Europareservat Unterer Inn

Einige meiner Vogelfotos entstehen im Europareservat Unterer Inn. 300 verschiedene Vogelarten wurden dort bereits gesichtet, auch Seeadler und viele Limikolen.

Heute waren wir bei einer Veranstaltung des bayerisch-oberösterreichischen „Infozentrums Ering“, das umgestaltet werden soll. Das Gebäude soll renoviert werden, Visualisierungen und ein kleiner Modellbau waren zu sehen. Auch eine schwimmende Ausstellung soll auf dem Inn entstehen.

Die Besucher durften eigene Ideen einbringen, mit den Architekten reden und auch Vorschläge für einen neuen Infozentrum-Namen machen. Mein Favorit: INNnatura!

Außerdem sind die Arbeiten des nahegelegenen Kraftwerks voll im Gange: Es wird viel gebaggert, so sieht alles erst einmal wüst aus, aber es sollen wieder Innauen entstehen und die Gegend renaturiert werden.

Es soll die Gewässerdurchgängigkeit für Wasserlebewesen wieder hergestellt werden. Ein weiteres Ziel ist, die Lebensräume im bayerischen Uferbereich zu reaktivieren und teilweise neu zu schaffen. Damit werden die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinien sowie der FFH- und Vogelschutzrichtlinie umgesetzt.

Ich hoffe, schon nächstes Jahr noch mehr Vögel in der Gegend zu sehen…

http://www.europareservat.de/

Knochenarbeit und Eisernes Pferd

A guided tour through a small nature conservation area in our surroundings in Lower Bavaria

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Botanische Raritäten im niederbayerischen Rottal

Erst vor kurzem habe ich erfahren, dass sich ganz in unserer Nähe ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet befindet. Alle FFH-Gebiete in der EU bilden ein mehr oder weniger zusammenhängendes Biotop-Netz, das unter dem Oberbegriff „Natura 2000“ geführt wird.

Der Pflanzenexperte Christoph Stein führte uns am Sonntag mit großer Fachkenntnis und ansteckender Begeisterung durch das FFH-Gebiet Reslberg/Triftern im niederbayerischen Rottal, eines der bedeutendsten Schutzgebiete im Landkreis. Von den ca. 1000 Pflanzenarten im Rottal-Inn befinden sich ungefähr 400 allein auf dem 120 Hektar großen Gebiet, in dem sich botanische Raritäten konzentrieren, darunter auch mehrere Arten Torfmoose und Farne.

Die Exkursion wurde von der Kreisgruppe Bund Naturschutz Rottal-Inn organisiert.

Obwohl wir uns im tertiären Hügelgelände auf nur ca. 400 Meter Höhe befinden, wachsen hier einige Pflanzen, die man ansonsten nur in höheren oder alpinen Lagen findet, wie zum Beispiel der Blaue Eisenhut.

Wie schon bei anderen Naturführungen wurde wieder klar, dass der im letzten Jahrhundert gegründete Trend zur Fichten-Monokultur sich sehr negativ auf die Biodiversität auswirkt: Fichtennadeln übersäuern den Boden, die Bäume ziehen den Borkenkäfer regelrecht an. Würde der Mensch nicht mehr in die natürlichen Kreisläufe eingreifen, würde in Deutschland die Rotbuche dominieren. Zurzeit befindet sich jedoch nur eine einzige Rotbuche im ganzen Gebiet.

Richtig faszinierend war es, die verschiedenen Arten und Unterarten von seltenen Pflanzen kennen zu lernen und ihre Schönheit zu bewundern. Da die Hänge am Altbach natürlich terrassiert sind, entstehen viele unterschiedliche Biotope, je nachdem, wie feucht der Boden ist und wie mager oder fett er ist. „Dabei halten sich die Pflanzen nicht immer an die Theorien der Lehrbücher“, schmunzelt Herr Stein. Hier eine kleine Auswahl der Pflanzen, die er uns zeigte:

Adler-, Dorn- und Buchenfarn, Riesenschachtelhalm, Heilziest, gelb blühender Blutwurz, wunderschöne Orchideen wie das Fuchs’sche Knabenkraut oder der Sumpfwurz sowie Gilbweiderich, der seltene Goldschopfhahnenfuß, Waldläusekraut, Sonnentau und das fleischfressende gewöhnliche Fettkraut. Selbst das seltene Sumpfglanzkraut wurde hier nachgewiesen.

