Unsere Natur im August– Hochsommerlicht und blühende Stauden

Der neue Kulturspatz August ist schon online. Wie immer zeige ich hier meinen Beitrag in dem Heft und Naturfotos, die ich den letzten Jahren in Bad Birnbach- insbesondere auf den Rottauenwegen und im Lugenz-Wald – im August gemacht habe.

Unsere Natur im August– Hochsommerlicht und blühende Stauden

Der Hochsommer ist angebrochen, und das Licht strahlt in voller Pracht. Bei unseren Streifzügen durch Wiesen und Wälder rund um Bad Birnbach erleben wir die Spätsommer-Stimmung hautnah. Reife Mirabellen und Brombeeren laden zum Naschen ein, während Bläulinge an Blüten kosten und ein schillernder Eisvogel über die Rott flitzt. Graureiher sind auf der Pirsch, und spätblühende Pflanzen wie Rainfarn, Odermennig und Königskerze zeigen ihre gelben Farben, während der Blutweiderich kräftige, lila Akzente setzt. An den Rottauenwegen sind alle diese Stauden zu bewundern. Im Wald sind die Heidelbeeren reif.

Trotz der Wetterkapriolen der letzten Monate nehmen wir es gelassen: Ob Regen oder Sonnenschein, in der Natur ist es immer schön! Wer die Natur wandernd erkundet, erfährt die Vielfalt der Rottaler Flora und Fauna.

Vogelbeobachtung in den Rottauen

Flussseeschwalbe – Sterne pierregarin – (Sterna hirundo)

Einmal um das Haus gehen und gleich zwei seltene Vögel sehen, die auf der Roten Liste stehen – das gibt es nicht überall. Das ist das Besondere an den Rottauenwegen in Bad Birnbach. Heute haben wir einen Flussuferläufer und eine Flussseeschwalbe gesehen. Als Zugabe gab es noch ein junges Teichhuhn.

Oiseaux sauvages dans nos environs en Bavière

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) – Common Sandpiper
Junges Teichhuhn – Jeune Gallinule poule-d’eau

Zwischen Schmetterlingen und Wildblumen

Schönheit am Wegesrand

Heute haben wir eine schöne Rundwanderung von Schönau nach Peterskirchen gemacht. Die strecke führt von Schönau über Peterskirchen nach Marschalling und wieder zurück. 

Tausendgüldenkraut (Centaurium)
Schöne kleine Wanderung

Das Schöne und das Schreckliche

Heute geht man zu Fuß über die Grenze, die Wanderer grüßen sich freundlich. Im Kalten Krieg war das anders…
Wilde Weiden am Wald – Im Nationalpark Sumava

Beim Wandern durch wilde Wälder und beim Überqueren der grünen Grenze zwischen Bayern und Tschechien im Nationalpark, kommen einem viele Gedanken. Heute sind wir von Zwieselwaldhaus nach Zeledna Rudna gegangen. Das Schöne und das Schreckliche sind sich ja oft so nah:  Am Weg immer wieder Infotafeln, die dokumentieren, was im Grenzgebiet in der Nachkriegszeit alles so geschah…Es ist kaum zu glauben, aber die tödlichste Grenze Europas im Kalten Krieg war genau hier zwischen Tschechien, Deutschland und Österreich.

Die Tafeln dokumentieren die Grenzbefestigungen und Kampfstände sowie befestigte Gräben im Wald, aus denen geschossen wurde. Heute verzaubert die Natur alles und über eingegrabene Bunker tanzen Schmetterlinge. In unseren gefährlichen und konfliktgeladenen Zeiten ging ich heute sehr nachdenklich durch die lichte Wildnis. Hoffentlich müssen wir nicht wieder solche Zeiten – kalte oder heiße Kriege – erleben, dachte ich…

#sumava #nationalpark #kalterkrieg #böhmerwald

Wir zwei unterwegs im Nationalpark
Blick auf den Arber

Und hier die Infotafeln:

Tschechische Grenzsoldaten im Graben
Ein noch sichtbarer Schießschacht
Einer der Panzerabwehrstände im Grenzgebiet Tschechien-Deutschland 1962

Sommerbrisenwiese im wilden Weitland – Der Böhmerwald

Unendlich und blühend – Die Wiesen im Böhmerwald

Dans le parc national Sumava en république Tchèque / Bohemian Forest in the Czech Republic

Dass Artenvielfalt glücklich macht, habe ich schon in der Kindheit festgestellt: Da blüht eben kein „Butterblumen“-Meer, da ist es im Sommer einfach richtig bunt. Heute standen wir vor einer Wiese, die war so weit, dass sie sich im welligen Horizont verlor. Und darin leuchtete es ziegelrot, rosa, zitronengelb und glasgrün.

Nebeneinander wiegten sich im selben Rhythmus Glockenblumen, Distel, Wundklee, Wiesen-Pippau und Fingerhut, begleitet vom Nicken der Adlerfarne und des Zittergrases. Immer wieder schüttelt der Wind alle Pflanzen durch. Irgendwo muhen Kühe. Und über all dem schwirren trunkene Falter.

Ja, Schönheit macht poetisch… Jedenfalls stelle ich wieder einmal fest, dass große offene Flächen, die extensiv bewirtschaftet werden, einfach viel artenreicher sind als Wälder.

Wer Interesse an solchen Themen hat, dem sei das Buch „Wildnis“ von Jan Haft empfohlen.

Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae)
Farbenprächtige Disteln
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Und hier die Wiese im Sommerwind. In diesem Video ist eine unendlich weite und artenreiche Wiese im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet bei Pustina zu sehen. Pflanzen, Blüten, Schmetterlinge wiegen sich rhythmisch im Wind. Ziemlich am Ende des Films sieht man kurz die Ruine eines besonders schönen fürstlichen Forsthauses im Wald sowie eine Erinnerungstafel an den Arzt, der dort gewohnt hatte. Dr. Zdeněk Kostrouch war eine beliebte Persönlichkeit im Böhmerwald und wurde auch „Arzt auf dem Pferd“ genannt. In den Jahren 1964 – 1993 lebte er in Hájenec Pustina. Kostrouch wollte ursprünglich als Arzt nach Afrika gehen, blieb aber im Böhmerwald. Seine erste Frau war Dr. Helena Kostrouchová – Ärztin in Kašperské Hory und Tochter von Ottla Davidová (Kafka), der Schwester des Schriftstellers Franz Kafka. Auf der Sterbetafel steht der Text: „Hier in Pustina lebte und arbeitete in den Jahren 1964 – 1993 MUDr. Zdeněk Kostrouch, ein kleiner, großer Mann, ein Arzt, der Licht und Fähigkeiten bringt, ein Retter, ein Träumer, ein Idealist, ein zutiefst menschlicher Mensch“