Ein Rehbock in der Brunftzeit/ Un brocard en juillet
Schöner kann ein Tag gar nicht beginnen! Beim Morgenspaziergang flitzten mir zwei Rehböcke über die abgeernteten Getreidefelder entgegen. Es ist Brunftzeit und so sind sie besonders aktiv. Dann umschwirrte mich trillernd ein Schwarm Bluthänflinge (Linaria cannabina). Und ganz früh am Morgen, baute eine Igelmama in unserem kleinen Garten ein Nest. Ich fühle mich gesegnet!
Zwei Böcke jagen sich – Deux brocards se poursuiventBluthänfling/ Linotte mélodieuse (Linaria cannabina)Und hier der Igel beim Nestbau / Le hérisson en train de construire son nid
Und hier noch ein kurzes Video, das den Igel beim Laubsammeln zeigt:
Lors de ma promenade matinale, deux brocards ont surgi en courant à travers les champs de céréales déjà récoltés. C’est la saison du rut, et ils sont particulièrement actifs. Puis, un vol de linottes mélodieuses (Linaria cannabina) m’a entourée en lançant leurs trilles. Et tout tôt le matin, une maman hérisson construisait un nid dans notre petit jardin. Je me sens heureuse!
Fast zu schön, um wahr zu sein! Eben haben wir eine halbe Stunde lang in der „Lugenz“ (Lugenzwald) eine Ricke beobachtet, wie sie in aller Ruhe ihr Kitz säugte und liebevoll ableckte. Wir bewegten uns nur in Zeitlupentempo und so konnte ich sie fotografieren. Um uns herum leuchtendes Grün und über uns der Gesang der Vögel. So poetisch kann Realität sein.
Es ist einfach ein unvergessliches Erlebnis, ein Wildtier in solch einer Szene zu beobachten! Ich bin unendlich dankbar dafür. Solche Augenblicke verbinden uns mit der Natur und unseren „wilden“ Wurzeln.
Leider, leider, leider hatte ich kein Stativ dabei – sonst hätte ich noch näher heranzoomen und sogar filmen können. Doch auch so bin ich absolut glücklich, besonders in diesen Zeiten, in denen uns täglich schlimme Nachrichten erreichen. Umso wertvoller sind diese Momente des Friedens.
Ganz still und friedlichWelch ein wunderbarer Augenblick!Solche Naturerlebnisse sind wirklich ein Geschenk
Heute wieder einen Nachtreiher an der Rott gesehen, Juchhuuu! Zum wiederholten Mal habe ich in den letzten Jahren einen an der Rott beobachtet – faszinierende Tiere!
Der Nachtreiher (Nycticorax nycticorax) zählt in Bayern zu den extrem seltenen Brutvögeln.
Obwohl ich bereits Jungtiere an der Rott dokumentiert habe, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass diese Reiher hier nicht brüten und nur am Inn vorkommen. Warum also zieht es sie zu uns? Man sagte mir, es liege daran, dass der Inn trüb sei, und sie somit darin nicht fischen könnten – doch die Rott erscheint mir auch nicht gerade glasklar.
Wie dem auch sei, jedes Wildtier, das es schafft, in unserer Welt zu überleben, ist eine Freude. Ich bin dankbar für jede Begegnung und habe gelernt: Naturwissenschaft bedeutet, genau hinzuschauen.
Ein extrem seltener Brutvogel
EN: The night heron (Nycticorax nycticorax) is one of Bavaria’s extremely rare breeding birds.
Although I have already documented juveniles at the Rott, the persistent rumor remains that these herons do not breed here and are only found at the Inn. So why are they coming to us? I was told it’s because the river Inn is murky, making it difficult for them to fish—but the smaller river Rott doesn’t exactly seem crystal clear to me either.
Whatever the reason, every wild animal that manages to survive in our world is a joy. I am grateful for every encounter and have learned: Science means looking closely.
Der Nachtreiher trägt in der Brutsaison eine lange Schmuckfeder
Im Frühlingswind, zwischen den blühenden Weißdornsträuchern – mamma mia, ist das schön!
Nur die Namen der Pflanzen und Tiere wirken geradezu fehl am Platz.
