Saturday for flora

A seminar to learn more about plant identification organized by our youth group “Green Earth”

Pflanzenvielfalt live – eine botanische Exkursion

Die heimische Flora anfassen, um sie zu begreifen

Die Teilnehmer des Pflanzenseminars mit dem Experten Christoph Stein (ganz links)

Am Samstag fand eine Veranstaltung der BN-Jugendgruppe „Green Earth“ mit dem Pflanzen-Experten Christoph Stein unter dem Motto  „Pflanzenvielfalt live“ in Eggenfelden statt.

Pflanzen sammeln, um sie zu bestimmen
Junge Menschen mit „grüner Seele“

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich die Teilnehmer, darunter viele Aktive der BN-Green Earth“-Gruppe, aber auch „Junggebliebene“ am Schlossweiher in Gern ein. Dort begrüßte die Leiterin der Jugendgruppe, Emma Riedler, alle Gäste. Danach betonte BN-Kreisvorsitzender Dr. Jürgen Riedler, dass nicht nur die Arten weniger würden, sondern auch diejenigen, die die Arten überhaupt erkennen könnten. Aber nur was man kenne, könne man schützen.

Anschließend äußerte sich Martin Roiner, Umweltreferent der Stadt Eggenfelden, zu der Exkursion. Im Hinblick auf die Freitagsdemos „Friday for Future“, wies er darauf hin, dass reden gut sei, aber in Sachen Umweltschutz auch etwas getan werden sollte. Er freute sich, dass die Jugendgruppe so aktiv sei. „Denn gerade junge Menschen mit einer „grünen Seele“, sorgen dafür, dass man um die Zukunft nicht bangen muss“, so der Umweltreferent.

Experte Christoph Stein stellte sich als gebürtiger Eggenfeldener vor. Er habe schon in den 70er und 80er Jahren als Leiter der damaligen BN-Jugendgruppe botanische Exkursionen im Lichtlberger Wald, den er „wie seine Westentasche kenne“, organisiert. Er freue sich sehr über die Gründung der neuen Jugendgruppe und schloss mit Blick auf die jungen Teilnehmer: „Die Hauptakteure seid nun ihr“.

Im Lichtlberger Wald
„Grünes Zeug“ wird gesammelt

Nun ging es in den angrenzenden Wald. Dort wurden die Jugendlichen aufgefordert, sich in Gruppen aufzuteilen und „grünes Zeug“ zu sammeln. Dabei sollte sich jede Gruppe jeweils auf eine bestimmte grob gefasste Pflanzengattung fokussieren. So sammelte eine Gruppe nur blühende Pflanzen, eine andere nichtblühende, die zwei weiteren jeweils Gräser und Äste. Stein ermutigte während der Exkursion immer wieder dazu, Blätter und Stiele der Pflanzen anzufassen und sich zu fragen: sind die Blätter nun glatt oder wollig, die Grashalme knotig, rund oder kantig?

Pflanzen muss man anfassen, um sie zu bestimmen

„Es ist wichtig, Pflanzen anzufassen, um sie zu begreifen; Fotos reichen da nicht aus.“ Außerdem solle man sich merken, wo welche Pflanzen wachsen: mögen sie es eher schattig und feucht oder blühen sie in der prallen Sonne?

Immer wieder machte der Experte auf bestimmte Pflanzen aufmerksam: Hier wachse die Bachnelkenwurz, die bayernweit schon auf der Roten Liste sei; dort blühe eine Akeleiblättrige Wiesenraute. Diese wurde sogleich mit einer am Rand eines Gartens gesammelten Akelei verglichen; die erstere sei heimisch, die zweite eine gezüchtete Zierpflanze. Stein deutete jetzt auf eine feuchte Stelle im Waldboden: hier entfalte sich um den seltenen wolligen Hahnenfuß eine ganze Pflanzengemeinschaft mit Ehriger Teufelskralle, Goldnessel und knotigem Beinwell. „Das ist etwas ganz Besonderes“, so Stein.

Auf den Blättern der Traubenkirsche zeigte Stein den interessierten Betrachtern Wespeneier und wies darauf hin, wie wichtig bestimmte Pflanzen für Insekten seien. „Die Grundlage des Insektenschutzes ist der Erhalt einer artenreichen Flora“, so der Botaniker.

