Knochenarbeit und Eisernes Pferd

A guided tour through a small nature conservation area in our surroundings in Lower Bavaria

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Botanische Raritäten im niederbayerischen Rottal

Erst vor kurzem habe ich erfahren, dass sich ganz in unserer Nähe ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet befindet. Alle FFH-Gebiete in der EU bilden ein mehr oder weniger zusammenhängendes Biotop-Netz, das unter dem Oberbegriff „Natura 2000“ geführt wird.

Der Pflanzenexperte Christoph Stein führte uns am Sonntag mit großer Fachkenntnis und ansteckender Begeisterung durch das FFH-Gebiet Reslberg/Triftern im niederbayerischen Rottal, eines der bedeutendsten Schutzgebiete im Landkreis. Von den ca. 1000 Pflanzenarten im Rottal-Inn befinden sich ungefähr 400 allein auf dem 120 Hektar großen Gebiet, in dem sich botanische Raritäten konzentrieren, darunter auch mehrere Arten Torfmoose und Farne.

Die Exkursion wurde von der Kreisgruppe Bund Naturschutz Rottal-Inn organisiert.

Obwohl wir uns im tertiären Hügelgelände auf nur ca. 400 Meter Höhe befinden, wachsen hier einige Pflanzen, die man ansonsten nur in höheren oder alpinen Lagen findet, wie zum Beispiel der Blaue Eisenhut.

Wie schon bei anderen Naturführungen wurde wieder klar, dass der im letzten Jahrhundert gegründete Trend zur Fichten-Monokultur sich sehr negativ auf die Biodiversität auswirkt: Fichtennadeln übersäuern den Boden, die Bäume ziehen den Borkenkäfer regelrecht an. Würde der Mensch nicht mehr in die natürlichen Kreisläufe eingreifen, würde in Deutschland die Rotbuche dominieren. Zurzeit befindet sich jedoch nur eine einzige Rotbuche im ganzen Gebiet.

Richtig faszinierend war es, die verschiedenen Arten und Unterarten von seltenen Pflanzen kennen zu lernen und ihre Schönheit zu bewundern. Da die Hänge am Altbach natürlich terrassiert sind, entstehen viele unterschiedliche Biotope, je nachdem, wie feucht der Boden ist und wie mager oder fett er ist. „Dabei halten sich die Pflanzen nicht immer an die Theorien der Lehrbücher“, schmunzelt Herr Stein. Hier eine kleine Auswahl der Pflanzen, die er uns zeigte:

Adler-, Dorn- und Buchenfarn, Riesenschachtelhalm, Heilziest, gelb blühender Blutwurz, wunderschöne Orchideen wie das Fuchs’sche Knabenkraut oder der Sumpfwurz sowie Gilbweiderich, der seltene Goldschopfhahnenfuß, Waldläusekraut, Sonnentau und das fleischfressende gewöhnliche Fettkraut. Selbst das seltene Sumpfglanzkraut wurde hier nachgewiesen.

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Wollgras und Orchideen

Manche Pflanzen sind Zeiger von mageren, andere von überdüngten Wiesen. Wie kann denn eine Wiese in einem geschützten Gebiet überdüngt sein? Zu meinem tiefen Erstaunen erfahre ich, dass die Ursache auch starke Ammoniakemissionen und Stickstoffkombination in der Luft sein kann, die durch landwirtschaftliche Düngung aber auch durch Umweltverschmutzung durch Verkehr erzeugt werden.

Um der Überdüngung, die auf offenen Flächen zum Beispiel Schilfwuchs und Honiggras fördert, werden die offenen Flächen im Gebiet unter großem körperlichen Einsatz zweimal im Jahr mit Handgeräten gemäht. „Knochenarbeit“ nennt es Herr Stadtlthanner, ein Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes, der die Führung begleitete. Auch ein gummibereiftes Gerät mit dem lustigen Namen „Eisernes Pferd“ kommt dabei zum Einsatz.

