Der Eisvogel und der Biber am Birnbach

A watercolor painting of a kingfisher perched on a branch with a vibrant orange belly and green head, set against a backdrop of a river and natural vegetation.
Wie in einem Märchen: der Eisvogel vor dem Biberdamm – Aquarellmalerei

Es wird zwar viel über den Biber und seine Aktivitäten gelästert und geklagt, aber seine Anwesenheit schafft auch klare Vorteile. Inzwischen ist er fast schon ein Tabuthema geworden. Ich verstehe, dass seine „Umbaumaßnahmen“ nicht überall ungehindert stattfinden können, dass er für die Bauhöfe Mehrarbeit verursacht und in bestimmten Bereichen „entnommen“ werden muss.

Aber insgesamt hat er hier an der Rott viel Leben geschaffen: Er brachte den Birnbach wieder zum Fließen, das zieht die Eisvögel an und ist gut für die Fische. Auch die Uferbereiche am Weiher und an der Rott werden immer strukturreicher und reicher an Gebüschen, sodass viele Vogelarten profitieren.

In Gebieten mit Biberdämmen verdreifacht sich die Artenvielfalt wassergebundener Tiere (Quelle: Universität Duisburg-Essen; Fachartikel Freshwater Biology).

Anfangs war ich – wie viele Mitbürger – etwas entsetzt über die „gefällten“ Bäume, unter denen sich nicht nur Weiden, sondern auch Eichen befanden. Insgesamt ist es aber so, dass die Natur in unserer Gegend durch seine Aktivität „aufgeblüht“ ist. Ich habe mir Fotos des Bachs, des Weihers und der Rottufer von 2016 angeschaut, als wir hier ankamen und der Biber noch nicht aktiv war. Schön war’s, aber – wie soll ich sagen? – beinahe etwas langweilig verglichen mit heute. Und deswegen wage ich es zu sagen: Ein Hoch auf den Biber!

EN At our small river (the Birnbach), I was able to photograph a kingfisher and later paint it, along with the surrounding scene where a beaver dam holds back the stream. Despite all the complaints about beavers, it’s clear how much their activity enriches the landscape and boosts biodiversity. Compared to 2016, the area looks far more vibrant today thanks to their work – a cheer for the beaver.

„Der Eisvogel“ – Ein Gedicht von Berndt Baumgart (https://woher-wohin.com/ )

Zwischen Licht und Schatten – Gedanken zum Nationalpark Bayerischer Wald

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein unglaublich schönes Gebiet. Wer es durchwandert, spürt die Ruhe, die Kraft der alten Bäume, das Rauschen der Bäche und das Trommeln der Spechte.

Für mich ist dieser Wald ein Geschenk – mystisch, beruhigend, ergreifend. Schönheit ist hier nicht Nebensache, sondern Orientierung. Dostojewski soll gesagt haben: „Schönheit wird die Welt retten.“ Ich hoffe darauf. Und ich stelle mir Fragen.

EN: The Bavarian Forest National Park is a place of deep beauty and tranquility, yet its management raises questions about ecological authenticity and biodiversity. I advocate for more open landscapes, the return of red deer, and grazing practices that reflect historical ecosystems, challenging rigid conservation models.

A watercolor painting depicting a landscape with silhouettes of trees against a vibrant sunset, showcasing mountains in the background and warm orange and yellow tones.

Warum kein freies Rotwild?


