Lust auf Wildheit – der Perchtenlauf in der Hofmark von Bad Birnbach
„Man spürt eine regelrechte Lust auf Wildheit, vielleicht gerade, weil die Zeiten so unruhig sind“, sagt eine Zuschauerin.
Trommelwirbel, Feuer, stampfende Schritte und grelle Schreie kündigten das Erscheinen der Bayerbacher Perchten an. Ihre kunstvoll geschnitzten Masken, ganz ohne die inzwischen verbreiteten LED‑Augen, wirken eindrucksvoll.
Neben den klassischen Gestalten waren diesmal auch viele Druden zu sehen – wilde, weibliche Nachtgeister aus dem alten Volksglauben und Winterbrauchtum.
Perchten oder ähnliche Gestalten – gibt es weltweit – Aquarell
Pre-Christian Alpine traditions during winter solstice
Wir Menschen haben seit jeher Rituale entwickelt, um unsere Ängste vor der Härte des Schicksals zu besänftigen. Dazu gehören auch Bräuche rund um die Vertreibung des Winters mit seiner Kälte und seinen Gefahren. Gerade in unsicheren Zeiten scheint diese Tradition besonders kraftvoll zu wirken.
In Bayern erleben die Perchten derzeit eine Renaissance – man könnte fast sagen, sie sind „trendy“. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat ihre Bedeutung auf Festen deutlich zugenommen; sie faszinieren Jung und Alt gleichermaßen.
Natürlich stellt sich die Frage: Woher stammen diese Traditionen? Schon bevor ich nach Bayern zog, kannte ich ähnliche Rituale aus Sardinien – die Mamuthones. Bei meinen Recherchen habe ich erkannt, dass es in Europa viele solcher „furchterregenden Gestalten“ gibt. Ich schaue dabei lieber auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede.
Denn trotz aller regionalen Varianten zeigen sich verblüffende Ähnlichkeiten: Es geht stets um Figuren, die lärmend im Winter auftreten, meist mit Kuhglocken, Holzmasken, Hörnern und Tierfellen. Über ihre Herkunft gibt es zahlreiche Theorien, doch eine eindeutige Erklärung fehlt bis heute.
In meinem Aquarell habe ich versucht, drei dieser Gestalten darzustellen: Perchten – Mamuthones – Kukeri.
Perchten stammen aus dem alpenländischen Brauchtum. Sie erscheinen im Winter, um böse Geister und den Winter selbst zu vertreiben. Man unterscheidet „Schiachperchten“ (hässlich, furchteinflößend) und „Schönperchten“ (segensbringend, glückverheißend).
Mamuthones in Sardinien tragen schwere Holzmasken mit Hörnern, Fellkleidung und massive Kupferglocken am Rücken. Sie symbolisieren oft den Kampf zwischen Mensch und Natur. Ihr Gesicht ist vollständig verdeckt, mit Ziegen- oder Hirschhörnern verziert, und die Glocken erklingen laut bei jedem Schritt.
Kukeri sind tiergestaltige Maskentänzer aus Bulgarien. Sie treten im Winter oder Frühjahr auf, zwischen Neujahr und Fastenzeit. Höhepunkt ist das Surwa-Festival in Pernik, bei dem mehrere tausend Kukeri zusammenkommen. Ihre Ganzkörpermasken bestehen meist aus Ziegenhaut und Holzkonstruktionen, die den Träger größer erscheinen lassen. Gesichter sind oft Tieren wie Ziegen oder Schafen nachempfunden.
Die Kukeri erinnern mich wiederum beinahe an die Kachinas der Hopi-Indianer– Geister der Natur und der Ahnen, dargestellt durch maskierte Tänzer. Das Reservat der Hopis in Arizona durfte ich einmal besuchen. So schließt sich der Kreis: Überall auf der Welt haben Menschen ähnliche Ängste und entwickeln ähnliche Rituale, um ihnen zu begegnen.