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Wollgras und Orchideen

Manche Pflanzen sind Zeiger von mageren, andere von überdüngten Wiesen. Wie kann denn eine Wiese in einem geschützten Gebiet überdüngt sein? Zu meinem tiefen Erstaunen erfahre ich, dass die Ursache auch starke Ammoniakemissionen und Stickstoffkombination in der Luft sein kann, die durch landwirtschaftliche Düngung aber auch durch Umweltverschmutzung durch Verkehr erzeugt werden.

Um der Überdüngung, die auf offenen Flächen zum Beispiel Schilfwuchs und Honiggras fördert, werden die offenen Flächen im Gebiet unter großem körperlichen Einsatz zweimal im Jahr mit Handgeräten gemäht. „Knochenarbeit“ nennt es Herr Stadtlthanner, ein Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes, der die Führung begleitete. Auch ein gummibereiftes Gerät mit dem lustigen Namen „Eisernes Pferd“ kommt dabei zum Einsatz.

Während der kurzen Wanderung durch Wald, über Pfeifengraswiesen und am Bach entlang wird immer deutlicher, dass die Artenvielfalt in dieser Gegend nur erhalten und gefördert werden kann durch die Bemühungen von kompetenter Pflege. Denn wo jetzt breitblättriges Wollgras und Orchideen um die Wette blühen, standen noch in den 80-er Jahren Fichtenmonokulturen.

Auf den Flächen, die der Landkreis erwerben konnte, sind wieder offene Flächen geschaffen worden, wie sie es vermutlich vor 200 Jahren noch waren. Damals wurden diese Flächen noch bewirtschaftet oder beweidet. Leider ist ein stabiler Dauerzustand trotz aller Bemühungen des Naturschutzes und ausgetüftelten Strategien von Experten und Botanikern noch lange nicht erreicht, obwohl sich die Lage gebessert hat. Die Kuckuckshyazinthe sowie der Lungenenzian, die hier vor Jahrzehnten nachgewiesen waren, fehlen immer noch.

Offene Streuwiesen, Kalkflachmoore, Waldsümpfe und Pfeifengrasstreuwiesen, die in den Waldflächen eingestreut sind, sind leider sehr selten geworden.

Ohne Schutzmaßnahmen und die Arbeit von Bio-Landwirten wäre unsere Landschaft inzwischen eine Mais – und Fichtenmonokultur. Und wer will schon in einer solchen sterilen Wüste leben?

Einige meiner hier gezeigten Fotos wurden nun auch in der Presse veröffentlicht:

PNP-Beitrag-Botanische-Raritäten

 

Ilztalwanderung – Valley hike

Wanderung im FFH-Gebiet „Ilz-Talsystem“ bei Ruderting im Bayerischen Wald

Valley hike in a European Nature Reserve along the river Ilz in the Bavarian Forest

Wanderung im FFH-Gebiet „Ilz-Talsystem“ bei Ruderting im Bayerischen Wald

Mit dem sympathischen Ilz-Gebietsbetreuer Stefan Poost und einigen Naturliebhabern machen wir uns bei strahlendem Frühlingswetter auf den Weg. Die Ilz wird aufgrund ihres dunklen durch trübe Huminstoffe gefärbtes Wassers auch „Schwarze Perle“ genannt. Die Farbe wirkt in der Sonne manchmal rostrot, im Schatten tiefschwarz.

