Schon immer hat mir die Definition eines Sprachwissenschaftlers
gefallen: Dialekte sind Sprachen ohne Pass. Die Vielzahl der Mundarten steht neben
den jeweiligen Hochsprachen und erweitert sie mit interessanten und witzigen
Sprachvarianten. Ich bin zwar „dialektlos“ aufgewachsen, liebe aber
diese regionalen Ausdrucksweisen. Höre ich den Dialekt von Marseille, rieche
ich schon das Meer, bei dem von Neapel höre ich Musik… und Bayerisch mag ich
einfach. Was ich nicht mag, ist die Hierarchisierung von Mundarten: die ist
edel, die andere „primitiv“. „Waidlerisch“ wird beispielsweise auch von anderen
Niederbayern belächelt. Man könne das gar nicht verstehen. Das kann ich nicht
ganz nachvollziehen.
Aber ich muss schmunzeln, wenn sich „Zuagroaste“ aus
Düsseldorf und Flensburg erfolglos die Zunge an den Bayerischen Diphthongen
brechen.
Eigentlich wollte ich etwas anderes erzählen: während unseres Aufenthaltes in einer Gaststube im Wald, saß plötzlich ein waschechter Bayer am Tisch. Unter dem mit Abwurfstangen verzierten Rotwildschädel aus Gips las er die Bild-Zeitung mit einer großen Lupe. An seinem Hut prangte der Gamsbart; Lederhose, Trachtenjacke und sich auf der Brust kreuzenden Hosenträger runden das Bild des „perfekten“ Oberbayern ab. Ich blicke erstaunt rüber, mache eine schnelle Skizze und denke an Szenen vom Bauerntheater…bis der Bayer den Mund aufmacht. Und siehe da, er kommt aus Hamburg und das hört man!
Bird tour organized by a nature conservation organization, teaching participants to identify birds by their calls
Teilnehmer der Vogelstimmenwanderung. Experte Walter Sage deutet auf einen Vogel
Heutige Vogelstimmenwanderung im Ederhölzl in Pfarrkirchen
Schwarzspecht und Sommergoldhähnchen als Highlights
Bei eher kühlem Wetter fanden sich ca. 20 interessierte
Teilnehmer am Ederhölzl ein. Hier fand am Sonntag eine vom Flora- und
Fauna-Experten Walter Sage geleitete Vogelstimmenwanderung statt. Die Führung
hatte der Bund-Naturschutz-Ortsgruppenvorsitzende Karl-Heinz Steiner gemeinsam
mit der Kreisgruppe LBV-Rottal-Inn, dessen Vorsitzender Hubert Szücs mit
wanderte, organisiert.
Nach der Begrüßung erklärte Steiner, das Pfarrkirchener Ederhölzl sei vornehmlich ein natürlicher Eichen-Hainbuchenwald, der auf dieser Höhenstufe (400 m) typisch sei. „So würde hier der Wald aussehen, wenn er von selber wachsen würde“, so Steiner. Er bestehe aus 100-jährigen Bäumen und berge viele botanische Arten, die auch Insekten und Vögeln Nahrung und Schutz bieten.
Bevor man sich auf den Weg machte und noch auf dem Parkplatz lud Experte Sage die Teilnehmer ein, zu lauschen und die umgehenden Bäume zu beobachten. Schon konnten erstaunlich viele Arten anhand ihrer Stimmen oder aber optisch bestimmt werden, darunter auch Hausrotschwanz, Kohlmeise, Star, Stieglitz, Mönchsgrasmücke und Buchfink.
Am Waldrand zeigte sich dann das Sommergoldhähnchen von seiner schönsten Seite: Intensiv orange leuchtete sein Scheitelstreifen durch das junge Laub. „Trotz seiner Häufigkeit ist dieser kleine Vogel kaum bekannt, weil er sich nur selten in Bodennähe aufhält“, so Sage. Während der Wanderung wurden weiter bestimmt: Rotkehlchen, Zilpzalp, Grünfink, Blaumeise, Buntspecht, Eichelhäher, Kleiber, Zaunkönig, Fitis, Mäusebussard, Rabenkrähe, Kernbeißer und der eher seltene Waldlaubsänger.
Die Erläuterungen des Vogelexperten wurden während der Wanderung seitens Karl-Heinz Steiner mit botanischen Beobachtungen ergänzt. Der BN-Ortgruppenvorsitzende machte auf vielblütigen Weißwurz, Knoblauchsrauke, Baldrian sowie Waldmeister im Unterholz aufmerksam und wies auf die Notwendigkeit von Totholz im Wald hin. Einige abgestorbene Stämme von Vogelkirsche und Eiche sollten für Insekten und Vögel liegen gelassen werden. „Das sollte nicht als unaufgeräumt empfunden werden“, so Steiner.
So war es dann für alle Teilnehmer ein ganz besonderes Erlebnis, den Schwarzspecht überraschend über die Baumgipfel gleiten zu sehen. Kurz zuvor hatten die Wanderer schon typische Hackspuren des Spechts an Salweiden und Totholz beobachten können. Steiner wies auf einige mit Fichten aufgeforstete Stellen hin, die inzwischen aufgrund des Borkenkäferbefalls teilweise gefällt worden sind. Vor der kahl geschlagenen Stelle wies Steiner auf den angrenzenden gesunden Wald hin: „Wie es sein sollte, macht die Natur vor.“
Als Krönung rief schließlich der Kuckuck. Nun fasste Walter Sage zusammen: „Insgesamt haben wir heute 27 Arten beobachtet“. Erfreulich sei, dass recht viele Amseln dabei gewesen seien, die sich augenscheinlich von der „Amselsterben“ genannten Epidemie erholt hätten. Leider habe man auf dem Weg jedoch wenig Insekten gesehen. „Früher hat es hier vor Insekten gebrummt“, so der Experte.
Ein Dank galt zum Abschluss dem Exkursionsleiter Walter Sage für seine informativen und interessanten Erläuterungen.