Obwohl Stein den Wald schon seit Jahrzehnten kenne, entdecke er doch immer etwas Neues, in diesem Fall den Wolfs-Eisenhut, der am Wegesrand steht. Denn die Natur verändere und entwickle sich stetig. Der Eisenhut wurde aufgrund seines Seltenheitswertes, aber auch wegen seiner Giftigkeit nicht gesammelt. Dies sei das einzige Vorkommen dieser Art im Raum Eggenfelden.

Die Pflanzen wurden auf eine Decke gelegt, um sie besser bestimmen zu können
Eine Ringelnatter im Weiher

Am großen Weiher, an dem Halt gemacht wurde, staunten alle Teilnehmer: Gerade schwamm eine Ringelnatter durch das Wasser.

Zuletzt wurden alle Pflanzen auf einer Decke  vor der Schutzhütte ausgebreitet, bestimmt und aufgelistet. In Bestimmungsbüchern suchten nun die jungen Naturforscher nach weiteren Bestimmungsmerkmalen, sodass jede Gruppe  nun ihre Funde den Anderen vorstellen konnte. . Insgesamt wurden ca. 50 Arten bestimmt und in eine Fundliste eingetragen.

Teufelskralle und Kälberkropf

„Die Zeit verging wie im Fluge“, schlossen die begeisterten Teilnehmer. „Viele Pflanzen kannten wir nicht. Aber jetzt werden wir etwas anderes sagen können als „Gänseblümchen“, wenn wir nach der heimischen Natur gefragt werden. Zum Beispiel so lustige Namen wie „Teufelskralle“ oder „Kälberkropf“.“

BN-Jugendgruppe "Green Earth" beim Pflanzenseminar in Eggenfelden
PNP Nadia Baumgart
Beitrag in der PNP

Beunruhigende Tatsachen

Ich freue mich sehr, nun Berichte über die Tätigkeiten und Veranstaltungen des Bund Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn verfassen zu dürfen. Hier mein erster Beitrag über den gestrigen Vortrag in Eggenfelden über die Wirkungen von Glyphosat:

Beunruhigende Tatsachen

Eggenfelden – Vortrag von Prof. emer. Dr. Monika Krüger über die Auswirkungen von Glyphosat auf Nutztiere und Mikroorganismen

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Glyphosat. Bei diesem Begriff kommen einem schnell allerlei Assoziationen: Bienensterben, Krebs, Monokulturen. Andererseits liest man immer wieder, der Einsatz des Herbizids sei harmlos und ganz unbedenklich. Das Thema erlangte wieder besondere Relevanz, als in diesem Jahr die Firma Bayer das amerikanische Unternehmen Monsanto kaufte.

Der am 11. Oktober im Stadtsaal von Eggenfelden gehaltene Vortrag der Veterinärmedizinerin und Mikrobiologin Prof. emer. Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig schaffte mehr Klarheit und viel Betroffenheit. Unter dem Motto: „Glyphosathaltige Herbizide – Fluch oder Segen für Landwirtschaft und Verbraucher?“ wurden die Wirkungen des Mittels aufgezeigt.

Die vom BUND Naturschutz Kreisgruppe Rottal-Inn, in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Katholischen Landvolkbewegung, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und dem Kreisverband Bayerischer Imker organisierte Veranstaltung war mit weit über 100 Teilnehmern sehr gut besucht.

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Zunächst wurde geklärt, was Glyphosat überhaupt sei, nämlich ein systemisches und nicht selektives Herbizid, das seit den 70er Jahren von Monsanto produziert und seit Mitte der 90er Jahre mit der Entwicklung von glyphosatresistenten Saatgütern verstärkt eingesetzt wird. Weltweit wird das Totalherbizid in mehr als 100 Ländern benutzt. In Deutschland findet es inzwischen auf ca. 40% der Agrarflächen, aber auch auf Nicht-Agrarflächen, wie z.B. in Baumschulen und auf den Gleisen der Deutschen Bahn Anwendung. Heute werden hier 105 glyphosathaltige Mittel eingesetzt.

