Manchmal ist die Realität schöner als jedes Märchen!
Dass der Haarwechsel bei den Rehen jetzt beginnt, ist am Kopf des hübschen Bocks zu sehen, der von rot zu grau wechselt. Es ist immer ein ganz besonderes Erlebnis, Wildtiere beobachten zu können. Seit 2012 gehen Berndt und ich regelmäßig mit der Kamera im Rottal auf die Pirsch und wissen inzwischen ungefähr, wo wir welche Tiere finden. Und doch ist es immer eine Überraschung, sie zu sehen und zu bewundern!
EN: Deer in Bavaria in September
FR: Septembre est arrivé et on commence à voir davantage de chevreuils. Quelle beauté !
Rehkitz und ÄpfelMit den beiden Kitzen geht es durchs GebüschIm September sieht man die Rehe wieder
Wieder durfte ich einen Beitrag für unseren „Kulturspatz“ (das monatliche Informationsheft unserer Gegend) in der Rubrik Naturbeobachtung schreiben:
Unsere Natur im September – Vogelzug und reifes Obst
Langsam kommt der Frühherbst mit seinem leuchtenden Licht. Noch blühen Wildpflanzen wie Schafgarbe, wilde Möhre, Ackerwinde und Wegwarte. Bunte Stieglitze tummeln sich in den Wiesen und naschen an den Samen.
Viele Vogelarten sammeln sich jetzt und beginnen ihren Flug in den Süden. „An Mariä Geburt (8. September) ziehen die Schwalben furt“, sagt das Sprichwort. Und es ist tatsächlich so, dass die Rauchschwalben im September plötzlich alle verschwunden sind. Auch die Stare finden sich zusammen und bieten dabei spektakulärste Flugformationen: Je näher der Herbst rückt, desto größer werden die Schwärme.
Es ist spannend, die Vogelschwärme über das Rottal fliegen zu sehen. Mit etwas Glück erhaschen wir auch einen Blick auf schöne Schmetterlinge, vielleicht sogar auf den seltenen Großen Feuerfalter, der erst seit zwei Jahren in den Rottauen herumschwirrt.
Jetzt beginnt auch das Rätselraten um die Birnbacher Störche. Die Jungvögel ziehen meist schon im September in ihr Überwinterungsquartier. Die Altvögel hatten sich in vergangenen Jahren jedoch entschieden, im Kurort zu überwintern. Ob es in diesem Jahr auch so ablaufen wird?
Es ist immer spannend, die Natur auf den Rottauenwegen, im Kurpark oder in den Rottaler Wäldern zu beobachten.
Die Stare sammeln sich auf den Masten an der Rott
Der Große Feuerfalter schwirrt erst seit wenigen Jahren in Niederbayern herum
Green Sandpiper (Tringa ochropus) and common Sandpiper (Actitis hypoleucos) at our river in Bavaria
An der Rott bei Bad Birnbach saß gestern Abend ganz still ein Waldwasserläufer am Ufer. Über ihm flogen zwei Eisvögel hin und her. Solche Momente wirken auf mich wie Magie. Waldwasserläufer liebe ich, erst seitdem ich in Niederbayern lebe, kenne ich sie. Seit 1983 brütet der Waldwasserläufer in Bayern alljährlich, hat aber meist nur verstreute lokale Einzelvorkommen. In Bayern wird er als Brutvogel als extrem seltene Art eingestuft. (Info LfU).
Flussuferläufer sucht nach Nahrung an der Rott
Zuvor haben wir noch einen Flussuferläufer gesehen. Auch er ist ein Schnepfenvogel. Meist sehe ich ihn an der Rott an Stellen, wo das Wasser rasch über Steine fließt, denn genau dort scheint er öfter nach Nahrung zu suchen. Was er gar nicht mag, sind Flussregulierungen und Kanalisierungen. Schön, dass es ihn hier noch gibt! Anfänglich konnte ich Waldwasserläufer und Flussuferläufer kaum voneinander unterscheiden, obwohl der Flussuferläufer kleiner ist. Inzwischen orientiere ich mich hauptsächlich an dem weißen Fleck vor dem Flügel des Flussuferläufers, so erkenne ich ihn am ehesten.
Er mag es, wenn das Wasser rauscht
Zuletzt liefen uns auch die Birnbacher Störche über den Weg.
Die Birnbacher Störche unterwegsRomantische Eindrücke
Und wieder eine Neuigkeit an der Rott! Gestern flitzte ein Schnepfenvogel hin und her und sah irgendwie etwas anders aus als diejenigen, die ich sonst hier mit der Kamera erwischt habe. Leider habe ich ihn nur von weitem und verwackelt fotografieren können, aber ich habe mich so gefreut, hier wieder ein Tier gesehen zu haben, das ich bisher nie gesehen hatte!!!
Ein Ornithologe klärte mich auf: Es ist ein Bruchwasserläufer (Tringa glareola)! Vor 200 Jahren brütete er noch in Deutschland, aber da die meisten Moore trockengelegt wurden, tut er dies nur noch im Hohen Norden, Skandinavien, Norwegen, Sibirien, aber auch in Schottland. Als Brutvogel ist er hier ausgestorben, als (Herbst-) Durchzügler ist er in Bayern hier und da noch zu sehen.
Faszinierend finde ich, dass er mit seinen Füßen auf Algen und Wasserpflanzen laufen kann.
Der Bruchwasserläufer (Tringa glareola) an der Rott / Chevalier sylvain
Heute Morgen wurde ich von diesem schönen Feldhasen beobachtet.
FR: Ce matin, un lièvre m´a observé pendant ma promenade.
Streuobstwiese
Dieser alte Apfelbaum trägt viele Früchte
J´aime les vieux pommiers qui attirent beaucoup d´oiseaux
Im Rottal wird viel Mais angebaut
Die Maisfelder werden langsam reif
Nous avons beaucoup de champs de maïs en Basse-Bavière.
Jungstorch in Pfarrkirchen
Die Birnbacher Jungstörche sind schon flügge. Das Storchenpaar in Pfarrkirchen hat erst etwas später angefangen zu brüten, der Jungstorch wird aber auch ganz bald fliegen.
Un nid de cigognes, Dans notre région, il y en a deux.
An der Rott sehe ich den Waldwasserläufer meist erst, wenn ich seinen Warnruf gehört habe. Ich freue mich immer, wenn ich diese scheuen und seltenen Vögel sehe.
Un chevalier cul-blanc dans notre rivière. J´adore ces oiseaux rares et un peu mystérieux.
EN: We saw a rare black stork (ciconia nigra) today!!
FR: Une cigogne noire dans notre région!
Was für ein Glückstag heute!!! Unterwegs in unserem Landkreis – haben wir heute einen Schwarzstorch gesehen! Schwarzstörche galten in Bayern lange Zeit als ausgestorben, inzwischen gibt es immer mehr Reviere, aber als Brutvogel bleibt er sehr selten. Am ehesten brütet er wohl im Frankenwald.
Im Gegensatz zum Weißstorch, der ja gerne unter uns Menschen lebt und auf Dächern, Kaminen und Strommasten nistet, ist der Schwarzstorch sehr scheu und störungsempfindlich. Er lebt in stillen Wäldern und liebt Waldwiesen, Lichtungen, Bäche… Störungen in Nestnähe, z. B. starke Freizeitnutzung, führen zur Gefährdung von Bruten.
Nur Brust und Bauch sind weiß, ansonsten ist der Schwarzstorch eben schwarz, wie der Name sagt.