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Killer der Urwälder oder Unschuldslamm? Der Borkenkäfer!

Jeder Forstwirt, Naturschützer oder Wanderer kennt den Borkenkäfer, der unsere Fichtenwälder zerstört und verwandelt. Ich selbst befasse mich schon länger mit dem Thema, habe Vorträge darüber gehört und viel dazu gelesen, weil ich so gerne in unseren Wäldern wandere und die Veränderungen natürlich wahrnehme. So habe ich von einigen Theorien und Schuldzuweisungen erfahren. Da viele Fragen für mich offen bleiben, habe ich nun in alten Zeitungen zu dem Thema recherchiert. Da kam ich ganz schön ins Staunen!
Welche ist die Ursache der Borkenkäferplage?
Heutige Theorien:
„Borkenkäfer werden ganz besonders vom Klimawandel gefördert, da warme und trockene Sommer die Bäume zusätzlich schwächen und sie für die Käfer attraktiver gestalten.“ (Quelle: Waldwissen.net)
„Die Borkenkäfer sind nicht die Ursache, dass diese ganzen Fichten sterben, sondern der Klimawandel ist die Ursache. Und die Borkenkäfer zeigen einfach, dass der Fichtenwald sehr geschwächt ist im Moment.“ (Quelle Deutschlandfunkkultur, Beitrag Von Carina Fron · 22.08.2019)
„Dabei ist der Borkenkäfer nicht die Ursache, sondern eine Folge des Waldsterbens im Bayerischen Wald. Luftverschmutzung, Bodenversauerung und hohe Temperaturen im Zuge des Klimawandels sowie der Waldbau in unnatürlichen Monokulturen setzen dem Wald seit Jahrzehnten schwer zu. Die starke Borkenkäfervermehrung, die ein Teil der Bevölkerung der Nationalparkverwaltung ankreidet, ist schlicht menschengemacht.“ (Quelle: BUND Naturschutz)
Wer ist außer dem Klimawandel noch schuld?
Meist sind für die Forstwirtschaft die Nationalparks schuld, weil diese Totholz liegen lassen. Und für die Nationalpark-Verwaltungen ist die Forstwirtschaft schuld, weil diese Monokulturen fördert.

SEIT WANN wütet der Borkenkäfer in unseren Wäldern?
Die heutigen Theorien:
Die Borkenkäfer-Kalamitäten sind angeblich mit dem Klimawandel entstanden. Und „der Beginn der globalen Erwärmung kann bereits auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert werden.“ (Quelle: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)
Dieser Information entnehme ich, dass der Borkenkäfer also ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, so gegen 1880 seine schädliche Tätigkeit aufgenommen haben muss. In der Nachkriegszeit soll es dann aber so richtig losgegangen sein!
„In der Nachkriegszeit wurde weiteres Holz für den Wiederaufbau, zum Heizen und auch für einen Teil der Reparationszahlungen benötigt. In Folge der starken Übernutzung der Wälder seit den 1930er Jahren bis etwa 1950 entstanden allein in Niedersachsen ca. 140.000 ha Kahlflächen im Wald. (Quelle: Harzer Tourismusverband e.V.)“
Forstwirtschaft und Naturschutzorganisationen warnen heute vor den verheerenden wirtschaftlichen und ökologischen Folgen und drängen darauf, Wälder wieder aufzuforsten und Rehe viel stärker zu bejagen, um das natürliche Gleichgewicht in Mischwäldern wieder herzustellen. Um den Nutzen des Waldes im Kampf gegen schädliche Emissionen zu erhöhen, sollten darin auch möglichst viele Windräder stehen.
Panische Aufrufe „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir müssen jetzt handeln!“, sind inzwischen unser täglich Brot.
Ich hatte also verstanden, dass die Borkenkäferplagen – bei uns durch Buchdrucker und Kupferstecher – hauptsächlich aufgrund des Klimawandels und der Fichtenmonokulturen, also durch menschliches Versagen, so verheerend geworden sind, und dies insbesondere in der Nachkriegszeit und in den vergangenen Jahrzehnten.
Informationen aus erster Hand über den Borkenkäfer – Hilfreiche historische Zeitungsarchive klären auf!