Lassen wir uns also Brauchtümer feiern, ihre Besonderheiten in jedem Fest neu und mit Fantasie lebendig werden – und zugleich neugierig auf andere Kulturen schauen. Denn das Schöne ist: Regionale Traditionen und Heimatliebe können uns alle verbinden.
Hier noch eine Begegnung mit den Bayerbacher Perchten im Rottal in Niederbayern im Jahr 2018:
Altes Brauchtum: Auf der Birnbacher Themenwanderung „Die letzte Rauhnacht“ sprangen uns in Holzham plötzlich die Perchten entgegen. Perchten treten in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr auf. https://www.bayerbacher-perchten.de/
Pre-Christian Alpine traditions: During our walk we met fur covered beasts, the so called „Perchten“ – half animal, half human – Traditionally, the masks were displayed in processions (Perchtenlauf) during the last week of December and first week of January, and particularly on January 6. The costume consists of a brown wooden mask and brown or white sheep’s skin.
Pre-Christian Alpine traditions during winter solstice. Tradition alpine d´origine païenne durant le solstice d’hiver.
Während unserer heutigen Wanderung im Dauerregen wurden wir von Perchten – hier auch Rauhuckerl genannt – überrascht. Unser Wanderführer, Sepp Kagerer, hatte das „Treffen“ organisiert. Das Brauchtum der Wintersonnenwende ist wohl heidnischen Ursprungs, Gerda machte mich vor kurzem darauf aufmerksam, dass es in Griechenland zu Aschermittwoch auch ähnliche Gestalten gibt, hier ihr Beitrag dazu: https://gerdakazakou.com/2016/02/10/gruesse-zum-aschermittwoch/
Perchten sollen jedenfalls trotz des oft schaurigen Aussehens Glücks- und Segensbringer sein. Josef Schmalhofer schnitzt sämtliche Masken selbst. Der Stock eines der Perchten war gekrönt von dem Kopf eines Schafsbocks (Fruchtbarkeitssymbol), das von einem Fuchsfell bedeckt und einem Pferdeschwanz geschmückt ist. Die Gewänder bestehen hauptsächlich aus dem Fell von Heidschnucken und Schafen, die Krallen der Hände aus kurzen Hörnern.
Uhu (Bubo bubo) – Dieser Uhu ist 22 Jahre alt und gehört zum Falkenhorst Rottal-Inn
Petra Kopfhammer – Falkenhorst Rottal-Inn
Perchten – Rauhnacht Bad Birnbach
Wüstenbussard (Harris‘ hawk)
Sakerfalke
Gerhard Kopfhammer vom Falkenhorst Rottal-Inn mit Uhu
Perchten in Bad Birnbach
Today we attended at a festival in our small town, Bad Birnbach a pagan tradition celebrated after Christmas and named “Rauhnacht” (The Twelve Nights). The local falconers presented hawks, owls and buzzards.
Fête traditionelle d´origine pagane et d´inspiration bavaroise et autrichienne dans notre village.
Rauhnacht in Bad Birnbach
Die Falkner Gerhard und Petra Kopfhammer vom Falkenhorst Rottal-Inn präsentierten einen 22-jährigen Uhu, einen Wüstenbussard, eine Schleiereule, einen Sakerfalken, 2 Gerlaner und einen afrikanischen Hochlandfleckenuhu. Der Wüstenbussard war erst 12 Wochen alt und schon ganz ruhig in der Menge. Petra verriet mir, dass er schon in vier Wochen wie ein Profi jagen könne. Natürlich fragt man sich, ob sich solche wilden Tiere in der Menge wohl fühlen. Und selbstverständlich sehe ich lieber Bussarde und Falken frei durch den Himmel segeln. Andererseits war es auch beeindruckend zu erleben, wie ruhig und doch aufmerksam diese Greifvögel sich zwischen den Menschen verhielten. Und schließlich geht es auch um eine uralte Tradition, die hier gepflegt wird…
Die Perchten, (Gestalten des bayerisch-österreichischen alpenländischen Brauchtums aus heidnischer Zeit) und Dämonen trieben dann ihr Unwesen.