Aquarelle peinte en plein air juste à côté
de chez nous
Rottaler Landschaft. Heute habe ich mich an den Rand des Lugenzwaldes auf die Bank gesetzt und versucht, die Landschaft einzufangen. Das Licht war richtig toll, einladend, man konnte sogar die Alpen sehen am Horizont.
Nun sind wir zurück und ich möchte noch die Eindrücke der letzten Tage im Bayerischen Wald schildern. Meine Seele ist ausgefüllt von der gelben Farbexplosion von Buchen und Eschen zwischen schwarzdunklen Fichten, an deren Astspitzen die Nadeln im Licht tanzen.
Ein Waldbesitzer in seinem Forst
Alte Holzhäuser
Auf der letzten Radtour habe ich mich mit einer Hausbesitzerin unterhalten. Sie arbeitete gerade im Garten vor ihrem Haus aus massivem Holz, das mit dekorativen Schindeln geschmückt ist. Es soll abgerissen werden, dieses alte Haus. Es entspräche nicht mehr dem Geschmack der inzwischen erwachsenen Kinder. „Aber vielleicht gefällt es in einigen Jahrzehnten den Enkeln?“, gebe ich zu Bedenken. Sie zuckt mit den Schultern. Das neue Haus steht schon gegenüber. Nur einziehen kann sie noch nicht. „Es ist so fremd“. Wenn die alte Heizung den Geist aufgibt, spätestens dann wird umgezogen. Schade, denke ich.
Später im Wald begegnen wir einem Waldarbeiter. Soeben hat er eine riesige Lärche gefällt, die mit dumpfen Ton auf den Waldboden aufschlägt, als wir an einer Bank rasten wollen. So kommen wir ins Gespräch. In der lichtdurchtränkten, duftenden und atmenden Ruhe des Waldes unterhalten wir uns über Forstwirtschaft, Klimawandel und Borkenkäfer. Ich darf ein Bild von ihm machen. Er steht in dem Wald, den sein Großvater vor über 60 Jahren gepflanzt hat. Man spürt, dass er seinen Wald liebt. Die Lärche braucht er, um sein Haus neu zu vertäfeln. Schön, denke ich. Denn so wird das Holz sinnvoll eingesetzt und bleibt in der Region. Als wir losfahren, schaue ich noch einmal zurück und frage mich, wie dieser Wald in 10 Jahren aussehen wird.
Immer wieder hört man das beruhigende Rauschen eines Baches
Ruhe, Farben und Licht
Nun geht es über
Hügel durch Täler und Wiesen und wieder hinauf in den dichten Wald mit seinen
riesigen Bäumen, Quellen, Moosen, Farnen und Farben. Am Morgen der Abfahrt grüßt
ein Rotschwanz, während sich der Nebel über das Tal hebt. Es waren einfach wundervolle
Tage!
Nebel zum AbschiedBlick auf den HerbstwaldEin kleiner Rotschwanz in der Herbstsonne
Zum Thema Herbstwald hier noch ein Gedicht von Berndt Baumgart, der es während unserer Radltour erdacht hat:
Waldgedanken
Oktobersonne am Waldessaum. Heiß ist es, man glaubt es kaum.
Hat das Klima sich erhitzt? Fragen manche ganz gewitzt.
Nein, es war schon immer so. Klimawandel? Ach, i wo!
Wer hat Recht, wir werden sehn – doch heute ist die Welt sehr schön!
Späte Pilze stehen stumm in dem feuchten Moos herum.
Äschen in dem Kraftwerksgraben, die sich an Herbstes Fliegen laben.
Lieber Gott, lass diese Sonne auf uns scheinen noch ein Weilchen, dann ist das Leben eine Wonne. Vom Ganzen sind wir nur ein Teilchen
Nun habe ich versucht, draußen rasche Skizzen der Herbstlandschaft zu machen. Nicht ganz einfach bei der Fülle an Farben und Details. Also habe ich mich entschieden, die Umgebung eher expressionistisch darzustellen und auf die Farben zu setzen, die gerade durch den Wald glühen.
Der Bayerische Wald. Ja, ich liebe ihn. Ich freue mich, dass ich so nah am „Woid“ wohnen darf: Etwas mehr als eine Stunde Fahrt vom Rottal aus, und schon ist man da: In der Stille, der Ursprünglichkeit, mitten im „Urwald“. Ich freue mich an den tollen Farben, dem Geruch von Moos und Quellwasser, bewundere die Bilder, die der liebe Gott so malt, voller Licht und Schatten.