Herr Poost erklärt uns, dass 1992 die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) in der EU gegründet wurde. Die Ausweisung des „Ilz-Talsystems“ als FFH-Gebiet hat dessen Schutzstatus in den Rang europäisch bedeutender Schutzgebiete gehoben. Alle FFH-Gebiete in der EU bilden ein mehr oder weniger zusammenhängendes Netz, das unter dem Oberbegriff „Natura 2000“ geführt wird.

Die Wasserqualität der Ilz sei dank mehrerer Kläranlagen recht gut. In dem Abschnitt, in dem wir wandern, ist die Ilz von einem hohen, dekorativ wirkendem Gras gesäumt, der Banat-Segge; eine Pflanze, die sich von Rumänien aus bis hierher verbreitet hat. Stefan Poost unterbricht seine Rede, um auf das blühende wollige Lungenkraut hinzuweisen, das noch häufig im Iztal anzufinden sei.

Eine seiner Aufgaben besteht darin, Waldbesitzer zu beraten. Durch diesen Kontakt wurde erreicht, dass mehrere Hektar Fichtenwälder in Auwälder verwandelt wurden. Trotzdem wird die Fichte immer noch zu oft und auf ungeeigneten Flächen gepflanzt. Als Flachwurzler sei die Fichte nicht wirklich für die Aufforstung von Auen und Wiesen geeignet, wo sie schon bald von Stürmen niedergemäht wird. Häufige Fichten-Reinbestände fördern außerdem die Ausbreitung des Borkenkäfers. „Die Natur kennt keine Reinbestände“, sagt Stefan Poost. Besser wären Mischwälder mit Buche, Tanne, Bergahorn sowie Erlen, Weiden und Pappeln entlang der Gewässer.

Der Gebietsbetreuer weist auf einen frisch geschlagenen Hang. „Es liegt in unserer Verantwortung, was hier in 150 Jahren wächst!“

Nun kommen wir an einem ehemaligen Granit-Steinbruch vorbei, der offen gehalten wird, um Falken, Fledermäuse und Uhus Unterschlupf zu bieten.

Kleine Wasserläufe und feuchte Gebiete mit Blocküberlagerungen bieten Feuersalamandern und dem sehr seltenen Grubenlaufkäfer gute Biotope.

Im Rahmen des FFH-Managements werden auch Kleinstgewässer und kleine Tümpel angelegt, um die Ansiedlung und den Erhalt von Gelbbauchunken zu fördern.

Gelbbauchunke

Gelbbauchunke im Ilztal – Foto S. Poost

Wir kommen nun an einem kleinen, grünen Tümpel vorbei. Die Vegetation zeigt hier viele Biberspuren.

In Deutschland wurde er ausgerottet, weil er für sein Fell und das damals sehr teure Drüsensekret Bibergeil gejagt wurde, aber auch weil er in der Fastenzeit als „Fastenspeise“ fungierte. Inzwischen hat er sich in Bayern wieder gut etabliert und ist an vielen Flussläufen zu finden, wo er mit seiner „Familie“, d. h. als Paar mit zwei Jungen vom Vorjahr sowie zwei Neugeborenen in Revieren, die je nach Nahrungsangebot, mehrere km umfassen können lebt. Pappeln sind sein Lieblingsbaum. „Wir können nur hoffen, dass es uns gelingt, dem Biber trotz seiner vielen Feinde einen Platz in unserer Welt zu gewähren. Wir müssen lernen, mit dem Biber zu leben“, so Herr Poost. Inzwischen darf der Biber in bestimmten Fällen schon „entnommen“ werden.

Anhand der Eschen, die von einem asiatischen Pilz befallen sind und absterben, wird uns die negative Auswirkung der Globalisierung auf die Natur bewusster. Parasiten, Krankheiten und Pilze verbreiten sich immer schneller und können ganze Arten binnen weniger Jahre zerstören.

Es war eine sehr schöne Wanderung und wir freuen uns, nebenbei dank der Erläuterungen von Stefan Poost vieles erfahren zu haben.

Hier noch der Verlauf des FFH-Gebietes „Ilz-Talsystems“ :

 

Karte-Ilztal-Map

FFH-Gebiet Ilz-Talsystem

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