Anhand einer Vielzahl von internationalen Studien und eigenen Forschungen erläuterte die Referentin die Wirkungen des Totalherbizids. Der langfristige Einsatz über mehrere Jahre reduziere eindeutig die mikrobielle Biodiversität von Böden und somit auch die Bodenfruchtbarkeit. Es wirke u.a. wie ein Antibiotikum, hemme somit das Wachstum von Bakterien und Pilzen mit positiver Wirkung auf unseren Organismus und fördere die Ausbreitung von krankheitserregenden Keimen, die letztlich über die Nahrungsmittel auch in den menschlichen Körper gelangen…

Glyphosat kann in Proben von Menschen, Tieren und in Futtermitteln nachgewiesen werden. Da jährlich ca. 38 Millionen Tonnen GVO-Soja (Gentechnisch veränderte Organismen) insbesondere von USA, Brasilien und Argentinien importiert werden, erfolge die Kontamination von Menschen und Tieren in Europa hauptsächlich über die Nahrung oder durch importiertes Tierfutter. Sogar Katzen- und Hundefutter enthielten hohe Mengen an Glyphosat. Nicht nur im Urin, sondern auch in Organen und Fleisch sei die Chemikalie nachweisbar. In USA und Südamerika, wo das Mittel schon in den 70ern zugelassen wurde, sei es schon im Trinkwasser angelangt.

Außerdem sei es in Baumwollprodukten, wie zum Beispiel Verbandsmaterial und Tampons, aber auch im Bier zu finden… Ganz besonders erschreckend sei, dass Kleinkinder inzwischen sogar stärker kontaminiert sind als Erwachsene.

Danach widmete sich die Referentin den Erkrankungen, die durch Glyphosat ausgelöst werden. Auffallend ist zunächst ein im Zusammenhang mit verstärktem Einsatz proportionaler Anstieg von chronischem Botulismus, einer lebensbedrohlichen Vergiftung, bei Kühen. Das Herbizid erzeugt außerdem Mangelsituationen in Tieren; insbesondere bestimmte Spurenelemente und Vitamine können nicht mehr aufgenommen werden, sodass der Stoffwechsel schwer geschädigt wird. Es beeinflusst insbesondere die Magen-Darm-Flora letztlich auch im Menschen, aber beispielsweise auch bei Bienen, schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko von Autoimmunerkrankungen.

Es schädigt Organe, beeinflusst den Leberstoffwechsel, zerstört Hormone, reduziert die Fruchtbarkeit und produziert u.a. langsame, kaum heilbare Entzündungen. Laut einer Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) von 2015 ist es wahrscheinlich krebserregend. Die Fotos von schwer missgebildeten Ferkeln, in denen Glyphosat nachgewiesen wurde, erzeugten bei allen Teilnehmern tiefes Unbehagen.

Zuletzt sprach Prof. Dr. Monika Krüger Lösungsansätze an. Kurz- und mittelfristig sei durch Einsatz von Huminsäuren, Pflanzenkohle und Zeolithen die Glyphosatwirkung auf Menschen, Tiere und Böden zu neutralisieren. Langfristig sei ein schrittweiser Ausstieg erstrebenswert und möglich. Auch digitale Technologien und moderne Bewirtschaftungsformen aus dem Biolandbau sollten vermehrt in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.

„Wir erkennen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagte die Referentin. Es müsse mehr nach komplexen Zusammenhängen geforscht werden, um die Wirkungen auf Gesundheit und Insektensterben abzuklären. Notwendig seien auch mehr Forschungsmittel für unabhängige Institute zur Erstellung tiefergehender Studien.

Im Anschluss an den spannenden Vortrag fand eine lebhafte Diskussion statt, in der verschiedene Standpunkte über konventionelle und ökologische Landwirtschaft ausgetauscht wurden mit dem Ziel, zukunftsträchtige Lösungen zu ermitteln. Alle Teilnehmer nahmen von dem anregenden Abend viele, teils beunruhigende Erkenntnisse und viel Nachdenklichkeit mit.

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Ich freue mich, dass mein Artikel auch in der lokalen Presse PNP veröffentlicht wurde:

https://plus.pnp.de/lokales/pfarrkirchen/3108273_Glyphosat-Fluch-oder-Segen.html?fbclid=IwAR1Canfh6UJGyVpoj8gaIEtyxTioiAx8sNmR8lMwD0nUTp9FIxsnU1yn6vU

https://rottal-inn.bund-naturschutz.de/aktuelles.html#c104773

Glyphosat

 

Was ist Heimat?

This article is about a recent meeting of the Green Party in Bavaria, the goals and election campaign for the upcoming federal elections.

In Bayern fällt dieses Schlagwort zurzeit sehr oft. Man will die Heimat schützen, bewahren, erhalten, genießen.

