Our museum of local history. Notre musée d´histoire locale
Heute hatte ich mal wieder „Museumsdienst“, eine schöne Aufgabe….
Besonders spannend finde ich auch die vielen Geschichten, die jährlich in den Bad Birnbacher Heimatheften erscheinen. Der nächste Band, das Heimatheft 29, erscheint übrigens schon in den nächsten Wochen. Darin wird auch ein Beitrag über den uralten Leithenbauernhof veröffentlicht, den Berndt und ich geschrieben haben. Wir freuen uns jetzt schon darauf, bald den Band in den Händen halten zu dürfen!
Die Heimathefte
Die Ausstellung im „Alten Kloster“ gegenüber der Pfarrkirche ist interessant und empfehlenswert für alle, die gerne einen Überblick über die Geschichte der Gegend hätten. Übrigens, die historische Dauerausstellung „1200 Jahre Bad Birnbach“ kann sonntags (14 bis 17 Uhr) und montags (15 bis 17 Uhr) besucht werden. Eintritt frei.
Der 7. Oktober 1673 ist für Birnbach ein zentrales Datum. Denn an diesem Tag ging der Ort in den Besitz des Ratskanzlers Caspar von Schmid über. Dieser erhob Birnbach zur geschlossenen Hofmark. Das bedeutet, dass Birnbach nun einen einheitlichen Herrschafts- und Rechtsraum hatte und nicht mehr abhängig von Adelsgeschlechtern war.
Die Hochwasserkatastrophe von 1954 brannte sich tief in das Gedächtnis der Menschen ein. Statt einer Breite von üblicherweise 15 Metern erreichte die Rott nun stellenweise 1600 Meter. Damals verloren 2 Frauen aus Gries ihr Leben, Brücken waren eingestürzt, die Ernte vernichtet. 1964 folgte ein weiteres Hochwasser, bis die notwendige Hochwasserfreilegung erfolgte.
Der Bayerische Wald. Ja, ich liebe ihn. Ich freue mich, dass ich so nah am „Woid“ wohnen darf: Etwas mehr als eine Stunde Fahrt vom Rottal aus, und schon ist man da: In der Stille, der Ursprünglichkeit, mitten im „Urwald“. Ich freue mich an den tollen Farben, dem Geruch von Moos und Quellwasser, bewundere die Bilder, die der liebe Gott so malt, voller Licht und Schatten.
Schatten? Ja, Schattenseiten gibt es auch, und so langsam frage ich mich, ob ich diese nicht auch mal ansprechen sollte. Sonst befürchte ich, einen Trend der „heilen Welt“ zu unterstützen, der in der Tourismusindustrie inzwischen fast alltäglich ist. Denn die extremen Kontraste zwischen einer beinahe noch naturbelassenen Landschaft, einer alten Kulturlandschaft und der Moderne fallen hier manchmal besonders stark auf.
Heute bin ich mit Berndt den Zellertalradweg entlanggefahren. Gleich am Anfang ein beeindruckendes Erlebnis: Ein Mäusebussard läuft über eine Wiese und jagt nach Insekten und Mäusen. Welche Anmut! Wie schön, dass es noch Raum gibt für diese „wilden Erlebnisse“ in unserer modernen Welt. Denke ich.
Wir fahren weiter. Ruhe? Stille? Fehlanzeige. Das laute
Brummen von Dutzenden Traktoren begleitet uns auf unserer Tour. Was die machen?
Grassilage. Wer nicht weiß, was das ist, nun: das Gras wird etliche Male vor
der Blüte gemäht und in Silos gepresst oder zur Gärung luftdicht in Folie
gepackt.
Ich werde alt…Woran ich das merke? Daran, dass das Wort „früher“ mir durch den Kopf geht. Zum Beispiel: „Früher haben die Kühe Heu gefressen.“ Dank des vielen Mähens blüht es fast nirgendwo mehr. Die Wiesen sehen so grün aus, so ordentlich wie diejenigen der Märklin-Modellbahnanlagen meiner Kindheit. Hach, schon wieder „früher“?
Sillageballen im Bayerischen Wald
Wir strampeln weiter und versuchen, den Traktoren und Unimogs auszuweichen, die uns in großer Geschwindigkeit auch auf der Straße entgegenkommen. Plötzlich ein Holzhaus. Mein Herz geht auf. Ein altes Bauernhaus, das von der Vergangenheit spricht. Ich fahre näher heran. Es scheint schon lange nicht mehr bewohnt zu sein. Ist der Besitzer alt oder verstorben? Was wird mit dem charmanten Häuschen passieren? Wird es abgerissen? Entsteht dann dort ein Neubau?
Welche Zukunft erwartet das schöne Bauernhaus?
Nun fahren wir in ein Städtchen, das am Radweg liegt. Eine Oase des Genusses inmitten intakter Natur soll es sein. Sagt Google. Schade, dass das überdimensionierte Gewerbegebiet den Blick auf das Städtchen verdeckt. Vor wenigen Tagen habe ich einen Vortrag über die identitätsstiftende Funktion des Denkmalschutzes besucht. Der Referent sagte: „Auch die kommenden Generationen haben ein Recht auf Schönheit.“ Schönheit, ein Menschenrecht. Den Gedanken fand ich sehr inspirierend.