Während der kurzen Wanderung durch Wald, über Pfeifengraswiesen und am Bach entlang wird immer deutlicher, dass die Artenvielfalt in dieser Gegend nur erhalten und gefördert werden kann durch die Bemühungen von kompetenter Pflege. Denn wo jetzt breitblättriges Wollgras und Orchideen um die Wette blühen, standen noch in den 80-er Jahren Fichtenmonokulturen.

Auf den Flächen, die der Landkreis erwerben konnte, sind wieder offene Flächen geschaffen worden, wie sie es vermutlich vor 200 Jahren noch waren. Damals wurden diese Flächen noch bewirtschaftet oder beweidet. Leider ist ein stabiler Dauerzustand trotz aller Bemühungen des Naturschutzes und ausgetüftelten Strategien von Experten und Botanikern noch lange nicht erreicht, obwohl sich die Lage gebessert hat. Die Kuckuckshyazinthe sowie der Lungenenzian, die hier vor Jahrzehnten nachgewiesen waren, fehlen immer noch.

Offene Streuwiesen, Kalkflachmoore, Waldsümpfe und Pfeifengrasstreuwiesen, die in den Waldflächen eingestreut sind, sind leider sehr selten geworden.

Ohne Schutzmaßnahmen und die Arbeit von Bio-Landwirten wäre unsere Landschaft inzwischen eine Mais – und Fichtenmonokultur. Und wer will schon in einer solchen sterilen Wüste leben?

Einige meiner hier gezeigten Fotos wurden nun auch in der Presse veröffentlicht:

PNP-Beitrag-Botanische-Raritäten

 

Klöster und Schwalben

Visiting Weltenburg Abbey in Bavaria with our hiking group.
Impressionen der heutigen Fahrt zum Kloster Weltenburg mit unserer Wandergruppe. https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Weltenburg

Kiebitzbabies – Lapwing babies!

A lapwing couple bred successfully in our area. We were so happy to discover the little ones today!

Mit großer Begeisterung konnten wir heute beobachten, wie das Kiebitzpärchen, von dem ich bereits berichtet hatte, seine Kleinen auf dem Acker spazierenführte! Das Nest hatten wir bereits am 3. April gesehen und dem LBV Rottal-Inn gemeldet, damit es nicht niedergemäht werde. Letztes Jahr hatte das Pärchen erfolglos gebrütet.

Dieses Jahr hat es geklappt! Vier Eier hatten wir im Nest gesehen und heute sahen wir zwei Miniaturkiebitze über den Acker unter dem wachsamen Auge der Eltern herumflitzen. Kiebitze sind Bodenbrüter und die Kleinen Nestflüchter. Somit sind sie ganz besonders gefährdet. Wir wünschen der kleinen Familie, dass sie den Sommer im Rottal gut übersteht und nächstes Jahr wieder bei uns brütet…

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Freileitung oder Erdverkabelung im ländlichen Bad?

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Die geplanten Masten werden 70 Meter hoch anstatt der 40 Meter der bestehenden Masten

Der von Privatinvestoren finanzierte niederländische Konzern TenneT plant eine Monstertrasse als Freileitung, die ausgerechnet direkt am ländlichen Bad vorbeiführen soll, da die alte Trasse Pirach-Pleinting ersetzt werden soll. Das Projekt soll 2024 durchgeführt werden. Die Masten der alten Trasse sind bereits 35 Meter hoch. Nun sollen die beinahe doppelt so hohen Masttypen „Donaumast“ oder „Tonne“ eingesetzt werden. Auf der Informationsveranstaltung der Tennet am 17. April 2018 versicherten uns Experten, in der aktuellen Planung sei keine Erdverkabelung vorgesehen. Man halte sich an gesetzliche Vorgaben, die die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stellen. Die genaue Trasse stehe noch nicht fest; man prüfe, ob man sich an der alten Trasse, die sich nur circa 200 Meter von der Wohnsiedlung im Lenghamer Feld befindet, orientiere, alternativ eine Schneise durch den Lugenz-Wald schlage oder eine andere Trassenführung vorschlage.