Doch gerade weil ich diesen Ort liebe, wünsche ich mir, dass wir offen über ihn reden dürfen. Das Leitbild „Natur Natur sein lassen“ ist großartig – aber wird es wirklich konsequent umgesetzt? Rotwild wird nicht geduldet, aus Angst vor Verbiss, also vor dem Schaden, der durch das Fressen junger Pflanzen und Triebe durch Wildtiere entsteht. Dabei gehört Rotwild zur natürlichen Fauna. Wenn wir es ausschließen, setzen wir einfach verbissen ein Verwaltungsmodell um. Auch die Vorstellung, dass ein dichter, dunkler Wald besonders „natürlich“ sei, wird inzwischen hinterfragt. Wenn ich große Flächen Totholz aufgrund von Borkenkäferbefall sehe, frage ich mich auch, inwiefern da ein Reh oder Rotwild durch Verbiss noch schaden kann. Hinzu kommt, dass Wälder in Europa vor einigen Tausend Jahren wohl kaum dicht und dunkel waren. Im Gegenteil!


Der Biologe und Filmemacher Jan Haft schreibt in seinem Buch Wildnis:
„Von den in Europa heimischen Tier- und Pflanzenarten sind die meisten nicht an Wälder, sondern an offene Landschaften angepasst. […] Erhalten blieben diese dadurch, dass große Pflanzenfresser wie Mammuts und Auerochsen die Flächen beweideten und so dafür sorgten, dass sie nicht zuwuchsen.“


Diese Aussage trifft einen wunden Punkt. In Ausstellungen des Nationalparks Bayerischer Wald wird etwa das Birkhuhn gezeigt – ein Tier, das offene, lichte Hochlagen braucht, nicht dunkle Fichtenwälder. Im Nationalpark Šumava wurden gezielt Bäume entfernt, um solche Offenflächen zu schaffen. Das Birkhuhn benötigt nämlich Moor- und Heidelandschaften mit niedriger Vegetation, freien Balzplätzen und guter Deckung. Šumava macht es vor.

Ein Rotwildtier läuft durch eine grüne Wiese im Nationalpark Bayerischer Wald, umgeben von Bäumen und Felsschichten.
Der Rothirsch darf leider nicht im Nationalpark frei herumlaufen

Mehr Artenvielfalt auf offeneren Flächen?

Auch bei Wanderungen spürt man den Unterschied: Kaum überschreitet man die Grenze nach Šumava, hört man mehr Vögel, sieht mehr Schmetterlinge. Die Wälder sind dort offener, strukturreicher, lebendiger. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis gezielter Landschaftspflege.

Warum keine Rinder auf den Schachten?


Ein weiteres Beispiel sind die Schachten – waldfreie Bergwiesen, die früher als Weideflächen dienten. Heute werden sie im Bayerischen Wald kaum noch beweidet. Ehrenamtliche versuchen, die Flächen durch manuelle Pflege offen zu halten, doch Rinder würden diese Arbeit viel besser leisten. Laut einer Naturschutzbroschüre dürfen nur noch zwei Schachten beweidet werden („Wenn Rotes Höhenvieh auf zwei Schachten grast“, Eintrag Nr. 37/2023). Im Nationalpark Šumava hingegen wird Beweidung gezielt eingesetzt, um Artenvielfalt zu fördern und Kulturlandschaften zu erhalten (Laufener Seminarbeiträge 1/02, S. 59–65).

Eine Gruppe von Rindern grast auf einer offenen Wiese im Nationalpark Bayerischer Wald, umgeben von Bäumen und Bergen im Hintergrund.
Wiesen im Nationalpark Sumava / Böhmerwald werden beweidet. Im Nationalpark übernehmen ehrenamtliche Helfer die „Schachtenpflege“- man fragt sich, warum es nicht Rinder machen dürfen

Natürlich gibt es auch in Šumava Spannungsfelder. Die rasche bauliche Entwicklung mancher Touristenzentren sehe ich mit Skepsis. Und die Direktoren der tschechischen Nationalparks warnen vor politischen Versuchen, das Naturschutzgesetz zu schwächen (Interview mit Pavel Hubený, Mai 2025). Auch im Bayerischen Wald gibt es Kritik: Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) sprach 2024 von einem Tabubruch, als Flächen aus der Kernzone zur Borkenkäferbekämpfung in die Managementzone verschoben wurden.