Nun habe ich mal etwas über das Thema „Borkenkäfer“ in historischen Zeitungsarchiven recherchiert. Da kam ich recht ins Staunen, und ich möchte hier einige meiner Funde zitieren. Meine Quellen sind hier insbesondere Zeitungen aus der Deutschen Digitalen Bibliothek, DigiPress Bayerische Staatsbibliothek und (für den Böhmerwald) die Österreichische Nationalbibliothek ANNO – Historische Zeitungen und Zeitschriften.
SEIT WANN fing es nun wirklich mit den Borkenkäfer-Kalamitäten an?
Da in früheren Zeiten der Borkenkäfer auch „Wurmtrocknis“ genannt wurde, habe ich auch nach diesem Stichwort geschaut.
Einer der ersten Artikel über das Thema fand ich in den „Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen, 13. Jänner 1787“, in dem schon nach den Ursachen des Borkenkäferbefalls wissenschaftlich gesucht wurde. Es schien schon damals klar, dass „anhaltende dürre Witterung eine der vorzüglichsten Ursachen der Baumtrockniß (und der ungewöhnlichen Vermehrung alles Ungeziefers)“ sei. Ferner heißt es: „- Wenn man behauptet, der Käfer bohre auch ganz gesunde Baume- an, so sei noch nicht entschieden, ob die Bäume auch ganz gesund waren“, weil das Absterben zeitverzögert sei.
Ist dieser Text aus dem 18. Jahrhundert nun einer der ersten historischen Nachweise auf den Borkenkäfer? Keineswegs! In Brauchwiki erfuhr ich zu meinem Erstaunen über eine Wallfahrt im 15. Jahrhundert, deren Ursprung eine Borkenkäferplage war!
„Anlass der Wallfahrt war eine Borkenkäferplage in der Gegend von Holzkirchen im 15. Jhdt. Genaue Zeitangaben liegen nicht vor, die späteren Quellen datieren das Gelübde der Holzkirchner entweder auf das Jahr 1475, 1471 oder 1496. Da die Holzkirchener befürchteten, die Borkenkäfer könnten den ganzen Baumbestand in der waldreichen Gegend vernichten, baten sie die Mutter Gottes auf dem Bogenberg um Hilfe und gelobten, jährlich eine Opferkerze aus einem Fichtenstamm zu bringen, wenn die Plage ein Ende hätte.“
Nun ist die Frage, was man in früheren Zeiten über das gefürchtete Insekt wusste. Ich wurde fündig im Blatt Ökonomische Neuigkeiten und Verhandlungen, Juli 1812. Im „Beitrag zur Geschichte der Wurmtrockniß“ vermutet der Autor – ein Forstdirektor in Böhmen – die Wurmtrockniß sei „vor beinahe 50 Jahren“ entstanden und zunächst vom Botaniker Johann Gottlieb Gleditsch (*1714; † 1786) wissenschaftlich beschrieben.
Hier wird also angenommen, dass die ersten Borkenkäferplagen um 1760 entstanden sein könnten.
Ein anderer Autor ist der Meinung, „die ersten berüchtigten Borkenkäferschäden“ seien direkt nach dem 30jährigen Krieg entstanden. In der Dortmunder Zeitung von 1929 berichtet dieser Autor, der wohl ein Theologe war, weiter:
„Im 17. Jahrhundert begann die einseitige Forstbewirtschaftung, und genau um 1649 begann auch die erste große „Wurmtrocknis“, wie man den Borkenkäferschaden der Fichte damals nannte. 150 Jahre lang wurden die Wälder dadurch verheert. In einem einzigen Wald, dem „Communionharz“, waren 1782 nicht weniger als 259 106 Stämme vernichtet.“ Und: „. Im Böhmerwald waren 1871—72 an 101 000 Hektar Wald von den Tieren befallen. 300 000 Fangbäume mußten gefällt, 6300 Hektar mußten kahl geschlagen werden, bevor man des Übels Herr wurde.I“ (Quelle: Rettet den deutschen Wald! Der Sieg des Waldes über den Forst Von Dr. R. Francé – 18. März 1929)
In welchem Ausmaß veränderte der Borkenkäfer damals die Wälder?