Im Sommer 2018 wurden mehrere Varianten vorgestellt . Abstände zwischen Behausungen oder Schutzgebieten und den Masten seien nur als Grundsatz vorgegeben; man könne somit die Richtlinie von ca. 200 Metern auch unterschreiten. Ein Pilotprojekt, das Erdverkabelung ermöglichen würde, sei weder geplant noch bisher in Bayern für Wechselstromtrassen realisiert worden.

Dass die Stromversorgung der Bürger gewährleistet werden muss, ist selbstverständlich. Dass jedoch bei der Abwägung der Trassenführung und der Entscheidung für Freileitungen anstatt von Erdverkabelung wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund stehen, ist im ländlichen Bad eigentlich nicht akzeptabel. Denn hier hat man hat sich vor vielen Jahren bewusst dafür entschieden, den ländlichen Charakter des Kurortes zu erhalten. Auch die Einhaltung dieser Leitsätze kostet Zeit und Geld und macht die Anziehungskraft und den Erholungswert des Ortes aus. All diese Bemühungen würden durch eine solche Freileitung gefährdet.

Ob Tennet nun die bis zu 70 Meter hohen Masten, die den Kirchturm bei weitem überragen würden, nun direkt an der Wohnsiedlung vorbeiführt oder dafür eine Schneise durch den herrlichen Lugenzwald schlägt, in dem die berühmte Holzkapelle aus dem 18. Jahrhundert steht, beides erscheint uns als Frevel. Vielleicht lässt sich eine Erdverkabelung ja doch realisieren? Hierzu müsste lediglich das Energiewirtschaftsgesetz in Berlin ergänzt werden.

Die Bedeutung von Kurorten hat seit der Corona-Pandemie stark zugenommen.
Eine gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erarbeitete Kompaktkur „AGES – Aktiv gegen Erschöpfung und Stress“ wurde erst im Jahr 2020 von allen deutschen Krankenkassen zugelassen. Diese Kur hat als wichtigen Baustein eine Entspannungs- und Bewegungstherapie, die auch in der Natur stattfinden soll. Aktivitäten unter der neuen Trasse hätte nicht mehr die selbe entspannende Wirkung.

Für die Leitung ist aktuell keine gesetzliche Grundlage im BBIG für eine (Teil-)-Erdverkabelungsoption gegeben. TenneT hat demzufolge aktuell keine Handlungsgrundlage, das Projekt als Erdkabelprojekt zu planen.

Bad Birnbach hat sich schon vor Jahrzehnten verpflichtet, den ländlichen Charakter des Kurortes zu erhalten. Die neuen, doppelt so hohen Masten stören optisch das Bild des „ländlichen Bades“ gewaltig.

Eins darf man jedoch nicht vergessen: Auch Erdverkabelung hat NACHTEILE: Es wird wesentlich mehr Boden als bei der Freileitung beansprucht und die Erdbereiche werden durch die Kabel stark erwärmt. Alles hat zwei Seiten.

Hier noch ein Beitrag der Süddeutschen zu dem Thema: http://www.sueddeutsche.de/bayern/netzausbau-plaene-fuer-umstrittene-stromautobahnen-nach-bayern-sind-fertig-1.3409158

und von Nordbayern.de:

http://www.nordbayern.de/region/neumarkt/monstertrasse-verlauft-sicher-durch-ostbayern-1.4839151

Mahnfeuer gegen die Monstertrasse in Perach: 

https://www.pnp.de/lokales/landkreis_altoetting/neuoetting_toeging/3045486_Gegen-380-kV-Das-Holzland-brennt-fuer-die-Heimat.html

We are for underground cabling and against an open high-voltage transmission line in our rural area.

At the lake Chiemsee

Heute am Chiemsee…endlich Sonne! Das Schönste Erlebnis war, dem Kleiber zuzuschauen, wie er seine Kleinen fütterte….