Ja, wir haben es wieder getan! Hier unser zweites Stück: Da corona-bedingt alle Veranstaltungen storniert wurden, dachten wir, wir machen einfach unser eigenes „Weihnachtskabarett“. Ein selbst geschriebenes und selbst gefilmtes Stück in unserem Wohnzimmer. Wir hoffen, dass auch Ihr Freude daran habt.
Letztens haben wir einen Heimatabend der ganz besonderen Art mit dem Titel „Hinterbayerisches und HoamadJazz“ in Eggenfelden erlebt. Als „original Waidler Buam“ wurde das Protagonisten-Duo vorgestellt. Denn sowohl der Kabarettist und Fotograf Herbert Pöhnl als auch der Jazzpianist und Komponist Sven Ochsenbauer stammen aus Viechtach im Bayerischen Wald.
Herbert Pöhnl zeigt mit Texten und Bildern die geschmacklichen Verirrungen seiner Heimat auf. Hier ein Netto-Markt- vom Friedhof aus gesehen
Wie ein roter Faden zog sich nun sowohl durch die Texte,
Musik und Bilder ein gemeinsames Motiv: die schwierige Vereinbarung von
Tradition und Moderne in einer Region, die sich am Ende als gar nicht so fiktiv
herausstellt.
Mit Witz und großer Sprachgewandtheit, aber auch mit einer Spur Wehmut beschrieb nun Pöhnl, wie es in einem typisch „hinterbayerischen Dorf“ zugeht. Dort wird keine Mühe gescheut, den Ort zu „verschönern“ und Werbefilme über „lebendiges Brauchtum“ zu produzieren, um Übernachtungszahlen in die Höhe zu treiben.
Fleißig werden Gartenzwerge shampooniert, das letzte
Exemplar einer ehemaligen Lindenallee erhält ein angenageltes Schild mit der
Aufschrift „Naturdenkmal“, im Landgasthof „s’Wildererstüberl“ sorgt
Alleinunterhalter Sepp für Fröhlichkeit, während draußen betoniert und gegen
Wildwuchs und Löwenzahn im Garten gekämpft wird. Der Dorfplatz wird zum
Parkplatz; Direktvermarkter bieten Streuobst an, obwohl es weit und breit keine
Streuobstwiese gibt; lokale Politiker recken in der Heimatpresse stolz den
Daumen hoch. Die Enttäuschung ist groß, als das Dorf trotz allem nur den
zweiten Platz erringt. Ob das am verwilderten Pfarrgärtchen liegen mag, in dem
noch die letzten „Waldvogerl“ singen, fragt man sich.
Jetzt strengt man sich erst recht an, das Ziel zu erreichen. Eine vielfach mit den Begriffen „Bio“, „Öko“ und „Heimat“ garnierte Hochglanzbroschüre wird erstellt. Im Imagefilm tauchen nun grinsende Wolpertinger auf. Auch wird das Bild einer schwarz gekleideten alten Frau vor einer windschiefen Hütte mit Untertitel „Beten ist in“ eingeblendet, während Wölfe heulen und Schnee rieselt.
Der Maibaum wird mit ein paar Kerzen zum Adventskranz umfunktioniert
Immer wieder illustrierte Pöhnl seine von Ironie geprägten
Kurztexte ganz ohne PowerPoint-Präsentation mit großformatigen Fotos. Hier
wurde den Zuschauern noch klarer, was Hinterbayern ist: eine Region, in der
sandgestrahlte Totenbretter als „Dorfdeko“ fungieren, überdimensionierte
Gewerbegebiete den Blick auf die Landschaft versperren, selfiemachende
Wolfausläuter silberne Moonboots tragen, während die „Lewakassemmelkönigin“ in
„weißblauer Xmas-Stimmung“ vegane Leberkässemmeln anbietet.
Schnell wird dem Publikum klar, dass es dieses „Hinterbayern“ und deren geschmackliche Verirrungen kennt. „Wo Toskanahäuser sich mit Dreschflügeln schmücken und Totenbretter in Ebay verkauft werden, da san mia dahoam. Mich fragt man immer, wo Hinterbayern sei. Inzwischen sage ich: überall“, so der Kabarettist Pöhnl.
Von links: Jazzpianist Sven Ochsenbauer, Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler, Kabarettist und Fotograf Herbert Pöhnl – Die BN-Kreisgruppe hatte den Abend gemeinsam mit KEB und VHS organisiert
Virtuos und einfühlsam begleitete der Pianist Sven
Ochsenbauer mit verjazzten Variationen von alten Volksliedern die Lesung und
unterstrich dabei gekonnt sowohl die komischen als auch die traurigen Momente.
Mit swingenden Jazzklängen, stimmungsvollem Blues und traditionellen Melodien
gelang es ihm dank fließender Übergänge durch seine kreativen und sensible
Spielweise die jeweilige Stimmung zu verstärken.
So konnte das Duo dem begeisterten Publikum manchen
herzhaften Lacher entlocken. Und doch überwog immer wieder eine nachdenkliche
Stimmung, insbesondere als der Abend mit einer bezaubernden zeitgenössischen
Version des Liedes „Fein Sein beinander Bleibn“ ausklang.
Sketches of the talented Bavarian cabaret artist, Sigi Zimmerschied.
Bitterböse wie immer: der Kabarettist Sigi Zimmerschied bei seinem neuen Stück „Heil – vom Koma zum Amok“ gestern Abend im Scharfrichterhaus in Passau. Ich habe mitgekritzelt und versucht, seine ständig wechselnden Ausdrücke aufs Papier zu bannen…Was gar nicht so einfach war. Denn die Mimik des Kabarettisten ändert sich buchstäblich jede Sekunde! http://sigi-zimmerschied.de/heil-vom-koma-zum-amok/
Drawings during a concert of Bavarian singer and cabaretist.
Gestern Abend in Pfarrkirchen beim Ringlstetter-Konzert in Pfarrkirchen gewesen und es sehr genossen. Ich habe versucht, ihn zu zeichnen, aber da der Saal absolut dunkel war, musste ich blind zeichnen. Da ist dann ein „abstrakter“ Ringlstetter entstanden, sagen wir der Ausdruck seiner Essenz. Oder eben nur Kritzeleien…Seinen feinen Humor, die neue Globalisierungshymne „Think global – drink regional“ sowie sein Niederbayern-Lied finde ich einfach toll.