Manchmal ist die Realität schöner als jedes Märchen!
Dass der Haarwechsel bei den Rehen jetzt beginnt, ist am Kopf des hübschen Bocks zu sehen, der von rot zu grau wechselt. Es ist immer ein ganz besonderes Erlebnis, Wildtiere beobachten zu können. Seit 2012 gehen Berndt und ich regelmäßig mit der Kamera im Rottal auf die Pirsch und wissen inzwischen ungefähr, wo wir welche Tiere finden. Und doch ist es immer eine Überraschung, sie zu sehen und zu bewundern!
EN: Deer in Bavaria in September
FR: Septembre est arrivé et on commence à voir davantage de chevreuils. Quelle beauté !
Rehkitz und ÄpfelMit den beiden Kitzen geht es durchs GebüschIm September sieht man die Rehe wieder
Hoffentlich auch in Zukunft zu sehen: Springende Rehe
Letztens sah ich sie im Gerstenfeld: Springende Rehe – Im Rahmen einer neueren Forstwirtschaft-Strategie („Wald vor Wild“) sollen mehr Rehe geschossen werden, um den Verbiss zu vermindern und somit anscheinend dem Wald zu helfen, schneller nachzuwachsen. Ich hoffe, dass nach dieser Aktion in unseren Landschaften noch solche Anblicke möglich sein werden…
Für die meisten Menschen gehören Rehe in unsere Region. Sie sind heimische Wildtiere, die uns mit ihrer Schönheit und zierlichen Eleganz erfreuen und unsere Landschaften mit Leben füllen. Es ist zu hoffen, dass sie trotz erhöhtem Jagddruck und Wildunfällen im Verkehr weiterhin unsere Rottaler Landschaften durchstreifen.
EN: Our hunters are asked to shoot more deer and hares to protect young trees in the forest from damages and to prevent browsing according to the principle “forest comes before deer“. It is a sad decision…
FR :Un nouveau principe de sylviculture donne „la priorité à la forêt par rapport au gibier“. Ce qui signifie que nos politiques demandent de réduire le nombre de chevreuils et de lièvres. On leur donne la responsabilité de détruire les jeunes forêts en broutant les jeunes plantes. Cela me semble absurde qu´on veuille décimer nos animaux sauvages pour « sauver » les forets qui sont d´ailleurs souvent de grandes monocultures.
Welche Eleganz! Rehe sind für mich so schön wie Gazellen
Das größte und schönste Wunder: die Natur. Eigentlich leben wir im Garten Eden und bemerken es nicht, weil wir damit beschäftigt sind, die Natur zu „ordnen“ und uns gegenseitig zu bekriegen.
Der Frühling ist daKiebitze brüten noch bei uns. Trotz allem. Ich bin ihnen dankbar.Ein Goldtropfen am Wegesrand: Die Goldammer
Roe deer with lapwing // Chevreuils avec vanneau huppé
Wildheit
Gestern sah ich Rehe, die friedlich neben Kiebitzen grasten. Ein Bild, das anmutet wie ein Traum, beinahe magisch. Ein Bild des Trostes in traurigen Zeiten.
Was bedeutet das eigentlich, Wildheit, habe ich mich gefragt. „Wildheit, die Wilden, die Primitiven“, geht mir durch den Sinn. Wildheit ist etwas, das dem Menschen Angst zu machen scheint, eine wilde Welt ohne Sicherheit, den Raubtieren ausgeliefert, ohne Ordnung, ohne Ordnungsmächte. Als Schutz bloß irgendwelche Amulette gegen furchtbare Gefahren…
Wahrscheinlich stecken in uns Menschen die Ängste vor den Gefahren, denen wir auch tatsächlich in unserer Vorgeschichte ausgesetzt waren, noch tief: Feuerbrunst, angreifende Bärinnen, tödliche Krankheiten. Und so kam es wohl, dass wir ordnend eingreifen wollten. Eigentlich ganz verständlich. Es wurde also gerodet, wilde Tiere wurden gezähmt und eingesperrt. Irgendwie sperrten wir dabei auch unsere eigene Wildheit ein. Heute noch zerstören wir Hecken und die letzten Feldsäume, tragen Masken gegen Krankheiten und pflanzen Narzissen und Stiefmütterchen. Noch nie habe ich erlebt, dass so viele Bäume gefällt und Hecken herausgefräst wurden wie gerade jetzt, wo alle den Wald retten wollen.
Ich glaube, alles hat zwei Seiten. Auch die Wildheit. Sie hat eine gefährliche Seite, die wir anscheinend nie zähmen, nur unterdrücken konnten und die sich schrecklicherweise in jedem Krieg dieses Erdballs zeigt. Aber sie hat auch eine poetische Seite. Wenn wir dem Drang nachgeben, alles um uns herum nüchtern zu ordnen und zu desinfizieren, können wir auch keine Wildtiere mehr sehen. Die zeigen uns aber in märchenhaften Bildern, wie beruhigend und traumhaft schön Wildheit sein kann.