Trotz allem: Ich finde es wunderbar, dass im Bayerischen Wald in der Kernzone keine forstwirtschaftliche Nutzung stattfindet und der Naturschutz im Vordergrund steht. Das ist sehr wertvoll. Aber ich wünsche mir, dass wir bereit wären für Rotwild, für lichte Landschaften, für Vielfalt und Anpassung von Konzepten und Modellen an neue Erkenntnisse.

Denn das, was wir heute als „natürlich“ definieren, ist immer auch von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Sehnsüchten geprägt.

Aquarellmalerei eines offenen, ländlichen Landschaftsbildes mit Hügeln, Wiesen und einem klaren Himmel.
Sommerwiese im Böhmerwald – Aquarell: Nadia Baumgart

Zusammenfassung: Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Ort von tiefer Schönheit und Ruhe, doch seine Verwaltung wirft Fragen zur ökologischen Authentizität und Artenvielfalt auf. Ich plädiere für offenere Landschaften, die Rückkehr des Rotwilds und eine Beweidung, die historische Ökosysteme widerspiegelt – und stellt damit starre Naturschutzmodelle infrage.

FR: Le parc national de la forêt bavaroise est un lieu d’une beauté profonde et apaisante, mais sa gestion soulève des questions sur l’authenticité écologique et la biodiversité. L’auteur plaide pour des paysages plus ouverts, le retour du cerf élaphe et des pratiques de pâturage qui reflètent les écosystèmes historiques, en remettant en question les modèles de conservation trop rigides.

Hier noch Infos zum Borkenkäfer – Zur Geschichte des Borkenkäfers im Böhmerwald und Bayerischen Wald

Hier noch ein Video über unseren Besuch des „Haus zur Wildnis“ im Nationalparkzentrum:

Teufelskralle und Bergmolch im Ilztal

Zwei Personen stehen auf einem schmalen Waldweg, umgeben von üppigem, grünem Laub und sanftem Licht im Wald.
In 1000 Grüntönen geborgen: Freundinnen

Fast zu schön, um wahr zu sein: Das Ilztal im Zauberlicht!

Unterwegs waren wir mal wieder mit unserer Freundin Birgit. Es war magisch schön, in tausend Grüntönen zu baden und so viele blühende Pflanzen am Wegesrand zu entdecken. Am Waldrand Kuckucks-lichtnelke und Storchenschnabel, an den Waldwegen die Teufelskralle. Wo wir auch hinschauten, überall nur Wunder. Das Highlight: Ein Bergmolch in einer Pfütze. Schön war auch die Ilz, die hier und da im gleißenden Licht beinahe gelbliche Farben annahm.

Grüne Farne im Sonnenlicht, die eine leuchtende Struktur und Textur zeigen.
Illuminierte Farne wie grüne Kerzen im Schatten
Ein Bergmolch schwimmt in einer Pfütze mit goldenem Licht und sandigem Grund.
Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)
Reflexion von grünen Blättern und einem Baumstamm im klaren Wasser eines stillen Gewässers.
Romantisch schön
Nahaufnahme einer lila Blüte mit langen, geschwungenen Blütenblättern, umgeben von grünem Gras.
Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum)
Eine alte Scheune mit großen Rädern und Mühlsteinen vor der Fassade. Die Wände sind aus Stein und Putz, mit Fenstern und einer Holztür, umgeben von grünem Gras.
Schrottenbaummühle am Ilzwanderweg

Sommerbrisenwiese im wilden Weitland – Der Böhmerwald

Unendlich und blühend – Die Wiesen im Böhmerwald

Dans le parc national Sumava en république Tchèque / Bohemian Forest in the Czech Republic

Dass Artenvielfalt glücklich macht, habe ich schon in der Kindheit festgestellt: Da blüht eben kein „Butterblumen“-Meer, da ist es im Sommer einfach richtig bunt. Heute standen wir vor einer Wiese, die war so weit, dass sie sich im welligen Horizont verlor. Und darin leuchtete es ziegelrot, rosa, zitronengelb und glasgrün.