Kehren wir aber noch einmal zu unserem böhmischen Forstdirektor zurück. Man könnte ja meinen, den Borkenkäfer habe es damals gegeben, ja, aber doch nicht im heutigen Ausmaße.
Ist das so? Immer wieder bemerkt der Autor, es „wimmele“ unter den Rinden, an einem einzigen Baum seien Tausende von Larven zu sehen. In seinem Beitrag von 1812 beschreibt er den traurigen Anblick eines Teils des Böhmerwaldes: „Hier findet keine Rücksicht des Alters, keine Schonung statt; hier wählt der Tod nicht seine Schlachtopfer aus, sondern, so weit seine Macht reichen kann, fällt alles von seinen tödlichen Streichen“
Und weiter: „Wer solche traurige Gegenden zu sehen Gelegenheit hatte, wird das hier gezeichnete Bild nicht übertrieben finden. Wie unangenehmn und höchst abschreckend ist es nicht, schlanke Fichten, ihres grünen Schmucks beraubt, und in ihnen die Hoffnung ihrer künfticgen Bestimmung vernichtet zu sehen! Die dumpfe Stille, die hier herrscht, das Schauerliche des Orts, und der ganzen Verheerung u.s.w. gewähren gewiß einen fürchterlichen Anblick in diesen Gefilden des Todes.“.
Ganz besonders interessant: Auch der „Urwald“ – nicht nur die Monokulturen – wird zum Opfer des Borkenkäfers!
Ich zitiere hier aus dem Passauer Tagblatt : Organ für die Interessen des Mittelstandes. 1874,7/12 ## 25.08.1874
„Aus dem Böhmerwalde, 19. August 1874, schreibt man der „Presse“: Der einzige mitteleuropäische Urwald am Moldau-Ursprung, in einer Ausdehnung von zirka 50 Joch, welcher bis jetzt als Bannwald von der Axt verschont blieb, ist bereits verschwunden, er fiel als Opfer des winzigen Borkenkäfers.
Der Verlust dieser malerischen Stätte mir der 700 Jahre alten, bei 130 Fuß hohen und 60 Zoll im Umfange zählenden Präsidenten-Fichte wäre noch das Geringste, was den Böhmerwald hätte treffen können, allein dieser selbst ist in größter Gefahr, ja wie die Sachen heute stehen, ist er sowohl böhmischer – als bayerischerseits bereits zum größten Theile ein Opfer dieses furchtbaren Insektes geworden. Tausende von Arbeitern sind in den Krumauer, Winterberger, Idelauer, Bergreichensteiner Revieren beschäftigt, um die Rinde von den schönsten und kräftigsten Stämmen abzulösen und sammt dem Insekt zu verbrennen. Schon von der Ferne gewahrt man überall den qualmenden Rauch der brennenden, das Thierchen in all seinen Stadien bergenden Rinde. Die Eigenthümer thun das Äußerste, zahlen an Männer, Weiber und selbst zehnjährige Kinder einen für diese Gegend ungewöhnlich hohen Taglohn, um nur noch zu retten, was zu retten wäre. […] Trostlos ist der Anblick an diesen Stätten der Verheerung; in den durch ihre romantische Lage bekannten Revieren von Außergefild, Franzensthal und Buchwald, wo allein täglich 300 Arbeiter beschäftigt sind, liegt bereits bis auf junges Gehölz und einzelne Tannen, die der Käfer nicht befällt, der ganze schöne Wald; Schauerlich starren hier den Wanderer die durch einanderliegenden entrindeten weißen Klötze entgegen, ununterbrochene Flächen von 5000 Joch liegen leblos da, wo noch vor wenigen Jahren der herrlichste und kräftigste Wald üppig vegetierte. Die Vermehrung des Käfers ist erstaunlich groß.“
Als Ursache wird die Untätigkeit der Forstleute und eines „hohen Beamten des Ackerbauministeriums“ nach den Windbrüchen von 1868 und 1871 angegeben:
„Hätte man namentlich den letzteren frischweg aufgearbeitet, nie hätte der Borkenkäfer, der in den vom Sturm umgeworfenen und geknickten Bäume eine sehr geeignete Brutstätte fand, in so kurzer Zeit die besprochene Katastrophe herbeiführen können.“