Heimat…Geht es da nur um Trachten und Volksfeste? Gehören Naturgenuss und Artenvielfalt nicht auch dazu? Und die Verantwortung für die nächsten Generationen? Gerne zeigen wir auf China und Indien, diese Nationen würden ja mehr Dreck produzieren. Allerdings ist der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 bei uns viel höher…All dies wurde gestern beim Wahlkampfauftakt der Grünen Rottal-Inn angesprochen.

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Die Grünen während des Wahlkampfauftaktes in Eggenfelden – Ganz links Mia Goller

Bei diesem ersten Termin mit der Spitzenkandidatin für Niederbayern und Direktkandidatin für Rottal-Inn Mia Goller, ging es hauptsächlich um Naturschutz. Die Ziele zum Bildungs- und Sozialbereich werden in den nächsten Terminen diskutiert.

Normalerweise spreche ich ungern von Politik, aber in diesem Jahr ist es mir ein Bedürfnis, Wahlveranstaltungen zu besuchen und auch darüber zu reden. Denn die Atmosphäre ist zurzeit sehr konfliktgeladen, und da möchte ich mich zu meinen  Werten bekennen.

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Die Passauer „Saudiandl“

Die spannenden Themen, die von allen Rednern, aber insbesondere vom Fachmann für Naturschutz Christian Magerl, auf den Punkt gebracht wurden, möchte ich hier einmal stichpunktartig, wenn auch unvollständig, zusammenfassen:

Der Klimawandel ist schon da
• Klimaschutz ist Menschenschutz
• Moorschutz ist der billigste Klimaschutz
• Der Flächenfraß muss reduziert werden
• Ein dritter Nationalpark in Bayern ist nötig

Die im Jahr 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele sind von 196 Mitgliedstaaten unterschrieben worden. Auch von Deutschland…

Und doch wird an der Verkehrspolitik nichts verändert, obwohl auch der Verkehr an den hohen Stickstoffbelastungen beteiligt ist. Und doch werden zu viele Pestizide und auch Glyphosat zugelassen. Und doch werden Ersatzgelder für den Bau von Sendemasten und Windrädern, die bisher in Naturschutzfonds flossen, in Bayern nun in die konventionelle Landwirtschaft umgeleitet. In Bayern würden schöne Broschüren zu Naturschutzprogrammen entstehen, jedoch nicht genug Geld und Personal für die Umsetzung bereitgestellt. Selbst in ausgewiesenen FFH-Gebieten schrumpften Biotope mangels Personal und Beratung, so Herr Magerl.

 

Das Ziel der Bundesregierung, die Roten Listen gefährdeter Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten zu verbessern, kann somit nicht erreicht werden. Inzwischen sind ca. 50% der von uns bekannten Tiere auf der Roten Liste…Und ca. 40 % der Pflanzen.

Günther Reiser schilderte am Anfang eindrücklich die verheerende Auswirkung eines Gülle-Austritts bei einer Biogasanlage in Arnstorf im Jahr 2015 auf den ehemals fischreichen und inzwischen bereits verschlammten Kollbach. Der sei auf viele Jahre „biologisch tot“. Herr Reiser sprach von seiner emotionalen Betroffenheit angesichts des toten Baches, an dessen Ufern er aufgewachsen ist, in dem er als kleiner Bub mit primitiven Mitteln oder gar mit der Hand Fische im glasklaren Wasser fing. Tausende von Weißfischen sah er dort im Kies laichen. Der Kies ist nicht mehr zu sehen: darüber lagern dicke Schlammschichten.

Auch ohne solche Unfälle ist zu sehen, dass Bäche und Gewässer zunehmend verschlammen und verarmen.

Da es in dem Lokal, in dem wir uns trafen, schon recht dunkel war, gelang mir nur ein Foto, ansonsten habe ich Skizzen der Redner und der „Passauer Saudiandl“ gemacht, die die Veranstaltung mit ihren frechen und witzigen Songs im niederbayerischen Dialekt musikalisch untermalt haben.

Zum Schwund der Fasane aufgrund von „Maiswüsten“, den Fritz Kempfler ansprach, hier ein kleines Trostpflaster: vor wenigen Tagen liefen uns junge Fasane über den Weg, einen habe ich mit der Kamera erwischt. Hoffentlich werden diese eleganten Tiere nicht ganz aus unserer Kulturlandschaft verschwinden:

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Junger Fasan in Bad Birnbach