökosystem, das uns wertvolle Einblicke in die Natur ermöglicht. Alte Waldgebiete speichern übrigens CO₂ und Wasser wesentlich besser als jüngere Wälder. Hier lassen sich jahreszeitliche Veränderungen ebenso beobachten wie die direkten Auswirkungen des Klimawandels.
Gestern haben wir eine Rundwanderung bei Egglham gemacht – tolle Panoramen, riesige Höfe, weite Sichten. Es ging über Hügel und durch Wälder. Immer wieder erscheint jenseits der welligen Landschaften der Bayerische Wald als blaue Linie am Horizont. Ich habe mich richtig geborgen gefühlt in all dem frischen Grün unter einem sehr weiten Himmel.
Immer wieder fliegt ein Schwarm Stare auf.Wunderschöne HöfeWir zwei – mal wieder auf ErkundungstourFrühsommer im Rottal
Gestern sind wir zum ersten Mal den Reut- Noppling Wanderweg E gegangen. Eine romantische Wanderung – mit etwas zu viel Asphalt – im schönen Taubenbachtal. Gesehen: ein Reh – glückliche Hühner und ganz viele Hähne – glückliche Esel, Pferde und Galloways – schöne Höfe und Landschaften.