Der Autor fragt sich, wie diese Massen an gefälltem Holz zu vermarkten wären. „Das Holz ist wohl kerngesund und die Meinung, daß der Borkenkäfer nur kränkliche Stämme befalle, ist irrig.“
FAZIT
Hier möchte ich noch einmal den weisen böhmischen Forstdirektor zitieren:
Im „Beitrag zur Geschichte der Wurmtrockniß“ von 1812 heißt es:
„Im ganzen Reiche des Forstwesens giebt es keinen Gegenstand, über welchen die Meinungen der Forstgelehrten so getheilt wären, wo nicht immer so viele Meinungen dafür als dagegen sind, so zwar, daß man behaupten kann, ein zur Zeit noch undurchsichtiger Schleyer umhülle das Geheimniß der Wurmtrockniß“ […] Man hält Hypothesen, auf die man wieder neue Hypothesen thürmt , zu oft für erwiesene Lehrsätze, für entschiedene Wahrheiten […]“
Ich habe in diesem Beitrag nur einen Bruchteil der Texte und Informationen verwendet, die in den online Zeitungsportalen jedem zur Verfügung stehen. Wer Interesse hat, mag die alten Quellen nach den Stichwörtern „Borkenkäfer“, „Wurmtrockniß“ oder „Baumtrocknis“„durchblättern“, er wird oftmals fündig werden.
Am Ende bleiben mehr Fragen als anfänglich vermutet. Eins ist jedenfalls sicher: großflächiges Fichtensterben durch den Borkenkäfer gibt es nicht erst seit gestern. Selbst in der „guten alten Zeit“ waren die Verwüstungen, insbesondere nach extremen Wetterverhältnissen, so verheerend, dass die Menschen sogar Wallfahrten gegen den Borkenkäfer ins Leben riefen.
Jedenfalls bekommt man heute den Eindruck, dass sich die „Experten“ genauso schnell vermehren wie die Borkenkäfer und lautstark ihre Meinung kundtun. Vor 200 Jahren gingen die Forstleute wissenschaftlicher und demütiger mit dem Thema um. So kam es beispielsweise, dass in den Churbaierischen Intelligenzblättern vom 11. Januar 1783 von einer Prämie der königlichen Kammer berichtet wird. Es ging um eine „Prämie für denjenigen, der die bewährtesten Mittel wider die so-genannte Wurmtrockniß am Harze anzugeben im Stande ist. Die Frage ist nämlich von den wirksamsten Mitteln wider den fliegenden schwarzen Wurm, oder Borkenkäfer.“
Jedenfalls ist es auch beruhigend zu erfahren, dass unsere Wälder immer wieder „gestorben“ sind, um bald darauf wieder aufzuerstehen. Handelt es sich vielleicht hier um ein ganz natürliches Phänomen, das sogar die Artenvielfalt in den Wäldern fördert, wie der Biologe und Tierfilm Jan Haft in seiner Dokumentation mit dem Titel „Mut zur Lücke“ vermutet?
Ich glaube, wir sollten jenseits von Ängsten und Trends offen bleiben für alle Beobachtungen, auch für diejenigen, die der Holzindustrie oder den Emissionsjägern nicht in den Kram passen. Da kommt eine neue Erkenntnis von Juli 2024 gerade recht: „Forschende in Tschechien haben die Langzeitfolgen des Borkenkäferbefalls für den Wald untersucht und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Eine neue Studie zeigt, dass dank vermehrtem Totholz und Lichtungen zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten wieder in den betroffenen Gebieten angesiedelt sind.“ (Quelle: Naturefund 2024)
Es wird nun klar, dass der Wind, extreme Wetterlagen und die damit verbundene Rindenveränderung die häufigsten und bedeutendsten Störungen im Böhmerwald sind, die sich über JAHRTAUSENDE hinweg zyklisch wiederholen, und dass der Wald auf diese Veränderungen vorbereitet ist.