„Kriechender Günsel“ – das klingt doch eher wie ein unterwürfiger Tollpatsch. Und wie sieht er tatsächlich aus? Majestätisch, mit seinen seidig glänzenden, violett-blauen Blüten. Taubnessel – fast schon ein Schimpfwort, klingt wie ein „dumpfes Kraut“. Dabei ist sie wunderschön, fast wie eine Orchidee, wenn man genau hinschaut! Und das Landkärtchen? Ein verstaubtes Poster in einer alten Schule? Nein – es ist ein bezaubernder Schmetterling in lebhaften Orange- und Schwarztönen.
Vielleicht ist es ohnehin besser, die Namen beiseite zu lassen und einfach die Sinne sprechen zu lassen.
Das Landkärtchen (Araschnia levana) Frühlingsgeneration. Die zweite Generation im Sommer sieht ganz anders aus!Taubnessel – schön wie eine Orchidee!Duftender Weißdorn (Crataegus)
Naturbeobachtung – Birnbacher Kulturspatz April 2025
Und wieder ist die neue Ausgabe des Bad Birnbacher Kulturspatz erschienen. Und wieder durfte ich darin berichten, was wir auf unseren Streifzügen durch die Gegend so beobachten:
Unsere Natur im April – Alles wird bunt!
Naturerwachen im April
Nicht nur die Streuobstwiesen in Bad Birnbach erstrahlen in voller Blütenpracht. Überall an den Wanderwegen schmücken sich Kirsch-, Birnen- und Apfelbäume mit zarten weißen und rosa Blüten, während Löwenzahn, Hahnenfuß, Sumpfdotterblume und Schlüsselblume fröhliche gelbe Farbtupfer setzen.
Früher sagte der Volksmund: „April, April, macht was er will.“ Ob das heute – da der Frühling immer früher anfängt – noch Gültigkeit hat, werden wir noch erfahren. Egal, ob das Wetter beständig bleibt oder nicht, auf jeden Fall malt der Frühling jetzt alle Landschaften bunt. Dabei hilft die wunderschöne rote Lichtnelke.
Rote Lichtnelke (Silene dioica)
Schmetterlingszauber und Frühlingsboten
Auch die Welt der Tagfalter erwacht zum Leben: Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge flattern durch die Lüfte und erfreuen uns mit ihrem Farbenspiel. Nun zu beobachten ist der Aurorafalter, dessen Männchen leuchtend orange gefärbte Flügelspitzen tragen. Seine Hauptlebensräume sind feuchte Wiesen und Waldränder – und Saumstrukturen mit Knoblauchrauke (seine Raupenfutterpflanze) an Gewässern. Deshalb sieht man ihn jedes Jahr von April bis Juni auf den Rottauenwegen (insbesondere in dem Abschnitt bei Gries) tanzen.
Ein ganz besonderer Frühlingsbote ist der Kuckuck! Wer hört als Erster seinen Ruf? Die Mehrheit der Kuckuck-Meldungen in Bayern gingen beim LBV in den letzten Jahren in der zweiten Aprilhälfte ein, aber hier und da meldet er sich schon früher.
Wir zwei an der RottEin Fasan nimmt ein Lichtbad
Das Vogelkonzert
Der April bringt die Rückkehr vieler Vogelarten aus ihren Winterquartieren. Am Himmel ziehen Schwalben ihre Kreise, und es ist immer ein besonderer Moment, wenn man bei einem Spaziergang ausrufen kann: „Die Schwaiberl sind zurück!“ Das Konzert der Natur wird außerdem von den melodischen Stimmen von Amsel, Singdrossel und Rotkehlchen geprägt. In unserer Gegend sind ansonsten im April Kohlmeise, Star, Stieglitz, Kleiber und Buchfink häufig zu hören und zu beobachten.
Auch die Flussseeschwalben kehren zurück; seit einigen Jahren zeigt sich an der Rott immer ein Paar dieser seltenen Vögel. Sie sorgen mit ihren kunstvollen Flugmanövern für ein beeindruckendes Schauspiel. Mit etwas Glück können wir sogar beobachten, wie das Männchen dem Weibchen einen kleinen Fisch als Brautgeschenk übergibt.
Währenddessen kümmern sich die Weißstörche auf dem alten Brauereikamin um ihren Nachwuchs. Der Frühling im Rottal ist eine Zeit voller Entdeckungen und magischer Momente – ein Fest für alle Sinne.
Hoffentlich sind in diesem Jahr wieder die Flussseeschwalben zu sehen!Eine Ringelnatter wartet auf BeuteWann wir wohl den Storchen-Nachwuchs 2025 zu sehen bekommen?