Die alte Eiche an der Rott: Ein Universum für sich…
Autumn light
In diesem Jahr ist ein Oktobertag schöner als der andere, es
hört gar nicht mehr auf. Auf den knorrigen Ästen der uralten Eiche an der Rott
lag die Sonne wie ein samtener Schleier. Die Pfaffenhütchen lachen im
gleißenden Licht. Überall glitzert und leuchtet es. Zurzeit kann man sich kaum
sattsehen an der Schönheit der Natur…
Europäisches Pfaffenhütchen. Eine Schönheit! Mal schauen, ob es da was Leckeres gibt… Meditation ist auch eine Option
Aquarelle peinte en plein air juste à côté
de chez nous
Rottaler Landschaft. Heute habe ich mich an den Rand des Lugenzwaldes auf die Bank gesetzt und versucht, die Landschaft einzufangen. Das Licht war richtig toll, einladend, man konnte sogar die Alpen sehen am Horizont.
„Etwas kitschig“, dachte ich, während ich dieses Bild malte. Und doch habe ich diese Szene vor kurzem erlebt und so in Erinnerung. Und da sich die Rehe nicht von der Kamera einfangen lassen wollten, musste ich sie eben mit dem Pinsel jagen.
Une aquarelle un peu „kitsch“ qui exprime pourtant une scène
que j´ai vécu il y a quelques jours en forêt.
Illustration of a scene that I saw recently in our forest.
A hike through our forest organized by the nature conservation union. The main subject: the conifer populations afflicted by bark beetles. The main question: What the forest of the future might look like.
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Kahlflächen aufgrund der massiven Abholzung von Fichtenwäldern sieht man nicht nur im Inntal immer öfter.
Am Sonntag fand die alljährliche Waldwanderung auf dem Schellenberg statt. Über das diesjährige Thema „Borkenkäfer – Katastrophe oder Geburtshelfer?“ fanden schon gleich am Treffpunkt angeregte Diskussionen zwischen den zahlreichen Teilnehmern, unter denen sich auch mehrere Waldbesitzer befanden, und dem Förster statt. Damit befanden sich alle Anwesenden schon mitten im Thema.
Die Veranstaltung ist wie üblich in Zusammenarbeit mit der BUND Naturschutz-Ortsgruppe organisiert worden.
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Im Rahmen des von der Stadt Simbach organisierten Sommerprogramms fand die alljährlich von Förster Reichenwallner geleitete Waldwanderung auf dem Schellenberg statt
Die Fichte hält dem Klimawandel nicht Stand
Nun ging es die Marienhöhe hinauf, einen ursprünglich als Park konzipierten Laubwald am Südhang des Schellenberges. Mehrere größere Kahlschläge weiter oben im Fichtenwald und hohe Holzstapel am Wegesrand zeigten, wie stark der Borkenkäfer auch im Inntal den Wald verwandelt. „Die Fichte hat bei uns ausgedient“, so Reichenwallner. Denn was inzwischen für alle offenkundig sei, könne auch die Wandergruppe auf ihrem Weg immer wieder eindeutig feststellen.
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Diese Hundedame war auch dabei und schaute zuversichtlich in die Zukunft…
Dass der Störenfried jedoch so winzig ist, darüber wunderten sich die Mitwanderer, als der Förster einen Borkenkäfer in einer Rinde zeigte: das Insekt erreicht eine Körperlänge von ca. 5 mm. Die Fichte sei in höheren und kühleren Lagen heimisch und vor über 250 Jahren bei uns eingeführt worden; dieser Nadelbaum komme offenkundig mit dem schnellen Klimawandel nicht zurecht und könne sich aufgrund der Trockenheit nicht mehr durch Harzbildung gegen das zerstörerische Insekt wehren.
Dabei sei schon im 19. Jahrhundert von Wissenschaftlern vor Fichtenmonokulturen gewarnt worden. Vor dem flächendeckenden Einsatz der Fichte wuchsen in unseren Wäldern vornehmlich Eiche und Buche, begleitet von anderen Baumarten wie beispielsweise Kirsche, Ahorn und Tanne.
So winzig ist er, der Borkenkäfer!
Neophyten auf den Brachflächen
Die derzeitigen massiven Abholzungen veränderten mit großen Kahlflächen das Gesicht des Waldes. Auch diese Flächen werden rasch wieder besiedelt. Als erstes zeigte Michael Reichenwallner auf das rosa blühende Indische Springkraut. Diese ursprünglich aus dem Himalaya stammende Pflanze sei als Bienenfutter- und Zierpflanze nach Europa importiert worden und verdränge durch ihr rasches Wachstum teilweise die heimische Vegetation.