Schatten? Ja, Schattenseiten gibt es auch, und so langsam frage ich mich, ob ich diese nicht auch mal ansprechen sollte. Sonst befürchte ich, einen Trend der „heilen Welt“ zu unterstützen, der in der Tourismusindustrie inzwischen fast alltäglich ist. Denn die extremen Kontraste zwischen einer beinahe noch naturbelassenen Landschaft, einer alten Kulturlandschaft und der Moderne fallen hier manchmal besonders stark auf.
Heute bin ich mit Berndt den Zellertalradweg entlanggefahren. Gleich am Anfang ein beeindruckendes Erlebnis: Ein Mäusebussard läuft über eine Wiese und jagt nach Insekten und Mäusen. Welche Anmut! Wie schön, dass es noch Raum gibt für diese „wilden Erlebnisse“ in unserer modernen Welt. Denke ich.
Wir fahren weiter. Ruhe? Stille? Fehlanzeige. Das laute
Brummen von Dutzenden Traktoren begleitet uns auf unserer Tour. Was die machen?
Grassilage. Wer nicht weiß, was das ist, nun: das Gras wird etliche Male vor
der Blüte gemäht und in Silos gepresst oder zur Gärung luftdicht in Folie
gepackt.
Ich werde alt…Woran ich das merke? Daran, dass das Wort „früher“ mir durch den Kopf geht. Zum Beispiel: „Früher haben die Kühe Heu gefressen.“ Dank des vielen Mähens blüht es fast nirgendwo mehr. Die Wiesen sehen so grün aus, so ordentlich wie diejenigen der Märklin-Modellbahnanlagen meiner Kindheit. Hach, schon wieder „früher“?
Sillageballen im Bayerischen Wald
Wir strampeln weiter und versuchen, den Traktoren und Unimogs auszuweichen, die uns in großer Geschwindigkeit auch auf der Straße entgegenkommen. Plötzlich ein Holzhaus. Mein Herz geht auf. Ein altes Bauernhaus, das von der Vergangenheit spricht. Ich fahre näher heran. Es scheint schon lange nicht mehr bewohnt zu sein. Ist der Besitzer alt oder verstorben? Was wird mit dem charmanten Häuschen passieren? Wird es abgerissen? Entsteht dann dort ein Neubau?
Welche Zukunft erwartet das schöne Bauernhaus?
Nun fahren wir in ein Städtchen, das am Radweg liegt. Eine Oase des Genusses inmitten intakter Natur soll es sein. Sagt Google. Schade, dass das überdimensionierte Gewerbegebiet den Blick auf das Städtchen verdeckt. Vor wenigen Tagen habe ich einen Vortrag über die identitätsstiftende Funktion des Denkmalschutzes besucht. Der Referent sagte: „Auch die kommenden Generationen haben ein Recht auf Schönheit.“ Schönheit, ein Menschenrecht. Den Gedanken fand ich sehr inspirierend.
Auch eine Realität…
Stiefmütterchen und Glasblumen
Wir kommen an einer Gärtnerei vorbei, die Stiefmütterchen produziert. Jetzt geht es vorbei an einem berühmten „Glasdorf“. Es packt mich der Teufel und ich denke: Ja, da gehe ich jetzt rein! Dass Menschen Hunger nach Natur haben ist offensichtlich: Blumen, Schmetterlinge, Frösche. All diese „Glasnatur“ schreit einen mit grellen Farben und komikhaften Formen an: „Kauf mich!“. Da draußen sind sie ja kaum noch zu sehen, die Schmetterlinge, Blumen, Frösche. Hier können wir sie haben. Und noch den heiligen Spruch dazu: „Schaue nie zurück!“.
Ich will aber zurückschauen. Ich glaube nicht, dass wir ein
besseres Leben haben oder mehr Glück empfinden, wenn wir nur nach vorne
schauen. In der Vergangenheit liegen meine Wurzeln, meine Identität. Es ist mir
jedoch auch klar, dass der Blick nach vorne spannend ist und es die heile Welt nirgendwo
gibt. Aber vielleicht lassen sich Tradition und Moderne doch irgendwie sanfter
kombinieren? Gibt es keine Alternativen zu diesen gewaltsamen Kontrasten? Muss
es so sein? Ich hoffe auf eine fantasievolle und – ja – auch „schöne“ und „gute“ Verbindung
der beiden Aspekte. Um zu solchen Alternativen zu finden, dürfen wir wohl kaum
den anderen Teil des Spruches als Handlungsanweisung ernst nehmen: „Tu was du
willst und steh dazu“. Denn um Extreme zu verbinden, muss man bereit sein,
Kompromisse zu machen und neue Wege zu suchen. Das geht nicht mit dieser „Ich
tu was ich will“ – Mentalität.