Auch das Entwurzeln von Zehn- oder Hunderttausenden Bäumen durch starke Winde innerhalb weniger Stunden und die anschließende Rindenverrottung ist ein natürliches und wiederkehrendes Phänomen in den Bergwäldern des Böhmerwalds, genauso wie der darauf folgende Borkenkäfereinfall.
Und hier noch der ganze Bericht zum Downloaden :
Natursucht im Böhmerwald

Wir haben es wieder getan! Wir haben wieder den Tag im Nationalpark Sumava/ Böhmerwald gebracht. Licht, duftende Schatten, eine wilde Orchidee am Wegesrand, ein rauschender Bach…Alles Dinge, die glücklich machen.



Wandern im Böhmerwald:
Der Arzt auf dem Pferd – Eine wahre Legende im Böhmerwald

„Ein zutiefst menschlicher Mensch“ – Doktor na koni na Šumavě
Dieses Bild eines sympathischen, romantischen Arztes, der mitten im Böhmerwald lebte, Natur und Pferde liebte und seine Patienten auf einem Pferd reitend besuchte, hat mich so inspiriert, dass ich es einfach malen musste. Zunächst hatte ich mir einen Schimmel vorgestellt. Aber ein freundlicher tschechischer Journalist, der ihn persönlich kannte und den ich kontaktierte hatte, schrieb mir: „Ich habe ihn nur auf braunen Pferden gesehen“. Also wurde es braun. Im Hintergrund sieht man das wunderschöne Forsthaus, das leider inzwischen verfällt, und seine Frau mit beiden Söhnen.

Und nun, wie ich dazu kam:
Letztens sind wir zufälligerweise bei einem Streifzug durch den Böhmerwald (Šumava) in einer beinahe verzauberten Lichtung gelandet. Darin stand ein beinahe herrschaftlich anmutendes altes Forsthaus mit Säulen, Vordach, einem dekorativen Mansardendach sowie einem kleinen Nebengebäude. Leider ist dieses Kleinod in sehr schlechtem Zustand und wird bald ganz einfallen, wenn nichts unternommen wird.
In der Nähe dieses „Märchenschlosses“ steht eine hölzerne Sterbetafel mit einem Foto des ehemaligen Besitzers und einem Text auf Tschechisch, den ich im Internet übersetzt fand: „Hier in Pustina lebte und arbeitete in den Jahren 1964 – 1993 MUDr. Zdeněk Kostrouch, ein kleiner, großer Mann, ein Arzt, der Licht und Fähigkeiten bringt, ein Retter, ein Träumer, ein Idealist, ein zutiefst menschlicher Mensch“
Zunächst habe ich mich über die Abkürzung „MUDr.“ gewundert; es ist einfach nur eine Bezeichnung für „Doktor der Medizin“ als akademischer Grad in Tschechien und der Slowakei.
Langsam erinnerte ich mich, dass ich schon einmal von ihm gelesen hatte und erfuhr durch eine Internetrecherche immer mehr. Die Quellen, auf die ich mich hier beziehe, gebe ich unten an.


Zunächst möchte ich aus der Seite sumava.cz zitieren: „Dr. Zdeněk Kostrouch war eine beliebte Persönlichkeit im Böhmerwald und wurde auch „Arzt auf dem Pferd“ genannt. In den Jahren 1964 – 1993 lebte er in Hájenec Pustina. Kostrouch wollte ursprünglich als Arzt nach Afrika gehen, blieb aber im Böhmerwald. Seine erste Frau war Dr. Helena Kostrouchová – Ärztin in Kašperské Hory und Tochter von Ottla Davidová (Kafka), der Schwester des Schriftstellers Franz Kafka.“
Der Arzt, der hier lebte und 1920 geboren sein soll, war also mit der Nichte Franz Kafkas verheiratet gewesen. Diese Ärztin hatte eine Zeitlang mit ihm in diesem Haus gewohnt! Mit ihr hatte er zwei Söhne.