Nebeneinander wiegten sich im selben Rhythmus Glockenblumen, Distel, Wundklee, Wiesen-Pippau und Fingerhut, begleitet vom Nicken der Adlerfarne und des Zittergrases. Immer wieder schüttelt der Wind alle Pflanzen durch. Irgendwo muhen Kühe. Und über all dem schwirren trunkene Falter.

Ja, Schönheit macht poetisch… Jedenfalls stelle ich wieder einmal fest, dass große offene Flächen, die extensiv bewirtschaftet werden, einfach viel artenreicher sind als Wälder.

Wer Interesse an solchen Themen hat, dem sei das Buch „Wildnis“ von Jan Haft empfohlen.

Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae)
Farbenprächtige Disteln
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Und hier die Wiese im Sommerwind. In diesem Video ist eine unendlich weite und artenreiche Wiese im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet bei Pustina zu sehen. Pflanzen, Blüten, Schmetterlinge wiegen sich rhythmisch im Wind. Ziemlich am Ende des Films sieht man kurz die Ruine eines besonders schönen fürstlichen Forsthauses im Wald sowie eine Erinnerungstafel an den Arzt, der dort gewohnt hatte. Dr. Zdeněk Kostrouch war eine beliebte Persönlichkeit im Böhmerwald und wurde auch „Arzt auf dem Pferd“ genannt. In den Jahren 1964 – 1993 lebte er in Hájenec Pustina. Kostrouch wollte ursprünglich als Arzt nach Afrika gehen, blieb aber im Böhmerwald. Seine erste Frau war Dr. Helena Kostrouchová – Ärztin in Kašperské Hory und Tochter von Ottla Davidová (Kafka), der Schwester des Schriftstellers Franz Kafka. Auf der Sterbetafel steht der Text: „Hier in Pustina lebte und arbeitete in den Jahren 1964 – 1993 MUDr. Zdeněk Kostrouch, ein kleiner, großer Mann, ein Arzt, der Licht und Fähigkeiten bringt, ein Retter, ein Träumer, ein Idealist, ein zutiefst menschlicher Mensch“

Wilde Orchideen und Möwengeschrei

Wilde Orchidee im Weidmoos Hochmoor
Sumpf-Stendelwurz / Épipactis des marais (Epipactis palustris

Gestern waren wir zum ersten Mal im Weidmoos in Österreich nördlich von Salzburg. Im angrenzenden Ibmer Moor sind wir öfters, um die Moorlandschaft zu genießen, botanische Raritäten zu entdecken und Vögel zu beobachten. Dort brüten Kiebitze, Große Brachvögel und Bekassinen.

Nun dachte ich, das Weidmoos sei ganz ähnlich, eben auch ein renaturiertes Moorgebiet. Aber es ist von der Ausdehnung kleiner und hat mehr Tümpel. Das Ibmer Moor hat eine Ausdehnung von 2000 Hektar, das Weidmoos von „nur“ 140. Der Rundweg ist viel kürzer, aber auch sehr spannend, weil er an Tümpeln und Teichen vorbeiführt und es einen hohen Aussichtsturm gibt.

Kiebitz / Vanneau huppé (Vanellus vanellus)

Bis zum Jahr 2000 wurde im Weidmoos industriell Torf abgebaut. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Natur das genützte Gebiet zurückeroberte. Wir haben viele junge Lachmöwen gesehen, aber auch Kiebitze und Blässhuhn-Küken. Das Highlight war für mich eine wunderschöne wilde Orchidee, die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris)! Aber auch die Prachtnelke (Dianthus superbus) ist unglaublich schön, ein dahingehauchtes Kunstwerk…

Prachtnelke/  Œillet superbe (Dianthus superbus)

Und hier noch ein Rundgang im Video:

Kleiner Rundgang durch das Weidmoos