Dann machte Reichenwallner auf besonders große Exemplare der Schwarzen Tollkirsche, auch „Belladonna“ (italienisch für „schöne Frau“) genannt, aufmerksam. Wolliger Schneeball und Brombeere gehörten auch zur Kahlflächen-Flora. So schaffe der sich explosiv ausbreitende Käfer auch neue Lebensräume für heimische Pflanzen und solche, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren (Neophyten).
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Die Teilnehmer der Waldwanderung in Simbach
Da das „Käferholz“ keine technischen Mängel vorweise und es zurzeit in großen Mengen verfügbar sei, sei es sinnvoll, es vermehrt als Bauholz einzusetzen. Nun kam die Gruppe an einer Lichtung vorbei, in der Eberesche, Birken hochschießen, in deren Schatten schon erste junge Buchen sprießen: „Der Wald verjüngt sich von alleine, wenn man Zeit und Geduld mitbringt“, so der Förster. Die Anforderungen der Forstwirtschaft lassen jedoch leider keine Muße zu.
Mit Zeit und Geduld verjüngt sich der Wald selbst. Zuerst besiedeln oft Brombeeren, Sträucher und erste „Pionierbäume“ wie die Birke die Kahlflächen. In deren Schatten wachsen dann Buche, Eiche und Tanne heran.
Man ist im Blindflug
Jetzt ging es an teilweise eingezäunten Neupflanzungen vorbei. Es werde nun mit einheimischen und Fremdbaumarten experimentiert. Wie der Wald der Zukunft aussehen werde, könne derzeit trotz aller Studien und Untersuchungen und aufgrund der Schnelligkeit des Klimawandels niemand sagen. „Man ist im Blindflug“, so der Förster. Dies zeigte er auch am Beispiel einer Strobe oder Weymouth-Kiefer, die vor einigen Jahrhunderten aus Nordamerika eingeführt worden und inzwischen in unseren Graden zum Opfer einer Pilz-Krankheit geworden sei.
Nebenher wurden am Wegesrand auch Pilze wie Hexenröhrling, Birkenporling und Maronen sowie allerlei Sträucher bestimmt.
„Es gibt selten Schaden ohne Nutzen“ schloss Brigitte Schwarzbauer und freute sich, dass die Wanderung so viele interessante Gespräche ausgelöst habe: „Das war eine richtige Expertenrunde“. Jeder habe etwas mitgenommen, egal ob er den Wald selber nutze oder nur am Thema interessiert sei. Auf die Veranstaltung im nächsten Jahr freue sie sich jetzt schon.
Gestern mit dem Radl im Kollbachtal gewesen. Was für ein wunderbarer Tag! Die Highlights verrate ich gleich: den Eisvogel und ganz viele Kiebitze!
Ein besonderes Tal
Ein Eisvogel im Kollbachtal – Kingfisher in Lower Bavaria
Aber eins nach dem anderen. Seit 3 Jahren schon erkunden wir unseren weitläufigen Landkreis und haben immer noch viele Gegenden nicht gesehen. Ins Kollbachtal wollte ich eigentlich schon immer. Gerade weil ich Widersprüchliches über diese Region hörte, wollte ich mir einmal selber ein Bild machen. Es sei so schön, hieß es. Andererseits gelangte die Kollbach 2015 zu trauriger Berühmtheit: dort flossen Unmengen an Gülle aufgrund eines Unfalls in einer Biogasanlage in ein bisher gesundes Gewässer, in dem es noch Muscheln, Edelkrebse und die seltene Mühlkoppe gab. Tonnen von toten Fischen wurden damals geborgen. Diese Umweltkatastrophe wird wohl die Artenvielfalt im Bach auf Dauer beeinträchtigen.
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Die mäandernde Kollbach
Jedenfalls haben wir uns gestern entschieden, von Malgersdorf aus über Arnstorf nach Mariakirchen den Kollbachradweg entlang zu radeln. Gleich zu Anfang war ich regelrecht begeistert: endlich mal ein Radweg mit langen nicht asphaltierten Abschnitten. Strecken am Wald entlang, dann wieder am Wasser. Durch stille Dörfer. Nur die kurzen Strecken auf der Staatstraße waren für uns Radfahrer unangenehm bis gefährlich. Ansonsten weite, ruhige Landschaften, am Horizont immer ein Kirchturm, Wiesen, Vögel. Plötzlich auch ein Eisvogel, der uns wohl nicht erspäht hatte und in flinken Sturzflügen versuchte, Fische zu fangen.