Zunächst soll Dr. Zdeněk Kostrouch mit dem Auto zu seinen Patienten gefahren sein. Hier eine Übersetzung aus der Seite plzen.rozhlas.cz :
„Ein Pferd statt eines Autos
Der Arzt Zdeněk Kostrouch ließ sich zunächst in Kašperské Hory nieder, von wo aus er mit seinem alten Auto zu den Kranken pendelte, das jedoch den dortigen harten Wintern voller Schneeverwehungen nicht gut gewachsen war. Das Pferd erwies sich als zuverlässigeres Transportmittel, sodass Patienten oft ihren Lieblingsarzt auf dem Pferd durch die Nachbarschaft galoppieren sahen. Es war sowohl praktisch als auch romantisch, und der Arzt war offenbar ein Romantiker, sonst hätte er sich nicht einen verfallenen Hain zum Leben ausgesucht, der einsam in der Nähe von Hartmanice im Böhmerwald liegt.“
Ich finde es sehr schade, dass dieses geschichtsträchtige Gebäude verfällt und hoffe, dass sich die Erbin oder der Staat für den Erhalt dieses Kleinods einsetzen werden.
Wer mehr über den Arzt auf dem Pferd erfahren möchte, mag in den Seiten unten recherchieren. Mit einem Übersetzungsprogramm lässt sich alles verstehen.
- https://www.sumava.cz/rozcestnik/kultura-a-pamatky/osobnosti/kostrouch-zdenek-mudr/
- https://plzen.rozhlas.cz/doktor-na-koni-zachranoval-lidi-na-sumave-sam-sobe-pomoct-neumel-9066227
- https://medium.seznam.cz/clanek/kveta-houskova-doktor-na-koni-z-jeho-sumavske-samoty-je-ruina-vlastni-ji-sekretarka-peti-americkych-prezidentu-13757


Sommerbrisenwiese im wilden Weitland – Der Böhmerwald

Dans le parc national Sumava en république Tchèque / Bohemian Forest in the Czech Republic
Dass Artenvielfalt glücklich macht, habe ich schon in der Kindheit festgestellt: Da blüht eben kein „Butterblumen“-Meer, da ist es im Sommer einfach richtig bunt. Heute standen wir vor einer Wiese, die war so weit, dass sie sich im welligen Horizont verlor. Und darin leuchtete es ziegelrot, rosa, zitronengelb und glasgrün.
Nebeneinander wiegten sich im selben Rhythmus Glockenblumen, Distel, Wundklee, Wiesen-Pippau und Fingerhut, begleitet vom Nicken der Adlerfarne und des Zittergrases. Immer wieder schüttelt der Wind alle Pflanzen durch. Irgendwo muhen Kühe. Und über all dem schwirren trunkene Falter.
Ja, Schönheit macht poetisch… Jedenfalls stelle ich wieder einmal fest, dass große offene Flächen, die extensiv bewirtschaftet werden, einfach viel artenreicher sind als Wälder.
Wer Interesse an solchen Themen hat, dem sei das Buch „Wildnis“ von Jan Haft empfohlen.



Und hier die Wiese im Sommerwind. In diesem Video ist eine unendlich weite und artenreiche Wiese im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet bei Pustina zu sehen. Pflanzen, Blüten, Schmetterlinge wiegen sich rhythmisch im Wind. Ziemlich am Ende des Films sieht man kurz die Ruine eines besonders schönen fürstlichen Forsthauses im Wald sowie eine Erinnerungstafel an den Arzt, der dort gewohnt hatte. Dr. Zdeněk Kostrouch war eine beliebte Persönlichkeit im Böhmerwald und wurde auch „Arzt auf dem Pferd“ genannt. In den Jahren 1964 – 1993 lebte er in Hájenec Pustina. Kostrouch wollte ursprünglich als Arzt nach Afrika gehen, blieb aber im Böhmerwald. Seine erste Frau war Dr. Helena Kostrouchová – Ärztin in Kašperské Hory und Tochter von Ottla Davidová (Kafka), der Schwester des Schriftstellers Franz Kafka. Auf der Sterbetafel steht der Text: „Hier in Pustina lebte und arbeitete in den Jahren 1964 – 1993 MUDr. Zdeněk Kostrouch, ein kleiner, großer Mann, ein Arzt, der Licht und Fähigkeiten bringt, ein Retter, ein Träumer, ein Idealist, ein zutiefst menschlicher Mensch“