Auch eine Realität…
Stiefmütterchen und Glasblumen
Wir kommen an einer Gärtnerei vorbei, die Stiefmütterchen produziert. Jetzt geht es vorbei an einem berühmten „Glasdorf“. Es packt mich der Teufel und ich denke: Ja, da gehe ich jetzt rein! Dass Menschen Hunger nach Natur haben ist offensichtlich: Blumen, Schmetterlinge, Frösche. All diese „Glasnatur“ schreit einen mit grellen Farben und komikhaften Formen an: „Kauf mich!“. Da draußen sind sie ja kaum noch zu sehen, die Schmetterlinge, Blumen, Frösche. Hier können wir sie haben. Und noch den heiligen Spruch dazu: „Schaue nie zurück!“.
Ich will aber zurückschauen. Ich glaube nicht, dass wir ein
besseres Leben haben oder mehr Glück empfinden, wenn wir nur nach vorne
schauen. In der Vergangenheit liegen meine Wurzeln, meine Identität. Es ist mir
jedoch auch klar, dass der Blick nach vorne spannend ist und es die heile Welt nirgendwo
gibt. Aber vielleicht lassen sich Tradition und Moderne doch irgendwie sanfter
kombinieren? Gibt es keine Alternativen zu diesen gewaltsamen Kontrasten? Muss
es so sein? Ich hoffe auf eine fantasievolle und – ja – auch „schöne“ und „gute“ Verbindung
der beiden Aspekte. Um zu solchen Alternativen zu finden, dürfen wir wohl kaum
den anderen Teil des Spruches als Handlungsanweisung ernst nehmen: „Tu was du
willst und steh dazu“. Denn um Extreme zu verbinden, muss man bereit sein,
Kompromisse zu machen und neue Wege zu suchen. Das geht nicht mit dieser „Ich
tu was ich will“ – Mentalität.
Das Tierfreigelände ist Teil des Nationalparks Bayerischer Wald. The Wildlife Enclosure is part of the Bavarian National Park. (In English below)
Les enclos des animaux sauvages font part du parc forestier national de Bavière.
Das große Gehege des Braunbärs im Tierfreigelände Lusen
Heute sind wir von der Poschinger Hütte im Zellertal zum Tierfreigelände gefahren. Das ist der einzige Tierpark, in dem ich kein schlechtes Gewissen bekomme: Die Tiere leben in großräumigen, naturnahen Gehegen mitten im Wald.
Highlight war heute eindeutig der Braunbär. Er war sehr damit beschäftigt, größere Steinbrocken in seinem Teich zu verrücken, um darunter nach Nahrung zu suchen. Immer wieder fand er Pflanzenteile, die er sich genau anschaute. Und zuletzt fischte er sogar ein Rehbock-Geweih heraus und kaute darauf herum. Ein toller Fund! Die wenigen Besucher (es regnete meist in Strömen) empfanden das Schauspiel auf unterschiedliche Art und Weise.
Die Frauen: „Och, der ist ja so süß, wie ein Teddybär!“
Die Männer: „Der hat ne Mordskraft, ganz schön gefährlich!“
Auch andere Tiere bekamen wir zu Gesicht. Die Wölfe nicht. Dafür die Luchse, die wir nur hinter einem dichten Vorhang an Regen erhaschen konnten.
Luchse hinter einem Regen-Vorhang
Embedded in a wild forest landscape, large enclosures and aviaries were built. Wolves, brown bears, lynx and wildcats can be admired in a natural habitat. We could observe the brown bear fishing in his pond …At the end, he found the antlers of a roebuck! We also saw the lynxes but it was difficult to take pictures because of the rain.
Schon immer hat mir die Definition eines Sprachwissenschaftlers
gefallen: Dialekte sind Sprachen ohne Pass. Die Vielzahl der Mundarten steht neben
den jeweiligen Hochsprachen und erweitert sie mit interessanten und witzigen
Sprachvarianten. Ich bin zwar „dialektlos“ aufgewachsen, liebe aber
diese regionalen Ausdrucksweisen. Höre ich den Dialekt von Marseille, rieche
ich schon das Meer, bei dem von Neapel höre ich Musik… und Bayerisch mag ich
einfach. Was ich nicht mag, ist die Hierarchisierung von Mundarten: die ist
edel, die andere „primitiv“. „Waidlerisch“ wird beispielsweise auch von anderen
Niederbayern belächelt. Man könne das gar nicht verstehen. Das kann ich nicht
ganz nachvollziehen.
Aber ich muss schmunzeln, wenn sich „Zuagroaste“ aus
Düsseldorf und Flensburg erfolglos die Zunge an den Bayerischen Diphthongen
brechen.
Eigentlich wollte ich etwas anderes erzählen: während unseres Aufenthaltes in einer Gaststube im Wald, saß plötzlich ein waschechter Bayer am Tisch. Unter dem mit Abwurfstangen verzierten Rotwildschädel aus Gips las er die Bild-Zeitung mit einer großen Lupe. An seinem Hut prangte der Gamsbart; Lederhose, Trachtenjacke und sich auf der Brust kreuzenden Hosenträger runden das Bild des „perfekten“ Oberbayern ab. Ich blicke erstaunt rüber, mache eine schnelle Skizze und denke an Szenen vom Bauerntheater…bis der Bayer den Mund aufmacht. Und siehe da, er kommt aus Hamburg und das hört man!
Randonnée en vélo
dans notre belle région en Basse-Bavière. Nous a´vons vu un busard des roseaux
aujourd’hui et les vaches sont allées à l´église.
Radltour durch das Rottal. Das heutige Highlight: eine Rohrweihe (Circus aeruginosus) auf der Jagd! Es ist das erste Mal, dass wir eine gesehen haben. Abgesehen davon war Frau Fasan mit dem Gatten unterwegs und die Frösche ganz besonders liebestoll. Heute ging selbst das Fleckvieh zur Kirche…