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Kiebitze vor einem Landschaftsgemälde. Welch eine Kulisse!
Beim Radeln beten
Was das mit dem Glauben zu tun hat? Nun, während der ganzen Fahrt betete ich. Berndt ging es wohl ebenso. Denn wir wussten: Ein Mensch, den wir beide lieben, wird gerade einer schweren Operation unterzogen. Spontan hielten wir an der Pfarrkirche „Mariae Himmelfahrt“ von Arnstorf, sie ist bekannt als der „Dom des Kollbachtales“. In der Stille beteten wir. Ich stellte mir hundert Engel vor, die die Kranke während der OP bewachten.
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Der „Dom des Kollbachtals“
Natur als Kirche
Auf der letzten Strecke machten wir immer wieder halt, um zu reden. Über das Leben. Über den Tod. Über das seltsame Gefühl, das einen beschleicht, wenn man durch die schönste Natur geht, den Duft des Waldes aufsaugt, die Sonnenstrahlen auf der Haut spürt und dabei denkt, dass man sterben wird. Dass andere sterben werden und wir auch. Alle. Auch der Greifvogel, der da oben seine Runden dreht. Auch ich. Wir sprachen von den Ähnlichkeiten zwischen den drei monotheistischen Religionen und vom Begriff der Sünde. Was ist das überhaupt, Sünde? Was ist Schuld? Ich erinnere mich an einen Satz, den man mir einmal sagte: „Sünde, das ist eine Bewegung, die uns von Gott entfernt.“ Eine Bewegung, die wir aus freiem Willen gehen. Weggehen von Gott. Wegschauen. Ist es das? Immer wieder habe ich mich gefragt: Was heißt das denn, sich von Gott entfernen?
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Hoffnung strahlt
Leid und Jubel
Inzwischen glaube ich, diese Entfernung könnte man mit „Hoffnungslosigkeit“ übersetzen. In unseren Religionen gibt es ja zwei Seiten. Einerseits spricht man vom Leid, von Schuld und von der irdischen Welt als Tal der Tränen. Andererseits gibt es den anderen Aspekt vom Jubel, dem Lob, dem Jauchzen, der überschwänglichen Freude Gott gegenüber. Von der Dankbarkeit, an seiner Schöpfung teilhaben zu dürfen. Manchmal denke ich mir, dass diese Seite zu selten zum Ausdruck kommt.
Wir dürfen hoffen und glücklich sein. Wir dürfen auf die Schönheit der Natur zeigen und sagen: schaut, all dies ist uns gegeben worden. Und uns zusammen an ihr erfreuen. Ist das nicht kindisch? frage ich mich innerlich leise. Aber eine Stimme in mir sagt mir: das ist nicht kindisch. Das ist mutig!
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Unsere Schwester Mutter Erde
Ich denke an den Sonnengesang von Franz von Assisi: „Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.“
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Kiebitze als Schauspieler
Wir fahren weiter, ganz voller Gedanken. Bewundern das Schloss in Mariakirchen. Denken an den lieben Menschen, der gerade im OP-Saal liegt. Auf dem Rückweg begegnen wir ganz vielen Kiebitzen. Welch eine Freude! Bevor sie im Herbst ziehen, sammeln sie sich auf abgeernteten Feldern. Das Witzige hier: sie sammelten sich ausgerechnet vor einem Hof mit bemalter Fassade. Das Wandgemälde zeigt eine bayerische Landschaft mit Kühen. Wie Statisten vor einer Theaterkulisse erschienen sie mir. Leider gab gerade dann meine Kamera den Geist auf, sodass ich sie nicht richtig heranzoomen konnte.
OP gut überstanden
Kaum zu Hause kommt die Nachricht: „OP gut überstanden!“. In der Nacht chatte ich noch mit der frisch Operierten und denke mir: Hoffnung ist wie ein Gebet. Es ist etwas Wunderschönes, Kraftspendendes. Und zuletzt nur noch das eine Wort im Kopf, in der Seele: Danke!
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Nature and Faith
Yesterday we went for a bike tour in a wide valley in our
surroundings in Lower Bavaria. We were very concerned about the health of a
dear person that we both love and that had to undergo a serious operation on
that day. We cycled and prayed at the same time.
It was touching to pray in the nature and to reflect about life, death and hope looking at the beauty of flora and fauna. We saw a kingfisher and lapwings. Back home, very good news: the surgery was successful! What a great joy.